Schwulenfeindliche Chickenburger erobern gerade die USA

David Schafbuch

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Chick-fil-A scheint unaufhaltbar.

„Du bist der erste Mensch, den ich je getroffen habe, der von Chick-fil-A nicht begeistert war“, sagte mir ein amerikanischer Kommilitone während meines Auslandsemesters in den Südstaaten.

Am Tag zuvor saß ich in einem für mich gewöhnlich aussehenden Fastfood-Restaurant auf dem Campus. Ich aß eine Tüte gitterförmiger Pommes, dazu einen Chickenburger. Nicht besser oder schlechter als jede andere Fastfood-Kette, für mich am ehesten vergleichbar mit dem in Deutschland bekannten KFC.

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Ich wusste nicht, welche Irritationen ich mit meiner gleichgültigen Reaktion unter Amerikanern auslösen sollte. Dass ich nicht sofort in ihre Lobeshymnen einsteigen konnte, war für viele nicht zu begreifen.

Manche Amerikaner vergöttern jenes Schnellimbissrestaurant geradezu: In einem meiner Kurse sah ich einen Typen, der sich vor jeder Unterrichtsstunde Chickennuggets der Fastfood-Kette in sich hineinstopfte.

Aber woher kommt Chick-fil-A überhaupt?

Mit meinem religiösen Vergleich sollte ich nicht so falsch liegen: Chick-fil-A, 1967 in der Nähe von Atlanta gegründet, und damit im sogenannten "Bible Belt", ist ein christlich geprägtes Unternehmen. "Gott zu ehren, indem wir ein treuer Verwalter aller uns anvertrauten Menschen sind und einen positiven Einfluss auf alle haben, die mit Chick-fil-A in Kontakt kommen", lautet der selbst formulierte Unternehmenszweck der Kette.

Jeden Sonntag haben alle Filialen geschlossen, eher ungewöhnlich in den 24/7-geprägten Staaten. Offiziell sagte das Unternehmen, dass der Tag Familie und Freunden gehört. Viele vermuten den wahren Grund darin, dass der Sonntag in den Südstaaten häufig mit einem Gang zur Kirche verbunden ist.

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Das konservative Unternehmensbild sollte aber niemanden täuschen. Chick-fil-A gilt als das heißeste Unternehmen im hart umkämpften Fastfood-Markt: 2017 lag der Umsatz bei rund neun Milliarden Dollar. Im Jahr davor eröffnete die Kette rund 120 neue Filialen.

Damit liegt das Unternehmen zwar weit hinter Systemgastronomien wie Dunkin’ Donuts (397) oder Starbucks (651). Beim Vergleich mit reinen Burgerrestaurants kann aber keine Kette mithalten: Größen wie Burger King eröffneten 2016 lediglich 35 Filialen. Der Branchenprimus McDonald’s machte in dem Zeitraum sogar rund 100 Imbisse dicht.

Chick-fil-A-Läden sind zur Zeit Goldgruben

Macht Chick-fil-A so weiter, könnte es bald zu den ganz großen Playern aufschließen: Laut BuzzFeed soll eine Filiale schon jetzt im Schnitt rund vier Millionen Dollar pro Jahr umsetzen. Damit liegt das Unternehmen schon vor einem McDonald’s-Restaurant, das im Schnitt auf 2,5 Millionen Dollar kommt.

Dass die Läden für die Betreiber eine Goldgrube sind, hat sich schon rumgesprochen: „Wenn ich schnell Geld verdienen will, müsste ich hier nicht Medizin studieren, sondern nur ein Restaurant aufmachen“, sagte mir ein Freund während meines US-Aufenthalts.

Setzt Chick-fil-A seinen Wachstum weiter fort, könnte es in zwei Jahren laut dem Bericht hinter Starbucks und der Kette mit dem goldenen M auf Rang drei bei den Gesamteinnahmen landen.

Homophobes Fastfood

Die konservative Unternehmensphilosophie sorgt aber auch für Kritik: 2012 erregte Vorstandschef Dan Cathy für Aufsehen, indem er sich gegen gleichgeschlechtliche Ehen aussprach: Chick-fil-A vertrete „traditionelle Familienwerte“, die dem biblischen Verständnis der Familie entsprächen, heißt es in einem Bericht der Baptist Press.

In Folge des Interviews wurde auch publik, dass das Unternehmen anti-homosexuelle Organisationen unterstützte. Chick-fil-A teilte danach mit, Zahlungen an entsprechende Einrichtungen eingestellt zu haben. Die kritischen Stimmen wurden dadurch aber nicht weniger: Die Jim Henson Company, die unter anderem für die Muppet Show verantwortlich ist, beendete in Folge der Berichte ihre Zusammenarbeit mit der Restaurantkette. Zuvor hatte das Unternehmen Spielzeug für Kindermenüs an Chick-fil-A geliefert. Mitten in der Debatte spendete Amazon-Chef Jeff Bezos 2,5 Millionen Dollar an eine Kampagne, die sich für gleichgeschlechtliche Ehen in den USA einsetzt. Bezos äußerte sich öffentlich nicht zu der Spende. Viele deuteten allerdings die Aktion als Statement gegen die Unternehmensphilosophie von Chick-fil-A.

Trotz des zweifelhaften Rufs reitet das Unternehmen weiter auf einer Erfolgswelle. Auch in Deutschland hatte die Marke schon 2015 in Frankfurt am Main mit einem Pop-up-Store den europäischen Markt getestet. Pläne, dass Chick-fil-A aber eine dauerhafte Übersiedlung nach Europa plant, gibt es noch nicht.

Übrigens: Diese US-Fast-Food-Ketten gibt es auch in Deutschland

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