Sorry. Fressen oder nicht fressen.

Endlich Advent. Hurra. Zeit, sich mal so richtig schön einen einzuschenken. Nein. Moment – einzuschränken! Das wollte ich sagen. Zeit, sich mal so richtig schön einzuschränken.

Schlank durch den Advent, fettarme Festtage, Weihnachtsmarkt kalorienarm, das sind die Themen, die uns gerade wieder angetragen werden.

Die Ernährungstipps für den Weihnachtsmarkt und die Festtage mit der Familie sind die üblichen:

  • Gut Frühstücken (ist doch voll logisch, dann haben wir abends weniger Appetit!)
  • Keine Süßigkeiten zwischendurch (wer sollte bitte auch auf die Idee kommen?)
  • Auf den Weihnachtsmarkt am besten schon in der Mittagspause (wenn’s was zu trinken gibt, bin ich dabei)
  • An den Weihnachtstagen einfach mal die Beilagen weglassen (gnahahahahaha, wer sagt’s Mama?)
  • Und Champignons ohne die fettige Knoblauchsauce essen (okay ich bin raus, macht euren Scheiß alleine).

Na ja, und so weiter. Ihr wisst schon. Esst einfach, als wäre schon Januar. Dann werdet ihr vielleicht ansehnlich überleben.

Jedes Jahr, wirklich jedes verdammte Jahr, kommt irgendjemand mit diesen Tipps um die Ecke. Schlank durch die verfressenste Zeit des Jahres.

Aber niemand sagt uns, warum das so wichtig sein soll.

Kleiner Tipp am Rande: Okay, jeden Tag Glühwein ist für den Körper tatsächlich nicht so richtig geil. Viel Zucker und viel Alkohol, von diesen Sprüngen im Insulin-Spiegel wieder runter zu kommen, fällt jedem schwer, Dry(ja)nuary hin oder her. Aber dass jeden Tag saufen und gebrannte Mandeln futtern nicht so richtig klug ist, ganz ehrlich, das wussten wir auch alle schon vorher.

Deshalb gibt es ja auch noch die zweite Kategorie von Weihnachtsmarkt-Tipps. Die, die jeden Unsinn schönreden, damit wir uns besser fühlen. Und das geht so:

  • Rotwein stärkt das Herz (ja, mhhhm, mit ganz viel Zucker und Rum drin, Spitzenidee, gleich noch zwei davon)
  • Frittierte Kartoffelpuffer sind auch Kartoffeln (!!!)
  • Magenbrot hat nur 370 Kilokalorien pro 100 Gramm (na herzlichen Glückwunsch, selbst Pizza hat in der Regel weniger)
  • Wer teilt, der isst auch nur die halbe Menge (sorry. Einzelkind.)
  • Ohne Alkohol hat der Glühwein viel weniger Kalori– (oh Gott, ich muss schon beim Gedanken daran kotzen).

Tipps aus der Kategorie: Schreib irgendne beruhigende Scheiße auf, die Leute fressen sich ja eh voll. Politikberichterstattung in Nordkorea und deutschen Foodjournalismus der Vorweihnachtszeit stelle ich mir ungefähr gleich vor.

Apropos Journalismus, da war ja noch was. Hinterher sagt wieder irgendwer, ich hätte ja gar keine Fakten mitgebracht. Also hier: Einer eher mittelseriösen Umfrage zufolge nehmen knapp zwei Drittel aller Deutschen in der Vorweihnachtszeit etwa zwei Kilo zu.

ZWEI KILO!

Die 2000 Grämmchen kann man noch bequem auf die allgemeine Gammeligkeit schieben, was ja gemeinhin auch den Darm eher träge werden lässt.

Ich will nicht leugnen, dass ich bei Silvester-Kleidern eher großzügig einkaufe, aber zwei Kilo sind nun wirklich nicht der Beginn der großen Fettleibigkeit. Zwei Kilo sind nichts. Zwei Kilo nehmen sehr viele sehr normale – gesunde – Frauen innerhalb eines Zyklusses ab und wieder zu. Einige sogar mehr. Also bitte.

Ich habe keine Lust auf Menschen, die mir sagen, dass ich mich ausgerechnet in der Weihnachtszeit mäßigen soll.

Hier kommt also die Absolution: Von mir aus könnt ihr alle essen was ihr wollt. Spätestens am zweiten Weihnachtstag vergeht uns doch eh der Appetit. Kleiner Rückfall an Silvester und an Neujahr treffen wir uns zum Auskatern auf der Joggingstrecke.

Der Advent ist etwas Besonderes, weil plötzlich überall Zimt drin ist. Im Vergleich dazu hat Ostern keine nennenswerten Charaktereigenschaften, diese widerwärtigen weißen Schaumweingummidinger zählen nicht.

Zimt, liebe Leute, Zimt! Das müssen wir ausnutzen!

Wer einen Geschmackssinn besitzt, der sollte grundsätzlich in der Lage sein, lebendig und ohne Schäden an Leber und Bauchspeicheldrüse durch die Vorweihnachtszeit zu kommen. Alle anderen werden die nächsten zehn Tipps gegen Weihnachtsspeck auch nicht retten.

Quelle: Noizz.de