So high war die NOIZZ-Redaktion schon mal auf Koffein

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Ohne geht am Morgen nicht: Kaffee. Foto: Jon Tyson / Unsplash

Der Entdecker des Koffeins wäre heute 225 Jahre alt geworden! 

Koffein ist die am häufigsten konsumierte pharmakologisch aktive Substanz. Häh?! Naja, das bedeutet einfach, dass Koffein, wie es eben in Kaffee, Cola, Mate, Energy Drinks und Co. steckt, unsere Nervenbahnen anregt. Wir werden munter. Können uns besser konzentrieren. Und müssen leider auch häufiger auf Klo. Sogar in Kakao ist der Scheiß drin.

Und mal ganz ehrlich, wer kommt ganz ohne eine Tasse Tee oder Kaffee am Morgen so richtig in Schwung? Eben. Kaum einer von uns. In reiner Form taucht Koffein allerdings richtig selten auf. Dann ist es nämlich ein weißes, geruchloses, kristallines Pulver mit bitterem Geschmack. Mehr dazu später.

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Ziemlich lange wusste aber keiner, wieso Kaffee und Co. uns munter und agiler, ja sogar süchtig machen (auch dazu später mehr). Entdeckt hat es der deutsche Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge irgendwann im frühen 19. Jahrhundert, weil ihm niemand geringeres als Schriftsteller-Gott Goethe gesagt hat, ey check mal Kaffeebohnen aus. Runge wäre heute 225 Jahre alt geworden. Google schenkt im dazu eines seiner allseits beliebten Doodles.

Das Koffein-Doodle Foto: Screenshot / Google

Das weckt in uns natürlich krasse Gefühle - denn jeder hatte doch irgendwie mal eine crazy Koffein-Story, oder nicht? Wir haben unsere mal für euch gesammelt.

Luisa stellt sich die Frage aller Fragen: Koks oder Koffein?

Als ich 17 Jahre alt war, traf ich mich mit ein paar Freunden einer Freundin von mir zum Feiern. Die Jungs kamen aus Slowenien und wir kannten uns schon von anderen Partys, die ziemlich legendär waren. Wir wollten bei den Slowenen im Airbnb vortrinken.

Als wir da angekommen waren, stand auf dem Herd erstens eine merkwürdig milchige, rote Flüssigkeit. Auf unsere Frage was das war, erzählten uns die Jungs, das sei einfach eine Mische vom Tag davor. Ok, dachten wir uns, und probierten es. Es war das schlimmste, was wir je getrunken hatten.

Kurz danach entdeckten wir auf dem Tisch neben der zerfledderten Ausgabe einer slowenischen Übersetzung einer Thomas-Mann-Novelle ein Haufen weißes Pulver. Mein 17-jähriges Ich dachte sofort: Koks! Das muss Koks sein! Ich fragte nach. „Nein, nein“, versicherten mir die Jungs. „Das ist nur Koffein-Pulver. Gibt’s an jedem Späti“.

Als ob meine unerfahrenen Geschmacksknospen den Unterschied zwischen Koks und Koffein erkennen könnten, leckte ich prüfend etwas von dem Pulver von meiner Fingerspitze ab. Kurz danach ging’s ab. Bis heute weiß ich nicht, ob das Pulver wirklich NUR Koffeinpulver war. Doch mein guter Glaube an die Jungs stoppt jeden sich anbahnenden Zweifel gegenüber dieser pulvrigen Substanz.

Genna ist, was Koffein angeht, von der ganz harten Sorte:

Ich bin super-empfindlich, was Koffein betrifft. Bei mir knallt das sofort durch die Schädeldecke. Deshalb kann ich Kaffee eigentlich nur vor 11 Uhr vormittags trinken. Ohne Spaß!

Weil ich damit nicht einfach mein Frühstück ersetzen wollte, habe ich mir ein ziemlich schräges Ritual ausgedacht: Ich mache mir einen doppelten Espresso mit zwei Zuckerwürfeln und kippe mir die Mixtur dann in meine Schüssel mit Milch und zuckerfreien Mais-Cornflakes. Die schmecken dann nach Karamell-Kaffee. Don't judge me!

Lisa hat den Koffein-Entzug schon hinter sich:

Es gab mal eine Zeit, da war mein Körper rein von Koffein, Teein und jeder anderen Substanz. Ich war 16 und damals konnten meine Lippen noch mit ihrer Joint-Jungfräulichkeit prahlen. Auch die schwarze Suppe, weithin als Filterkaffee bekannt, war noch nicht auf meine Synapsen getroffen. Das sollte sich ändern, als ich mein erstes Praktikum in einer Werbeagentur antrat.

Ich war voller Tatendrang, ultraheiß drauf, Photoshop rauf und runter zu orgeln – und plötzlich mitten im Koffeinwahn. Ein Stockwerk unter der Agentur befand sich nämlich ein Restaurant, in dem ich am Wochenende Schichten schrubbte, um mir die neueste Miss-Sixty-Skinnyjeans leisten zu können. Um dem Pensum standzuhalten, griff ich irgendwann zum Filferkaffee. Das Ende meine Aufputschmittel-Unschuld!

Das Koffein rann schnell nicht mehr nur am Wochenende durch meine Adern. Auch unter der Woche besorgte ich mir täglich einen Liter (!) puren Filtergenuss (den gab's im Restaurant Mitarbeiter-Rabatt-mäßig umsonst), um ihn mir während meiner Photoshop-Session hinter die Binde zu kippen. Herzrasen! Hibbeligkeit! Reine Ekstase! Das erste Mal ist doch immer noch das beste.

