Sie sollen ihren eigenen Hass essen.

Kat Thek, Küchenchefin und Chef-Detektivin bei der „Troll Cakes Bakery & Detective Agency“ in New York, nimmt Hasskommentare aus dem Internet, schreibt sie auf Kuchen – und schickt sie an den Urheber!

Alles begann mit Dolly Parton. „Ich war auf ihrer Facebook-Seite und sah, dass jemand diesen fiesen Kommentar hinterlassen hatte: 'Deine Mudder wäre so enttäuscht von dir.' Irgendwas Gemeines zu Dolly Parton zu sagen, ist so, wie einen Regenbogen anzupöbeln – es ist eine merkwürdig fehlgeleitete Wut, die einen nur durchgeknallt wirken lässt“, sagt Kat im NOIZZ-Interview.

Das brachte die New Yorkerin auf die Idee, solche Gemeinheiten auf köstliche Kuchen zu schreiben und die Trolle mit ihren eigenen Sprüchen zu konfrontieren: „Es ist genau so lächerlich, nur ein bisschen leckerer“, sagt Kat.

Jeder Troll-Kuchen besteht aus Schokoladenbrownie-Teig mit Frosting, Zuckerschrift und Streuseln. Leider werden die Troll-Kuchen nur innerhalb der USA verschickt.

Dafür stehen den Kunden dann aber verschiedene Optionen zur Verfügung: Entweder schickt man für 35 Dollar einen Kommentar mitsamt Adresse des Urhebers ein, Kat backt einen Kuchen und versendet ihn an den Troll. Oder man reicht einen Kommentar ein, die Agentur sucht die Adresse des Trolls raus und schickt ihm oder ihr dann den Kuchen zu. Kostenpunkt: 60 Dollar.

Innerhalb New Yorks gibt es sogar persönliche Lieferung …

Wie findet sie die Adressen?

Kats Unternehmen kombiniert Konditorei und Detektei. Sie lässt sich vorab auch immer einen Screenshot schicken. „Mir macht es nichts aus, jemandem seine eigenen Worte zurück zu geben.“ Dabei sei natürlich jeder Fall ein wenig anders. „Öffentliche Eintragungen sind oft sehr hilfreich. Eine Großteil der Recherche besteht darin, die einzelnen Punkte zu verbinden – dazwischen, wer eine Person auf der einen und auf einer anderen Website ist – bis man zu einer Seite kommt, auf der sie mehr Infos teilt.“

Von da aus ist es dann nicht mehr weit bis zur Kuchenlieferung. Alles selbstverständlich vollkommen legal, betont Kat: „Ich finde, sammle und bestätige bloß Informationen, die ohnehin verfügbar sind.“

Und wirkt es?

Bisher gab es von den Trollen noch kein direktes Feedback, sie hätte aber schon den einen oder anderen ihrer Kuchen in sozialen Netzwerken entdeckt, erzählt Kat. „Ich liebe das! (…) Es ist großartig, die Troll Cakes in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen.“

Ihr Ziel sei dabei aber nicht, die Welt von Trollen zu befreien. Es gehe eher darum, die Art zu verändern, wie wir über Trollkommentare denken und damit umgehen. „Wir sollten einfach nur über sie lachen. Sie sind Trottel, die im Internet einen Trotzanfall haben“, sagt Kat.

Und es sei eben leichter, sich so etwas nicht unter die Haut gehen zu lassen, wenn man sich vorstelle, wie es auf einem Kuchen aussehen würde. Ihr Lieblings-Hasskommentar bisher ist „Hängearsch“, sagt sie. „Das ist so dumm und trivial, und es sieht toll auf einem Kuchen aus!“

Natürlich gibt es auch Grenzen: „Wenn man etwas so Schreckliches gesagt hat, dass nicht mal ein Kuchen es lustig wirken lässt, ist man zu weit gegangen!“

Einen Erklärungsansatz dafür, warum Menschen besonders auf Facebook alle Hemmungen fallen und ihrem Hass freien Lauf lassen, hat die Konditorin auch: „Es ist sehr leicht, sich auf Social Media mitreißen zu lassen – besonders in Hinblick darauf, das letzte Wort haben zu wollen.“

Im Grunde ist es aber auch genau das, was Kat Thek bei ihren Troll-Kuchen am meisten Spaß macht: „Sie sind ein sehr erinnerungswürdiges letztes Wort!“

Quelle: Noizz.de