Es knirscht und knuspert, ein richtiges Feuerwerk in meinen Ohren.

Auf dem Bildschirm ist eine junge Frau zu sehen, die Stück für Stück, Biss um Biss eine ganze frittierte Krabbe, einen rohen Oktopus oder ein riesiges gekochtes Straußenei in sich hineinschlingt. Das Ganze filmt sie, hat ein Mikrofon auf, das jedes noch so kleine Essens-Geräusch aufnimmt. Und ich kann nicht aufhören hinzusehen! Diesem Schmatzen in HD ...

Auf YouTube nennt sie sich SAS-ASMR – ihr folgen über zwei Millionen Subscriber! Fast täglich lädt die Thailänderin Videos von sich hoch, in denen sie die verrücktesten Dinge isst. Zum Beispiel ein komplettes rohes Lachs-Filet, eine ganze Honigwabe oder ein vollständiges Aloe-Vera-Blatt. Es hört sich verrückt an, aber ich liebe diese Geräusche, muss hinhören bis zum Schluss. So habe ich den Vorgang des Essens noch nie wahrgenommen.

Die meisten Menschen machen diese Geräusche verrückt. Viele meiner Freunde beschweren sich im Restaurant über das Schmatzen der Gäste am Nachbartisch. Und wenn ich ihnen die Videos von Sas zeige, werden sie aggressiv, zwingen mich die Videos zu stoppen. Dieses Phänomen nennt sich Misophonie, also wenn bestimmte Geräusche ein unwohles oder nervöses Gefühl herbeirufen.

Auf mich haben die Videos eine beruhigende Wirkung. Ich bin regelrecht fasziniert. Mittlerweile bin ich so süchtig danach, dass ich schon, bevor ich das Video überhaupt anklicke, genau weiß, welches Schmatz-Geräusch mich erwartet. Denn der Klang beim Essen von Sushi und Riesengarnelen aus dem Atlantik ist komplett verschieden!

Quelle: Noizz.de