Was wären wir nur ohne den Falafel-Imbiss um die Ecke, die arabischen Bäckereien mit ihrer süß-klebrigen Baklava oder die abgefahrenen Gewürze aus dem afrikanischen Supermarkt? Wahrscheinlich ziemlich traurig und gefangen in einer Wüste aus Currywurst-Ständen, Pommesbuden und belegten Stullen. Okay, vielleicht ist das ein bisschen übertrieben, aber verdammt sind wir glücklich, dass es diese Vielfalt in Deutschland gibt. Und das noch mehr seit 2015 – denn geflüchtete Menschen bereichern unsere Esskultur!

Petersiliensalat, Auberginen-Paste mit Granatapfel und frittierte Bällchen aus Kichererbsen. Oder anders: Tabuleh, Baba Ghanoush und Falafel. "Mit uns Geflüchteten kamen auch viele neue Gerichte nach Deutschland", sagt der 27-jährige Salah Dahhan, der 2015 von Syrien nach Deutschland floh und nun mit anderen Landsleuten im Berliner Imbiss Refueat arbeitet. "Wir bringen arabisches Streetfood auf die Straße", sagt er. Und damit sind sie gar nicht so alleine.

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Auch wenn es Alltag vielleicht gar nicht so auffällt, seit dem Flüchtlingssommer 2015 ist die Esskultur in Deutschland deutlich vielfältiger geworden. Das sagt auch Ragaei El Shamarka, Koch und Mitglied im Verband der Köche Deutschlands. Vor allem arabische Gerichte wie Okraschoten oder afrikanische Speisen wie die Würzsauce Chakalaka hätte man vor vielen Jahren nur in ausgewählten Märkten kaufen können. Und was früher nur Döner war, kann heute Schawarma, Schish Kabab oder so viel anderes sein.

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Kaum eine Branche ist so international wie das Gastgewerbe

"Die Vielfalt der kulinarischen Angebote in Deutschland ist einzigartig und vor allem den Mitarbeitern aus allen Nationen zu verdanken", betont die Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Sandra Warden. Wohl kaum eine Branche sei so international wie das Gastgewerbe. Im Dezember 2019 waren laut der Bundesagentur für Arbeit knapp 34 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Gastgewerbe ausländischer Herkunft.

Hier muss man erwähnen, dass es sich dabei natürlich nicht nur um geflüchtete Menschen handelt. Viele von ihnen sind zugewandert als Studenten, Ehepartner oder Erwerbsmigranten. Eine explizite Statistik, wie viele Geflüchtete im Gastgewerbe arbeiten, gibt es laut der Bundesagentur für Arbeit nicht. Unter den knapp 34 Prozent sind auch 13.783 Menschen aus Syrien. Acht von ihnen arbeiten bei Refueat in Berlin.

"Sie prägen die Essenskultur, indem sie Gerichte aus ihrer Heimat kochen", sagt Refueat-Geschäftsführer Aymann Azzawi, der selbst in Berlin geboren ist und syrische Wurzeln hat. Bei ihm können die geflüchteten Menschen die Tagesgerichte selbst wählen. Salah beispielsweise kocht am liebsten Muluchiya – ein arabisches Gericht aus grünen spinatähnlichen Blättern, Jutenmalve, das er von zu Hause kennt. "Das schmeckt den Deutschen", sagt Salah und lacht.

Viele geflüchtete Menschen finden als Quereinsteiger in den Kochberuf

Eine Statistik, wie viele der Geflüchteten sich in Deutschland für eine Ausbildung als Koch oder Köchin entscheiden, gibt es laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung nicht. Der Kochverband beobachtet jedoch, dass nur wenige eine Ausbildung beginnen. Viele würden ein Studium präferieren. "Die Durchfallquote der Geflüchteten in den Abschlussprüfungen zum Koch ist leider relativ hoch. Wer durchhält, hat oft mit der Theorie zu kämpfen, denn die Theorieprüfung braucht ein schulisches Niveau, das in einigen Ländern nicht gegeben ist", sagt Beck. Der fachpraktische Teil wiederum falle vielen sehr leicht.

Verschiedene Gerichte bei Reufeat

Vielen gelingt aber auch der Quereinstieg in den Kochberuf – einer von ihnen ist Salah. Der Syrer ist eigentlich gelernter Kfz-Mechaniker. Kochen war für ihn früher nur ein Hobby. "Seit fünf Monaten ist es nun mein Beruf", sagt Salah, der schon wieder hinter der Theke im Imbiss steht und die Bestellung des nächsten Kunden entgegennimmt. Jemand bestellt den Falafel-Teller – mit Tabuleh und Baba Ghanoush.

[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de