Best of: Braune, hetzerische Kommentare ablassen ohne Hirn einschalten.

Die gute Nachricht: Toblerone ist ab jetzt offiziell halal. Die zweite gute Nachricht: An der Originalrezeptur der schweizerischen Traditionsschoki ändert sich absolut gar nichts.

Die schlechte Nachricht: Trotzdem sind die Reaktionen im Internet derart rassistisch, das man sich als Leser einfach nur für so viel Dummheit, Fremdenhass und Ignoranz schämt.

Aber von Anfang an. Die dreieckigen Toblerone-Riegel, für viele DIE Nationalschokolade der Schweiz, sind offiziell schon seit April 2018 als halal zertifiziert. Das arabische Fremdwort besagt dabei einzig und allein, dass der Verzehr der Schokolade auch für religiöse Muslime „zulässig“ ist – also zu den Speisen gehört, die den Reinheitsgeboten des Koran entsprechen. Verboten, also „haram“ sind etwa Schweinefleisch und Gelatine oder Produkte, die Alkohol enthalten oder damit in Berührung gekommen sind.

Die Toblerone-Zertifizierung lässt sich also – ganz platt ausgedrückt – in die gleiche Kategorie einordnen, wie das grüne Veganer-„V“ oder das Bio-Siegel: Es klärt den Verbraucher auf. Nur eben in religiös, vergleichbar mit als „koscher“ definierten Lebensmitteln im Judentum.

Im Falle von Toblerone gibt es allerdings kein sichtbares Sigel auf der Verpackung, weshalb die „Sensation“ erst jetzt bekannt wurde. Blöd nur für alle Hater: Eine wirkliche Sensation ist die Zertifizierung gar nicht. Denn wer denkt, Toblerone hätte seine Rezeptur extra an den Islam oder muslimische Essvorschriften angepasst, liegt völlig falsch. Keine einzige Zutat des Originalrezepts sei für die Zertifizierung weggefallen.

Lediglich die verwendeten Eier dürfen nicht mehr aus Legebatterien stammen, berichtet die „Berliner Zeitung“. Die gelten im Islam, wie auch hier, als Tierquälerei – und sind in der Schweiz seit 1991 eh schon verboten.

Doch obwohl sich weder am Preis, noch an der Qualität, noch am Geschmack etwas ändert, drehen einige „besorgte Bürger" in sozialen Netzwerken vor lauter lächerlicher „Erst islamisieren sie unsere Schokolade, dann unser Land“-Angst gerade total am Rad.

Und zeigen damit mal wieder ganz klar: Wer lesen und denken kann, ist klar im Vorteil.

>> Fast jeder dritte Deutsche hat was gegen Ausländer

Wir möchten euch soviel Lächerlichkeit nicht vorenthalten und haben die dämlichsten Kommentare auf ihre Stichhaltigkeit geprüft.

... natürlich ist die böse deutsche Politik Schuld daran, dass private, nicht-deutsche Unternehmen (die Schweizer Schokoladenfabrik in Bern gehört dem US-Unternehmen Mondelez) ihre Schokolade als halal zertifizieren lassen.

... „Wer sich daran halten mag – bitte, ist jedermanns eigene Sache" – genau, deswegen gibt es jetzt ja ein Siegel, für alle, die sich privat daran halten möchten. #justsaying

„Rückständig und gefährlich“ oder vielleicht doch eher wirtschaftlich ziemlich schlau und gewinnbringend auf dem internationalen Markt? Immerhin verkauft Toblerone gerade einmal drei Prozent der Schokolade in der Schweiz selbst – der Rest wandert ins Exportgeschäft. Noch nie in einem Duty Free Shop gewesen?

... Auch Leitungswasser ist übrigens halal – Tiere werden dafür genauso wenig geschlachtet, wie für Toblerone. Vieleicht sollte diese Userin lernen, zwischen Definition und Methode zu unterscheiden – und sich vielleicht auch mal Dokus über nicht-halal Schlachtungen anschauen. Wir raten eine Umstellung auf einen veganen Lebensstil.

Tolle Gegenantwort:

Zurück zu Menschen, denen die Toblerone nun nicht mehr braun genug ist:

... Wir nennen das sehr gerne rechts.

... wir fühlen uns auch immer extrem getriggert, wenn wir Zertifizierungen aller Art sehen.

Zum Beispiel Leitungswasser, Obst und Gemüse, Red Bull, Maggi – upps, falsch. Ist ja alles halal!

Doch zum Glück gibt es genügend Menschen, die sich mit Humor gegen so viel AfD-eske Empörung stellen:

Auch lustig: Macht Nutella jetzt auch Anti-AfD-Werbung?

Quelle: Noizz.de