Ein Urlaub im Ausland ist ohne Google Maps unvorstellbar – aber die App hat ihre Tücken.

Sechs Tage Griechenland-Urlaub liegen vor uns, in einem Hotel direkt zwischen Meer und dem griechischen Götterberg schlechthin, dem Olymp. Es ist Mitte Mai, Temperaturen um die 26 Grad, nur Sonne, es könnte so schön sein. Als wir in Thessaloniki landen, holen wir am Flughafen unseren Mietwagen ab.

Ein schneeweißer Nissan Micra mit dem wir die nordgriechischen Straßen unsicher machen wollen. Anscheinend ein sehr beliebtes Auto in diesem Urlaubsland, kein Auto habe ich öfters auf der Straße gesehen.

"Ehm, wieso hat der kein Navi?", frage ich etwas verdutzt bei der Abholung. "Weil wir hier in der EU sind und eh Google Maps haben", erwidert mein Freund. Gut, das leuchtet mir ein. Praktisch.

Es gibt dabei allerdings ein sehr großes Problem: Meine "Google Maps"-App führt ein schizophrenes Doppelleben (ähnliches kann ich auch von unserem persönlichen Amazon-Sprachassistenten behaupten, aber das ist eine ganz andere Geschichte). Wenn ich zu Fuß in der Großstadt umherirre, in der ich bereits seit gut drei Jahren lebe, und die App mir meinen Weg weist, ist alles Bestens. Ohne Probleme.

Sobald ich mein iPhone aber per USB oder Bluetooth mit einem x-beliebigen Mietwagen eurer Wahl irgendwo auf der Welt verbinde, läuft das Gerät Amok. Es dreht vollkommen durch. Aus Kilometern werden Meilen- und Fußangaben. Es nummeriert Ausfahrten willkürlich. Man könnte sagen, mein Smartphone-Navi wird zu einem irren Amerikaner, auf den kein Verlass mehr ist, wenn man nicht ständig seinen Weg kontrolliert.

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Während unseres Griechenland-Urlaubs kommen noch zwei Phänomene erschwerend hinzu: Zum einen ändert das Navigationssystem ohne uns erkennbaren Grund ständig seine Meinung, welche Route denn nun die beste wäre. Zum anderen, spricht es manch einen griechischen Ortsnamen – wie etwas "Pathos" – fehlerfrei aus. Vor anderen kapituliert die ach so intelligente Sprachsteuerung allerdings. Besonders praktisch, wenn die Wegweiser nur in Buchstaben des griechischen Alphabets vermerkt sind.

Ist aber auch eine schwierige Sprache. Da wird manch ein Ortsname einfach gleich buchstabiert. Aus "Rechts abbiegen nach Litochoro" etwa wird "Rechts abbiegen nach L-I-T-O-C-H-O-R-O". Versuch so einer Anweisung mal in voller Fahrt zu folgen. Sind wir hier bei Scrabble oder was?

Klar, dass das zwangsläufig zu Spannungen bei einer Fahrt führen muss.

Man muss dazu sagen: Mein Freund und ich sind seit sechs Jahren in einer Beziehung. Wir kennen unsere Schwächen und Macken beim Autofahren bzw. Beifahren, da ich keinen Führerschein besitze. Das liegt an einer extremen Kurzsichtigkeit, die ich lieber nicht auf die Probe stellen möchte und die außerdem dafür sorgt, dass ich Distanzen nicht richtig einschätzen kann.

Über die Fähigkeit, räumlich zu sehen, verfüge ich erst gar nicht. Ihr seht also, ich bin extremst auf ein gut funktionierendes Navigationssystem angewiesen. Mein Freund hingegen hat eine leichte Links-Recht-Schwäche. Ja, das sind nicht unbedingt prickelnde Aussichten.

Aber eigentlich kriegen wir das mit dem Navigieren durch bis dato etliche Roadtrips (auch im Ausland) immer ganz gut hin. Nur diesmal eben nicht. Mit all seinen Macken hat mein Google Maps uns verzweifeln lassen. Und für mega Beef gesorgt. Wenn man nicht weiß, wo es langgeht, es verdammt heiß ist in der griechischen Mittagssonne, sind die Nerven eh schon angespannt. Ein scheiterndes Navi kann da niemand gebrauchen.

Mein Google Maps scheitert gerade dann gerne.

