Die Hype-Serie wurde in Litauen gedreht.

HBOs Mini-Serie "Chernobyl" spielt in Prypjat, der Geisterstadt, wo 1986 der Reaktor des Kernkraftwerks Chernobyl explodiert ist. Allerdings wurde die Serie nicht dort gedreht, sondern in Fabijoniškės, einer Siedlung am Rand der Stadt Vilnius in Litauen.

1940 wurde Litauen von der Sowjetunion besetzt, hat sich aber 1990 als erster Staat die Souveränität zurückgeholt. In der Sowjetunion war es nicht unüblich, am Rand von Städten sogenannte Mikrorajons zu bauen. Mikrorajons sind Gebäude im Stil von Plattenbauten, die eine eigene Fläche von maximal 80 Hektar einnehmen und als Stadterweiterungen dienen sollten. In der DDR gab es ähnliche Modelle, wie man bis heute an Berlin Marzahn oder Berlin Strausberg sieht.

Fabijoniškės ist voll von Mikrorajons. Der 30-jährige Mantas Ališauskas lebt in Vilnius, hat seinen Wohnort zur Feier der Serie erkundet und seine Eindrücke in einem Blogeintrag auf seinem Blog "Connecting.the.Dots" niedergeschrieben. Manta hält die Geschichte seiner Heimatstadt mit den Bildern fest.

Der Rand der Stadt besteht größtenteils aus Mikrorjanos. Foto: Mantas Ališauskas

"Der Grund, warum HBO sich für diesen Ort entschieden hat, könnte sein, dass er von den massiven Bauarbeiten rund um die schnell wiederbelebende Hauptstadt Vilnius nicht betroffen ist", vermutet er. Er habe das nie bemerkt, aber es sehe authentisch aus, weil es nicht durch moderne Architektur "ruiniert" wird.

Hier wurde 'Chernobyl' gedreht. Foto: Mantas Ališauskas

Die Bauarbeiten fingen 1986 an, im selben Jahr als der Unfall in Tschernobyl passierte. Obwohl Fabijoniškės mehr als ein Jahrzehnt jünger ist als Pripyat, ist der architektonische Stil trotzdem sehr ähnlich zu dem in der Ukraine. Ich kann sonst keine interessanten Informationen über Fabijoniškės an sich finden, obwohl der Stadtteil genau so alt ist wie ich.

Mantas wünscht sich mehr grün. Foto: Mantas Ališauskas

Durch "Chernobyl" sieht der Web-Entwickler seine Heimat zum ersten Mal mit anderen Augen: "Ich sehe hier nichts Interessantes. Aber zu meiner Überraschung war es nicht so grau wie ich erwartet hatte, eigentlich ist Fabijoniškės ziemlich grün." Die Bereiche zwischen dem brutalen Gebäuden hätten viel Liebe erfahren und es scheint, als würde sich alles verbessern.

Auf dem Bild ist der Fernsehturm klar erkennbar. Foto: Mantas Ališauskas

Mantas erzählt NOIZZ, dass er die Serie "Chernobyl" liebt, es aber hart findet, sie objektiv zu bewerten. Es sei komisch, dass seine sonst so unbekannte Region plötzlich auf Interesse stößt. Alle Menschen in seinem Umfeld, die nicht in der Zeit gelebt haben, in der Litauen Teil der Sowjetunion war, feiern "Chernobyl" und finden es gut, dass HBO die Serie gedreht hat.

Auf unsere Nachfrage, ob er glaube, dass durch "Chernobyl" mehr Leute Vilnius besuchen, antwortet er: "Ich erwarte es nicht, aber ich hoffe, dass die Menschen mehr Verständnis für die Geschichte hinter dem Eisenvorhang des Kalten Kriegs haben."

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Quelle: Noizz.de