Ich weiß noch ganz genau, wie meine ersten Kaffee-Trips damals abliefen: Der Liter war besorgt. Ich setzte mir die Kopfhörer auf, drehte „Hamma!“ von Culcha Candela bis zum Bersten auf und machte mich unter dröhnendem Beat mit dem Ausschneidewerkzeug an irgendwelchen Stockfotos zu schaffen – in meinen ultraengen Miss-Sixty-Jeans. Wow.

>> Good-News: Kaffee wird billiger!

Das mit dem Entzug hat auch Sabine probiert, aber eher erfolglos:

FML – ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, was mich damals dazu geritten hat, meine Masterarbeit an der Uni in Literaturwissenschaften über „Ich-Identitäten in Entwicklungsromanen der Postmoderne“ zu schreiben. Und dafür auch noch ausgerechnet das Obermindfuck-Buch schlechthin („Der junge Mann“ von Botho Strauß, lest es niemals) und die Hipster-Bibel schlechthin („On the Road“ von Jack Kerouac, unbedingt lesen) auszuwählen. Bevor ich weiter fortfahre, sollte ich erwähnen: Ich glaube, ich bin eine sehr Sucht-affine Person.

Deswegen lasse ich von den meisten psychoaktiven Substanzen eher die Finger – mit Ausnahme von allem, was Koffein enthalten könnte und Alkohol. In Kombination aka Wodka-Mate auch sehr toll. Womit wir auch wieder beim Thema wären. Meine Master-Thesis hat mich geschafft. Ich hatte Krisen, Blockaden, alles. Mir blieb nichts anderes übrig, als wie eine Besessene Nachtschichten einzulegen, dabei Bob Dylan und mir den ganzen Soundtrack zu den beiden postmodernistischen Meisterwerken reinzuziehen. Man, was kam ich mir bohemian vor.

Allerdings gab es ein Problem: das Wachbleiben. Ich war und bin ein Kaffeejunkie, ohne geht nicht. Allerdings hat der ja bekanntlich den Nachteil, dass das munter machende Zaubermittel hyperschnell ins Blut geht, da aber nicht lange hält. Also stieg ich auf Mate um. Der Anfang vom Ende. Ich gewöhnet mich an den kräuterig-rauchigen Geschmack und trank jeden tag circa fünf bis sechs 1-Liter-Flaschen aufgebrühten Mate-Tee. Ich kam mir vor wie ein hardcore Gamer oder Hacker, nur dass ich mich mit einem schrottigem Dell-Laptop rumplagte und mit irrer Literatur. Ich wurde dementsprechend selber irre.

Und süchtig. Bis ich die fertige rund 100 Seiten-starke Arbeit abgab. Schluss damit. Ich hör jetzt auf. Ich war im kalten Mate-Entzug. Und schlief am ersten Tag meines Entzugs bereits um 16 Uhr ein. Mein Körper war leer. Und bis heute ist jeder Mate-Tee ein kleiner Kitzel. Ich hab aber inzwischen eine neue, krassere Droge für mich gefunden: Kaffeekirschentee. Gebt euch das!

Und auch Manuel hat so seine ganz eigenen Mate-Erlebnisse:

Meine erste einschlägige Erfahrung mit Mate-Tee machte ich 1998. Ich war 17, seit zwei Jahren auf einem Internat in Österreich, und wir tranken viel Tee, weil der nach was schmeckte und nicht teuer war (der Landschulheim-Trick). Gabriel, der eine Klasse unter mir war, hatte argentinische Wurzeln, einen iMac G3, hörte Depeche Mode – und trank plötzlich Mate-Tee. Ein Verwandter hatte ihm dafür ein eigentümliches Gefäß samt integriertem Trinkröhrchen vermacht.

Eines Abends, am nächsten Tag stand eine Mathe-Klausur an, traf ich Gabriel auf dem Flur des Jungenheims. Ich war müde, wollte aber noch ein wenig lernen – Gabriel wusste Abhilfe. „Aber nicht, dass ich dann die ganze Nacht wach bleibe!“, sagte ich, denn ich hatte keine Ahnung, wie das Zeug bei mir wirken würde. „Keine Sorge!“, sagte Gabriel und braute mir sein Hallo-wach-Getränk.

Ich machte die ganze Nacht kein Auge zu, schlief, wenn’s hoch kommt, eine Stunde. Die Mathe-Klausur lief trotzdem gut. Mate rührte ich aber erst mal nicht mehr an …

Laura hingegen ist eher Fan von Energydrinks (Rest der Redaktion sagt, beurk)

Der Saft – der für viele einfach nur nach flüssigen, abgestorbenen Gummibärchen schmeckt – ist für mich einfach das Beste dieser Welt. Red Bull. Doch wie bei anderen Kaffee, Mate oder sonstigen Koffein-Getränken: Es macht mich einfach nicht wach.

Red Bull, ich liebe dich.

Aber ich fühle inzwischen auch nichts mehr bei dir. Aber es liegt nicht an dir, es liegt an mir. Ich bin morgens einfach immer müde – egal, was und wie viel ich trinke. Und warum probiere ich das Zeugs dann überhaupt? Ich mag den Geschmack. Wirklich. Es kühlt. Es ist süß. Es wie Coca Cola – nur trashiger und viel nicer. Und nein, ich bin nicht resistent. So ein Red Bull gönne ich mir nur alle paar Wochen. Weil: zu viel ist ungesund. Manche sind Party-Raucher. Ich bin Party-Energydrink-Schlürfer. Und ein Anti-Koffein-Kind – denn nichts kickt mich. Ich kann davon so viel trinken wie ich will, kein Herzrasen und Co.

>> Alle hassen mich, weil ich Party-Raucher bin

Quelle: Noizz.de