Pflanzliche Milch gibt es aus den unterschiedlichsten Zutaten. Diese bestimmen oft auch Geschmack und Textur. Zeit für den ultimativen NOIZZ-Test!

Milch kommt ja längst nicht mehr nur von Kühen. Aus den unterschiedlichsten Gründen und Überzeugungen greifen immer mehr Menschen zur veganen Alternative. Den Anfang machte vermutlich die gute, alte Sojamilch. Seither sind Milchalternativen aus Getreide, Nüssen und neuerdings auch aus Gemüse am Start.

Milch aus Erbsen – eklig?!

Erbsen übernehmen ja gerade sowieso den veganen Markt: Produkte von "Beyond Meat" galten zwischendurch als revolutionärer Fleischersatz. Die Burgerpatties der kalifornischen Marke enthalten unter anderem eine ordentliche Portion Erbsenprotein.

Gut – Erbsen im oder als Fleisch scheint einem ja jetzt nicht völlig abwegig. Als Milch, etwa im Kaffee, wirkt das aber durchaus befremdlich. Mandel, Dinkel oder Hafer kann man sich da schon viel besser vorstellen. Tatsächlich heißt das aber erst mal nichts.

>> Bei Lidl und Kaufland gibt es jetzt veganen Mozzarella

Was ist eigentlich vegane Milch?

Meistens werden die jeweiligen Zutaten in Wasser eingeweicht und später ausgepresst. So entsteht eine weiße, milchähnliche Flüssigkeit. Der Anteil an Nüssen, Getreide oder Gemüse ist in der Milch ziemlich gering. Oft ist vegane Milch auch recht wässrig – deshalb wird oft Fett bei der Herstellung zugesetzt.

Milchalternativen schmecken nicht wie Kuhmilch – was nicht verwundert. Sind ja auch nicht vom Tier. Allerdings geben manche Alternativ-Drinks dem Kaffee oder Tee eine schöne, andere Geschmacksnote – je nachdem, für welche Sorte man sich entscheidet. Wir haben mal den Test gemacht und für euch geordnet.

Sojamilch: Der Alt-68-er

Wie gesagt: Sojamilch dürfte so ziemlich der erste Star des veganen Alltags gewesen sein – in Deutschland wurde schon 1920 in Frankfurt Sojamilch hergestellt. Erfüllt auch vollkommen seinen Zweck: Man kann die Alternative super in seinen Kaffee, Smoothie, Tee oder auf das Müsli kippen. Das Ganze bekommt dann je nach Milchmenge einen pflanzlichen Nachgeschmack. Der stört jetzt nicht sehr, haut einen aber auch nicht aus den Latschen.

Kaffee-Faktor? So eine Milch-Alternative bringt einem ja herzlich wenig, wenn sie nicht auf Kaffee klarkommt. Daher die Frage: Kann Sojamilch Kaffee? Ehrlich gesagt: Geht so! Es gibt Marken wie etwa Alpro, bei der die Sojamilch nicht im Kaffee flockt. Allerdings funktioniert das auch nicht immer. Anscheinend hat die Flockigkeit von Sojamilch im Kaffee auch was mit der Temperatur und dem Säuregehalt des Kaffees zu tun. Immer kann man sich jedenfalls nicht drauf verlassen.

Die harten Facts: Sojamilch enthält 54 Kalorien pro 100 ml. Sie kommt ganz cholesterinfrei ins Haus, dafür hat sie aber auch wenige Vitamine, die allerdings bei der Herstellung oft einfach zugesetzt werden.

>> Ich möchte mich im Namen aller vernünftigen Veganer*innen von Attila Hildmann distanzieren

Hafermilch: Für Hipstermarketing-Opfer

Hafermilch hat den Markt scheinbar ganz gut im Griff. Auch und sicherlich hauptsächlich wegen der Marketing-Expert*innen von Oatly. Die Hafermilch-Marke hat eine schicke Verpackung und wurde so hart beworben, dass man sich gar nicht mehr wehren konnte. In jedem Hipster-Café stand plötzlich ein Liter Oatly neben der prätentiösen Siebträger-Maschine.

Kluger Schachzug: "Oatly Haferdrink Barista Edition" auf dem Markt zu bringen – diese lässt sich nämlich auch easy zu Hause aufschäumen. Nun mag man sich fragen, was denn die Oatlys so machen mit ihrer Milch, dass sie auch Barista-Ansprüchen standhält. Das Geheimnis ist recht einfach: Fett zufügen. Dadurch schmeckt die Milch nicht nur besser, sondern bildet auch schicken Milchschaum.

Ansonsten ist Hafermilch recht zurückhaltend im Geschmack, wobei ein leichter Hafergeschmack immer im Hintergrund mitschwingt. Muss man mögen, stört aber weniger. Durch das Getreide gibt natürliche Süße, die allerdings nicht durch zugefügten Zucker entsteht.

Kaffee-Faktor? Hafermilch kommt auf Kaffee super klar. Sie flockt nicht und ist selten zu wässrig.

Die harten Facts: 46 Kalorien pro 100 ml sind in handelsüblicher Hafermilch enthalten. Hafermilch enthält Gluten, was für die glutenfreie Ernährung natürlich nicht geht.

Sehr wichtig: Wie sich die vegane Milch so im Kaffee macht.

