Der polnische Aktivist Krzysztof Tyczyński setzt sich seit Langem für die Rechte der LGBTQ-Community in seiner Heimat ein und fordert nun den Boykott aller Biere aus der Brauerei "Kompania Piwowarska", darunter Lech und Tyskie. Der Grund: Die Brauerei hat eine umstrittene Gala der homophoben Wochenzeitung "Gazeta Polska" gesponsert.

Mit der knappen Wiederwahl des nationalkonservative Andrzej Duda zum polnischen Präsidenten scheint die Hoffnung der Jugend nach einem offeneren und liberaleren Polen wieder einmal zu verblassen. Mit 51 Prozent der Stimmen setzte Duda sich hauchdünn gegen den Kandidaten der liberalkonservativen Bürgerkoalition, Warschaus Oberbürgermeister Rafal Trzaskowski, durch. Die nächsten fünf Jahre polnische Politik werden also wohl auch weiteren Restriktionen gegen die LGBTQ-Szene im Land bedeuten. Einen Vorgeschmack, wie das gesellschaftliche Klima dann aussehen könnte, gibt die Gala der nationalkonservativen Wochenzeitung "Gazeta Polska".

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Eben jene Zeitschrift, die im Sommer 2019 im ganzen Land Aufkleber mit der Aufschrift "LGBT-freie Zone" verteilte und gilt als wichtiger Unterstützer der Regierungspartei PiS. Um ihren Standpunkt zu untermauern, krönte die Wochenzeitschrift auf der Gala den Politiker und Gewerkschaftler Jarosław Kaczyńsk zum insgesamt dritten Mal zur Person des Jahres. Kaczyńsk hatte in mehreren Interviews gesagt, dass er den CSD am liebsten verbieten würde.

So sahen die Sticker aus, die 2019 verteilt wurden:

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Und was hat das nun mit Bier zu tun?

Die Kompania Piwowarska ist eine der größten Brauereien in Polen und ist seit 2017 in Besitz des japanischen Brauereikonzerns Asahi Beer. Sie stellt unter anderem Biere der Marke Lech, Tyskie und Zubr her, die auch in Deutschland verkauft werden. Wie jede größere Brauerei sponsort die Kompania manchmal Festivals und andere Events – zum Beispiel auch eben jene umstrittene Gala der Gazeta Polska.

Für den linkspolitischen Aktivisten Krzysztof Tyczyński ein klares Zeichen dafür, dass die Brauerei so auch ihre politische Gesinnung zeigt – und ruft deswegen zum Boykott der Marke via Facebook auf.

Vor allem über Twitter verbreitet sich der Boykottaufruf schnell. Die polnischen Queeraktivisten, die die Protestaktion gegen die Brauerei ins Leben riefen, wandten sich auch an die deutsche Presse und Community. Der Post von Initiator Krzysztof Tyczyński fordert auf: „Kupuj świadomie!"– was so viel heißt wie: "Kaufen Sie bewusst!“ Die Brauerei selbst hat sich bisher nicht geäußert.

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Quelle: Noizz.de