Deutsch-Rap trägt Rolex: Dieser Berliner Luxus-Juwelier hat uns erklärt, warum

Luisa Hemmerling

Musik, Kultur, Interviews
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Deutschrapper Kollegah postet gerne mal seine Besuche beim Juwelier online. Foto: kollegahderboss / Instagram

Des Rappers liebstes Statussymbol: die Roli inklusive Bling-Bling!

Es ist für mich unergründlich: Warum protzen Rapper wie Kollegah, Gzuz, BonezMC, Ufo361 oder Kay-One auf Insta, Snapchat und Co. bei all ihren Luxus-Artikeln ausgerechnet mit dem am vermeintlich Unscheinbarsten: ihrer Uhr?

Fler rappt „Sechs Uhren, nur zwei Arme“, Kollegah postet in seiner Insta-Story, wie er sich eine mit Diamanten besetzte Uhr für 60.000 Euro kauft, und Farid Bang glitzert mit seiner 100.000 Euro Rolex im Zweiten-Klasse-Bahnabteil.

Aber woher kommt der Trend Luxus-Uhr?

Wieso sprechen Deutsch-Rapper immer von ihrer „Roli“, und wie viel kostet so eine überhaupt? Was macht Luxus mit jungen, schnell zu Geld gelangten Rappern, und woher kommt der Mythos Rolex?

Fest entschlossen, dass ich in diesem Unwissen nicht alleine bin, mache ich mich auf den Weg zur Quelle des Uhren-Wahns: in das Fachgeschäft für Luxus-Uhren, dem „Juwelier Leopold“ im Bonzen-Viertel Berlins – nähe Kurfürstendamm. Ein Security muss mir die Tür aufmachen, dann komme ich in den Laden rein. In ihm sitzt an einem Tisch Leopold Gawartin höchstpersönlich und berät einen Kunden. Sein Sohn Marc soll mir weiterhelfen, aber wir setzen uns raus – wir wollen das laufende Verkaufs-Gespräch nicht stören.

Die Luxus-Uhr ist kein Schmuck – sie ist eine Geldanlage.

Die erste Rolex gab es für den Sohn des Inhabers mit 18, die hat ihm sein Vater geschenkt. Das hat sich für ihn damals ganz normal angefühlt, schließlich hat er schon als kleiner Junge zwischen 10.000-Euro-Uhren von Cartier, Patek Philippe und Rolex herumgespielt.

„Es gibt auch Leute, die sammeln Porsche“, so der Luxus-Uhren-Verkäufer, „aber Uhren lassen sich einfacher aufbewahren.“

Achso: Das Phänomen Luxus-Uhr ist also eine rein praktische Konsequenz des Geldausgebens? Geld ausgeben kann man hier auf jeden Fall. Sechs- bis zehntausend Euro kosten hier die meisten Uhren. 60.000 die Teuerste. Die liegt aber weggeschlossen im Safe – und nicht, wie in vielen Rapper-Insta-Stories gezeigt, einfach so neben ein paar anderen Uhren auf dem Ladentisch.

Wieso gibt man sein Geld für eine Luxus-Uhr aus? Und nicht etwa für den Lambo oder die Villa mit Infinity-Pool? Ganz einfach: Die heute gekaufte Rolex ist in zehn Jahren in den meisten Fällen mehr wert, argumentiert Marc. Die meisten anderen Luxus-Artikel verlieren hingegen an Wert. Das liegt aber auch daran, dass Uhren aus dem Luxus-Segment generell jedes Jahr teurer werden. „Im Luxus-Markt spielen andere Regeln“, meint Marc. Durch Preiserhöhungen wird die „Zielgruppe definierter“, wie er es elegant ausdrückt.

Je teurer, desto exklusiver.

Kurz gesagt: Wer’s hat, der hat’s. Wer nicht, der gehört nicht mehr dazu. Die Uhren werden zudem noch knapp produziert und angeboten, um die Nachfrage zu stimulieren. Der Hauptgrund für die Exklusivität von Luxus ist somit nicht der emotionale oder historische Wert der Uhr – sondern zum großen Teil die Preispolitik der Hersteller. Trotzdem beharrt Marc darauf, dass Luxus aus mehr als nur Geld besteht: „Wir verkaufen auch die Geschichte des Unternehmens, nicht nur die Uhr. Das macht Luxus aus.“

Rolex, die Zuhälter-Uhr.

Bei Rolex ist die Geschichte des Unternehmens aber durchaus ziemlich turbulent. „Rolex hatten früher das Image der Zuhälter-Uhr“, erzählt mir Marc. Für mich, den Uhren-Amateur, ist diese Story neu. Gutes Marketing und die richtigen Botschafter haben das Image verändert. Vielleicht kann sich Marc deswegen auch weniger vorstellen, dass Rolex von Rappern repräsentiert werden will. Zurück zur Proleten-Uhr will das Unternehmen schließlich nicht. Doch Kunde ist Kunde, oder etwa nicht?

Wenn man Marc zuhört, könnte man meinen, dass die wahren Influencer für Rolex-Uhren spießige Tennis- und Golfspieler sind. Roger Federer und Daniel Craig sind angesehene Marken-Botschafter – Deutschrapper eher nicht. In der Pop-Welt sieht es aber anders aus. Dort protzen die erfolgreichen Rapper mit ihren Uhren herum.

Und es sind nicht anerkannte Tennis-Spieler, sondern diese Pop-Kultur, von der sich die jungen, schnell zu Geld gekommenen Käufer beeinflussen lassen, so Marcs Vater und Ladengründer Leopold Gawartin. Obwohl Sohn Marc behauptet, es ginge eigentlich nicht darum, blind Geld auszugeben und eine teure Uhr zu haben, sieht sein Vater das anders.

Luxus-Uhren: das große Bling-Bling.

Gerade junge Fußballer, die in ihren ersten Jahren schon zwei bis fünf Millionen Euro verdienen – „für die ist das Spielzeug“, sagt Leopold. „Die kommen in den Laden und sehen erstmal nur das große Bling-Bling“, stimmt ihm Marc zu. Anders als die älteren Uhrenkäufer wissen die jüngeren oft nicht, was hinter den Namen und Modellen steckt.

Rapper-Kunden geht es um den Preis – nicht den Inhalt.

Besonders verpönt sind Praktiken, in denen bekannte Modelle von Luxus-Uhren-Herstellern nachträglich mit Diamanten besetzt werden. Damit erhöhen Rapper künstlich den Preis und Protzigkeit ihrer Uhr – um den emotionalen Wert der Uhr geht es hierbei kaum mehr.

Beim Juwelier Leopold hat ein sehr bekannter Deutschrapper auch schon eingekauft. Diamantenbesetzt war diese Uhr auch, und über zehntausend Euro soll sie gekostet haben. Mehr verrät mir Marc aber nicht. Schade eigentlich – aber ein bisschen Mythos muss wohl sein.

Quelle: Noizz.de

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