Spoiler: Es ist etwas komplizierter.

Kein Rohstoff löst gerade so viele Debatten aus wie Palmöl. Ich will ganz ehrlich sein, vor fünf Jahren wusste ich noch nicht einmal, dass Palmöl existiert. Doch nach und nach hat sich dieses Wort in meinen Wortschatz geschlichen und war quasi schon immer negativ konnotiert. Denn Palmöl ist schlecht. Palmöl bringt süße Orang-Utans um. Doch stimmt das überhaupt? Wenn du genauso unsicher bist, ob du Palmöl nun komplett boykottieren sollst, dann gibt es hier die wichtigsten Informationen rund ums Thema.

Was genau ist überhaupt Palmöl?

Palmöl stammt von sogenannten Ölpalmen, einer Pflanzenart, die ursprünglich aus Westafrika stammt. Palmöl oder Palmfett ist das Erzeugnis, das beim Pressen der orangenen Früchte des Baumes gewonnen wird und eine gängige Zutat von Lebensmitteln ist. Die Kerne der Pflanze liefern außerdem Palmkernöl, das oft in der Kosmetik Verwendung findet.

Früchte der Ölpalme Foto: Unsplash / Eva Blue

Palmöl hat einen Marktanteil von 30 Prozent und ist damit das meist verwendete Pflanzenfett der Welt. Ölpalmen sind die Ölpflanze mit dem größten Ertrag pro Hektar, dieser ist etwa dreimal so groß wie beim Rapsöl. 70 Millionen Tonnen Palmöl wurden 2018 laut PETAweltweit produziert, 87 Prozent davon in Malaysia und Indonesien, in der die Pflanze eigentlich nicht heimisch ist.

68 Prozent des verwendeten Palmöls wird für die Herstellung von Lebensmitteln und Futter für Tiere verwendet. 27 Prozent für Kosmetik, Reinigungsmittel und andere industrielle Produkte und rund 5 Prozent für Kraftstoffe. In Deutschland basiert fast die Hälfte des Palmölverbrauchs auf Heiz- und Kraftstoffen.

Wieso ist der Anbau von Palmöl problematisch?

Viele Plantagen werden in Regenwaldgebieten angebaut, da die Ölpalmen aufgrund ihrer Herkunft ein feuchtes, tropisches Klima in Gebieten am Äquator bevorzugen. Leider werden die Flächen für die konventionelle Herstellung des Pflanzenöls oft durch Brandrodung von Regenwäldern erschlossen. Dabei gehen wertvolle Lebensräume für sowieso schon gefährdete Wildtiere wie Orang-Utans verloren, außerdem ist die Rauchentwicklung eine gesundheitliche Gefahr für alle Menschen, die in diesen Gebieten leben.

>> Oreos töten Orang-Utans – laut einer neuen Studie

Palmöl wird meist in Monokulturen angebaut, was die Böden der abgerodeten Flächen schnell auslaugt und nach einigen Jahren einen Rückgang des Ertrags zur Folge hat. Deshalb müssen danach oft neue Flächen entschlossen werden, oder es erfolgt erneut Brandrodung. Außerdem beherbergen Monokulturen bei weitem weniger Lebensraum, als die mehrstöckige Flora des ursprünglichen Regenwaldes.

Ein weiteres Problem ist die Korruption, die die Verteilung der Anbauflächen häufig beeinflusst. Die Regenwaldgebiete werden von der Regierung des jeweiligen Landes vergeben, was leider oft zu Machtmissbrauch führt. Schließlich haben große Firmen viel Geld und ein starkes Interesse daran, möglichst große Gebiete von der örtlichen Regierung zugeteilt zu bekommen. Des Weiteren werden regionale Bauern für ihren Anbau der Ölpalmen in den meisten Fällen nicht gerecht entlohnt und arbeiten unter schlechten Bedingungen.

>> 10 Sneaker ohne Leder, die nicht komplett scheiße aussehen

Gibt es nachhaltiges Palmöl?

Es gibt durchaus Projekte, die sich für nachhaltiges Palmöl einsetzen.Serendipalm in Ghana fördert die Herstellung von Palmöl nach Biostandards und setzt bei der Weiterverarbeitung der Früchte auf Menschen statt Maschinen. 650 Bauern beliefern das Projekt des Kosmetikhersteller Dr. Bronner, bei dem besonders Frauen gefördert werden. Die Bäume der verwendeten Plantagen sind im Durchschnitt 19 Jahre alt, wurden also nicht erst vor Kurzem gerodet. Es handelt sich außerdem um Flächen, die bereits seit langer Zeit landwirtschaftlich genutzt werden. Auf diesen Plantagen in Westafrika gibt es übrigens auch gar keine Orang-Utans – die Zerstörung des Lebensraums der sensiblen Menschenaffen ist also gar kein Thema.

Solches Biopalmöl, dass unter sozial gerechten und nachhaltigen Aspekten angebaut wurde, macht leider weiterhin nur rund 0,1 Prozent des weltweiten Ertrags aus. In den Hauptexportländern Indonesien oder Malaysia wird zum Beispiel gar kein biologisches Palmfett angebaut, in den kleineren Herstellern Südamerika und Westafrika dagegen schon. Wer neben nachhaltiger Landwirtschaft auch auf soziale Herstellung achten möchte, sollte beim Einkauf neben dem Bio- außerdem auf das Fairtrade-Siegel achten.

>> Wegen Tierschutz: Halal-Fleisch darf kein Bio-Siegel kriegen

Alternativen zu Palmöl sind bei gleich hohem Konsum der Weltbevölkerung schwierig, da der Flächenbedarf alternativer Öle wie Kokos um einiges größer ist und damit potentiell noch mehr Wald gerodet werden müsste. Regional angebaute Öle wie Raps oder Soja haben andere Eigenschaften wie Palmöl, die sie für die massenhafte Verwendung in Lebensmitteln weniger attraktiv und sie damit zu keiner direkten Alternative macht.

Ist Palmöl ungesund?

Grundsätzlich ist Palmöl natürlich immer noch ein Fett und damit nicht gerade der gesündeste Inhaltsstoff, doch ungehärtetes Palmöl ist tatsächlich eines der gesünderen pflanzlichen Öle, da es laut Rapunzel unter anderem 50 Prozent einfach oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren und viel Vitamin E enthält. Gehärtet steht Palmöl so wie andere Fette jedoch im Verdacht, Krebserkrankungen zu begünstigen. Bei einer Verarbeitung bei einer Temperatur ab 200 Grad sollen die ungesunde Stoffe in dem Öl entstehen. Viele Biomarken wie Rapunzel achten jedoch nach eigenen Angaben auf eine schonende Verarbeitung bei niedrigeren Temperaturen.

Insgesamt gibt es also zu sagen, dass biozertifiziertes Palmöl aus den richtigen Bezugsquellen durchaus nachhaltig und sozial sein kann. Jedoch ist über 99 Prozent des momentan verwendeten Palmöls eben bei weitem nicht nachhaltig angebaut. Da Ölpalmen durch den hohen Ertrag mittlerweile durchaus eine essentielle Resource für Lebensmittel, Kosmetik und Kraftstoffe geworden sind, ist ein kompletter Boykott wohl weniger sinnvoll, als sich für nachhaltigen Anbau einzusetzen.

>> Wie öko ist Ikea wirklich?

Wer sich noch weiter zu vertretbarem Palmöl informieren will, sollte sich diese Folge des Podcasts "a mindful mess" der Lifestyle-Bloggerin Daria Alizadeh anhören:

Folge Juliane bei Instagram und NOIZZ bei Facebook und Instagram.

Quelle: Noizz.de