Handbrot, Maronen und Germknödel: Ein Plädoyer für Buden-Völlerei.

Weihnachtsmärkte können richtig ätzend sein. Denn machen wir uns nichts vor, die Illusion des romantischen Schlenderns – mit dampfendem Glühwein in der einen, und einer Tüte gebrannter Mandeln in der anderen Hand – zerplatzt meist schnell. Vor den Ständen drängen sich angetrunkene Besucherschlangen, generell ist es immer überfüllt und hat man besonders viel Pech, wird man – anstatt mit besinnlicher Weihnachtsmusik – von kitschiger Neunziger-Musik und Kindergeschrei beschallt.

Trotzdem fehlt mir etwas, wenn ich in der Adventszeit nicht mindestens einmal über einen Weihnachtsmarkt geschlendert bin und dabei eines meiner All-Time-Favourite-Weihnachtsmarkt-Essen gegessen habe. Denn die ein oder andere Tasse klebrig-süßer Glühwein wird einem in der Vorweihnachtszeit eigentlich überall nachgeworfen, das Glücksgefühl, das völlig überteuertes Xmas-Fastfood auslöst, kann man sich aber ausschließlich an den Essensbuden der Weihnachtsmärkte abholen.

Drei Gerichte, die mir bereits bei der Vorstellung daran das Wasser im Mund zusammen laufen lassen:

Germknödel mit Vanille-Soße und Mohn

Meistens nur noch lauwarm und viel zu süß – trotzdem, auf nichts geiere ich mehr! Dieses Jahr fahre ich an Weihnachten extra in meine Heimatstadt, um mir die volle Hefeknödel-Dröhnung zu geben. Wenn ich richtig hart übertreiben will, lass ich mir am Germknödel-Stand meines Vertrauens noch heiße Kirschen dazugeben. Beste.

Schupfnudeln mit Sauerkraut

Kein traditionelles Weihnachtsessen – und wahrscheinlich könnte man die Schupfnudeln in der Zeit, in der man auf das Essen wartet, genauso schnell und für ein Zehntel des Preises zu Hause selbst in die Pfanne werfen. Aber irgendwas an der matschigen, halb zerkochten Weihnachtsmarkt-Version erwärmt mein Herz immer wieder auf's Neue.

Champignons mit Knoblauchsoße

Gut fünf Euro zahlt man für eine kleine Portion, was so lächerlich überteuert ist, dass man für den Preis schon fast Trüffel statt Champignons erwartet. Trotzdem bekomme ich regelrechte Munchies, wenn mir der Geruch der Knobi-Pilze in die Nase steigt.

Für meine Kollegin Luisa Hemmerling geht dagegen nichts ohne:

Maronen

Esskastanien haben sich durch die starke Beeinflussung meines Vaters zu einem absoluten Muss auf Weihnachtsmärkten entwickelt. Wenn ich noch keine heißen Maronen gegessen habe, dann war noch nicht Adventszeit. Ich liebe das Gefühl, mit einer warmen Tüte Maronen über den Weihnachtsmarkt zu laufen, und mit meinen verfrorenen Fingern die vor Hitze aufgeplatzte Schale der Maronen zu brechen. Das Ganze fühlt sich zudem merkwürdig gesund an. Ob es das wirklich ist, will ich gar nicht wissen.

Dresdner Handbrot

Mein neu-entdecktes Highlight. Frisch aus dem Ofen, mit einer Schicht Schmand und liebevoll verteiltem Lauch und Speck. Nichts für den Veganer, aber voll was fürs Feeling. Für 3,50 Euro eine überraschend sättigende, verdeutschte Pizza. I love it!

Und für NOIZZ-Redakteurin Sabine Winkler sind Pflaumentoffel-Figuren und Langos die Höhepunkte des Weihnachtsmarkt-Schnabulierens:

Pflaumentoffel

Es klingt ulkig und ist wirklich kein kulinarischer Hochgenuss, aber für mich ist der Pflaumentoffel der Inbegriff von Weihnachtsmarktnaschereien. Ja, das sind eigentlich nur Backpflaumen in Form eines Schornsteinfegers aufgespießt, aber seitdem ich ein Kind war, finde ich die Dinger so putzig-süß, dass ich einen haben muss! Flanieren über den Dresdner Striezelmarkt, ohne meine Mama an zu quengeln? Unmöglich!

Langos

Keine Ahnung, wie oder wann sich Langos als Weihnachtsmarktessen hervorgetan hat, aber es gibt ihn immer und überall – nur echt mit der Knoblauchsoße! Ich brauche ihn, und er braucht mich – man muss ja eine Grundlage für den Glühwein schaffen. Und ehrlich, wann würde ich mir sonst die ungarische Spezialität gönnen? Eben.

In diesem Sinne: Gönnt euch, Leute! Weihnachten ist nur einmal im Jahr!

Quelle: Noizz.de