Dinkelmilch – Anspruchslosigkeit im Tetrapack

Dinkelmilch könnte man in die Schublade "blasserer, kleinerer Bruder der Hafermilch" stecken. Und dort vielleicht auch direkt vergessen. Dinkelmilch schmeckt unspannender als Hafermilch, hält aber wacker einen nicht unbedingt beliebten mehligen Geschmack aufrecht. Muss man mögen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum Hafermilch die populärere Alternative ist.

Kaffee-Faktor? Dinkelmilch reagiert im Kaffee genauso wie Hafermilch. Kann man also ziemlich easy nehmen. Wie aber schon erwähnt, gibts hier ein gewisses Geschmäckle gratis dazu.

Die harten Facts: 45 Kalorien pro 100 ml findet man in der Dinkelmilch. Mit 8 g Kohlenhydraten liegt der Dinkel-Trank ein kleines bisschen über der Alternative aus Hafer. Außerdem ist Dinkelmilch genauso ungeeignet für glutenintolerante Trinker*innen.

Fluffig-leckerer Milchschaum lässt sich mit Dinkelmilch eher schlecht erreichen

Mandelmilch – wenn man viel verspricht, aber nichts kann

Stellt man sich megagut vor – so Mandelmilch im Kaffee. Nussiger Geschmack zur gerösteten Kaffeebohne verspricht jedenfalls viel. Und hält wenig: Der Mandelanteil in der Milch-Alternative ist so gering, dass man schon sehr feine Geschmacksknospen besitzen muss, um den Mandelgeschmack herauszuschmecken.

Mandelmilch gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert. Sie kommt aus Sizilien, wo sie auch zu lecker Sorbet verarbeitet wird. In Amerika wurde die Alternative Anfang der 2000er zum totalen Trendgetränk.

Kaffee-Faktor? Mandelmilch flockt oft. Zumindest in heißem Kaffee. Wenn Mandelmilch und Kaffee etwa Zimmertemperatur haben, passiert das nicht so schnell. Lauwarmer Kaffee am Morgen klingt aber ungefähr so verführerisch wie von einem nassen Fisch im Gesicht geweckt zu werden.

Die harten Facts: Ungesüßte Mandelmilch ist so richtig kalorienarm – nur 13 Kalorien kommen auf 100 ml. Gleichzeitig enthält sie kaum Kohlenhydrate und ist glutenfrei.

Reismilch – das süße White-Girl-Frappucino-Liebchen

Reismilch wird unterschätzt. Vielleicht weil sie in jeglicher Hinsicht extrem blass ist: Reismilch ist ziemlich mineralstoffarm, hat wenig Eiweiß und kaum Fett. Dafür ist sie aber ziemlich süß – auch ganz ohne Zuckerzusatz. Durch diesen lieblichen Geschmack dürfte sie sich bestens für die Kaffeespezialitäten eignen, die meistens weniger mit Kaffee und mehr mit Kindergartengetränken á la Starbucks zu tun haben: Chocolate-Frapp-Latte-Cinnamon-Cherry-Whatever, oder so.

Kaffee-Faktor? Flockt nicht und macht den Kaffee wie gesagt ziemlich süß. Muss man Bock drauf haben. Gleichzeitig schmeckt Reismilch sonst nach sehr wenig. Außerdem ist diese Alternative so wässrig, dass man sich ordentlich was in den Becher kippen muss, um es überhaupt zu merken.

Die harten Facts: Kalorientechnisch liegt Reismilch in etwa da, wo auch sonstige Getreidemilch liegt: 47 Kalorien pro 100 ml. Gleichzeitig enthält sie 5 g Zucker aus den Reiskörnern selbst.

Erbsenmilch – wenn der Nerd zum Muskelpaket wird

Erbsenmilch ist das neuste Produkt, das aktuell in stylishem Tetra-Pack im Supermarkt rumsteht. Ein schickes Äußeres soll vermutlich davon ablenken, dass man sich Erbsen einfach wirklich schlecht als Milchalternative vorstellen kann.

Erbsen – lassen einen jetzt nicht direkt an Milchalternative denken.

Tatsächlich ist Erbsenmilch gar nicht so falsch: Sie hat eher cremige Konsistenz und schmeckt insgesamt nach recht wenig. Im Prinzip ist Erbsenmilch die bessere Version der Sojamilch. Oben drauf punktet sie beim Thema Nachhaltigkeit: Erbsen brauchen verhältnismäßig wenig Platz zu gedeihen, was wiederum einen erheblich geringeren Wasserverbrauch zur Folge hat – anders als Mandel- oder Sojamilch. Sojamilch kommt selten ohne Gentechnik aus, Erbsenmilch hingegen schon. Zudem können Erbsen ziemlich leicht in Europa angebaut werden.

Allergiker kommen auf diese Milch auch bestens klar: Sie enthält keine Laktose, Gluten, Soja, Nüsse oder Milcheiweiß.

Kaffee-Faktor: Erbsenmilch flockt nicht, verteilt sich gut und verleiht dem Kaffee einen leichten Pflanzengeschmack. Dieser ist allerdings gar nicht markant. Ansonsten ist die Milch recht neutral.

Die harten Facts: Erbsenmilch ist ein totales Proteinwunder. Auf 100 ml kommt die Pflanzenmilch auf ordentliche 8 g. Ansonsten schlägt sie mit 38 Kalorien zu Buche.

Quelle: Noizz.de