Es hat Spaß am Sabotieren. Und ehe ihr mir jetzt altkluge Ratschläge geben wollt wie "Bist du richtig geupdated, und, ehm, hast du auch alle Einstellungen überprüft?" Ja. Ja, mein iOS ist auf dem neusten Stand, genauso wie die gottverdammte App. Und ja, die Einstellungen sagen angeblich, alles wird in Kilometern usw. angegeben. Wenn ich zu Fuß unterwegs bin, geht das auch alles einwandfrei. Es liegt an diesen Autos. Vielleicht will mein Google Maps mich auch einfach zum Öko-Fuzzi machen.

Wir waren auf dem Weg zu einem Supermarkt, um noch Wasser zu kaufen. Eigentlich kein Problem, Google Maps zeigt rund zehn Minuten Fahrzeit an. Doch als wir gechillt mit ein paar smoothen Beats im Hintergrund die griechischen Landstraßen der makedonischen Provinz durchbrettern, reißt auf einmal die Verbindung ab. "Route wird neu berechnet ..." – "Oh, ich glaube, wir hätten hier rechts gemusst in die Straße, die nicht nicht so aussieht wie eine Straße", sage ich. "Blödsinn", sagt mein Freund. Wir sind falsch. Das merkt jetzt auch er.

Mit einem romantischen Roadtrip hat das nichts mehr zu tun

"Wieso kannst du nicht einfach so Karten lesen", ermahnt er mich. Langsam erwacht der Choleriker in ihm. "Keine Ahnung", murmele ich. Im Inneren weiß ich ganz genau: Weil ich das verlernt habe und mich nur noch auf dieses Gerät hier verlasse. Wieso denn bitte sonst? Weil mein Freund gleichzeitig schalten, lenken und dem griechischen Verkehr ausweichen muss, ist er besonders reizbar.

Als dann auch noch diese dumme App sagt "Nach 200 Fuß links abbiegen", und wir aufgrund der ungenauen Fußangaben (Mann, ey, wir haben ein metrisches System, fucking Schizo-Google-Maps!) das Linksabbiegen erneut verpassen, fährt mein Freund auf einmal rechts ran.

Und wir haben einen klischeebehafteten Streit, wie in einer schlecht geskripteten Urlaubs-Rom-Com.

"Es ist doch nicht so schwer, die Straßenkarte zu lesen, auch wenn die Anweisungen nicht kommen" – "Ja. Aber, sorry, ich kenne die Gegend hier auch null. Als ob du das besser könntest ..." Ohoh. Nicht die Als-ob-du-das-besser-könntest-Nummer. Ehe ich meinen kommunikativen Fehler rückgängig machen kann, grummeln wir beide dehydriert vor uns hin, werfen uns unschöne Dinge an den Kopf – so unvernünftig wie man eben ist, wenn man in Rage ist.

Im Autoradio läuft Musik wie bei jedem billigen griechischen Restaurant in Deutschland.

Wir atmen tief durch und fahren weiter, um doch noch das Wasser zu kaufen. Wir reden kein Wort miteinander. In dem Moment vergesse ich die Ägäis, den Olymp, die griechische Sonne und den Wein. So hab ich mir meinen Urlaub nicht vorgestellt. Ich wäre gerade an jedem Ort lieber als hier.

Und an allem ist nur dieses dumme Google Maps Schuld!

Stumm kaufen wir unser "nero", wie Wasser auf Griechisch heißt. Als wir zurückfahren wollen, sagt mein Freund: "Aber diesmal nehmen wir kein Google Maps!" Wir nehmen die Apple-Variante. Die ist sowieso schon normal kalkulierbar scheiße, so dass wir nicht in automatisches Blindvertrauen verfallen. Und kommen so ohne weiteren Streit wieder beim Hotel an. Mein Freund bestellt mir einen Frappé, und die Welt ist wieder in Ordnung.

Sagen wir es mal so: Wir hätten uns jede Menge Zankerei ersparen können, hätten wir einfach den Mietwagen mit Navi gewählt – und nicht auf die EU und ihr Versprechen mit freiem Datenroaming vertraut.

P.S.: Falls jetzt irgendjemand sich über den ganzen Text hinweg gefragt hat, wieso wir nicht einfach das brandneue iPhone meines Freundes benutzt haben, um uns leiten zu lassen – ich habe wirklich keine Ahnung. Das wäre wahrscheinlich zu einfach gewesen.

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Quelle: Noizz.de