Darum haben laute Affen kleine Eier

Alina Nöth

Politik, Lifestyle, Reisen
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Brüllaffen sind oft kilometerweit zu hören Foto: reisegraf.ch / Fotolia

Große Klappe, nichts dahinter ...

Brüllaffen sind die lautesten Landlebewesen weltweit, wie ihr Name schon vermuten lässt. Ihr Brüllen kann bis zu 140 Dezibel erreichen. Zum Vergleich: Das ist 30 Dezibel lauter als ein Rockkonzert. 140 Dezibel haben sonst nur Kampfflugzeuge und Gewehrschüsse.

Die Lautstärke ihres Schreis soll Weibchen anziehen und ein Zeichen sexueller Fitness sein. Witzigerweise haben Wissenschaftler der University of Cambridge aber herausgefunden, dass das Zeichen ihrer Sexualität gleichzeitig ein Zeichen kleiner Hoden ist.

Je lauter ein Affe brüllen kann, desto kleiner sind nämlich ihre Eier. Ganz gemäß dem Motto: Große Klappe, nichts dahinter.

„Evolutionär betrachtet wollen alle Männchen so viel Nachwuchs zeugen, wie sie können. Aber wenn es um Fortpflanzung geht, kann man nicht alles haben“, sagte der Autor Dr. Jacob Dunn in einer Pressemitteilung. Soll heißen: Die Affen locken zwar Weibchen mit ihrer Stimme an, müssen dann aber bei der Spermienproduktion kürzer treten.

Dieses Phänomen käme auch bei anderen Tieren vor: Wenn Männchen zum Beispiel einen Fokus auf ihre Größe, kräftige Farben sowie Hörner oder Fangzähne legen, können sie nach Aussage des Forschers nicht gleichzeitig in ihre Fortpflanzung „investieren“.

Im Fall der Brüllaffen bedeutet das, dass die Brüll-Lautstärke so viel „Power“ in Anspruch nimmt, dass nicht mehr genug für die Hoden übrig bleibt.

Die Wissenschaftler untersuchten insgesamt neun Affenarten und maßen deren Hodengröße. Mithilfe eines 3D-Scans wurden außerdem mehr als 250 Zungenbeine der Primaten ausgewertet. Das Fazit: Die Arten mit den tiefsten und lautesten Stimmen hatten die kleinsten Hoden.

Die Hodengröße hängt laut der Studie außerdem mit der Sozialstruktur der jeweiligen Art zusammen: Die Affenmännchen, die keine Konkurrenz in ihrer Gruppe haben, brauchen eine laute Stimme, stehen aber nicht unter dem Druck, große Hoden zu haben. Andersherum genauso: Wenn viele Männchen zusammenleben und um wenige Weibchen buhlen, sind die Hoden größer. Die Tonlage ihres Schreis darf aber niedriger sein. Die Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachjournal „Current Biology“.

Auf Menschen lässt sich die Studie leider nicht so einfach übertragen, wie Co-Autorin Leslie Knapp erklärt. Aber wer weiß, ob da nicht doch etwas dran ist ...

Quelle: Noizz.de

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