Streetwear-Influencer Willy mischt mit seinen farbenfrohen Fits Instagram auf – wir haben uns mit ihm über Geschlechterklischees, bunte Haare bei Typen, die Farbe Pink und seine liebsten Unisex-Picks unterhalten.

Eine Menge Tattoos, knallbunte Outfits und seit Neustem pinke Haare: Willy Iffland fällt auf. Der 30-jährige Streetstyle-Influencer hat keine Lust, sich Stereotypen zu unterwerfen, experimentiert gerne mit Farben und scheut sich nicht, seine Outfits mit Accessoires aufzuwerten, die manch einer vielleicht als nicht "typisch maskulin" einordnen würde. Die authentische Art des Wahl-Leipzigers und sein kreativer Style kommen gut an: Mittlerweile folgen dem Instagramer rund 222.000 Fans. Wir haben mit Willy über seinen Modestil und Vorurteile in der Streetwear-Szene gequatscht und uns verraten lassen, was seine liebsten genderneutralen Picks sind.

Fashion-Influencer Willy Iffland: "Es ist scheißegal, ob etwas für Frauen oder Männer konzipiert ist, solange du es cool kombinierst"

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Willy, wie genderkonform ist die Streetwearszene deiner Meinung nach noch? Welche Erfahrungen machst du?

Willy: Ich bin der Meinung, dass das Thema Gender in dem Kosmos, in dem ich unterwegs bin, leider immer noch zu präsent ist. Streetwear kann eine sehr monotone Welt sein. Meine Garderobe ist sehr bunt, ich war schon immer ein farbenfroher Mensch. Dafür bekomme ich immer noch viel Gegenwind. Auch Nachrichten, in denen ich richtiggehend dafür angefeindet wäre, dass ich Pink trage oder in denen mir vorgeworfen wird, als Mann hätte ich keine Frauenhandtaschen zu tragen, kommen immer wieder. Vor zwei Wochen habe ich meine Haare pink gefärbt, was natürlich auch total polarisiert. 90 Prozent meiner Follower feiern das, aber es gibt trotzdem immer noch einige, die meinen, sowas dürfte ich nicht bringen, weil es ein "Frauending" sei. Ich glaube, viele Männer haben da noch ein altertümliches Denken – von Frauen habe ich noch nie Kritik für meinen Kleidungsstil bekommen. Es ist immer das Machogehabe von Typen – was mich mittlerweile krass nervt. Farbenfroh rumzulaufen ist nun mal etwas, das ich mir auf die Fahne geschrieben habe. Ich will mich nicht von meinem Weg abbringen lassen, nur weil manche Menschen das nicht verstehen können oder wollen.

Wie kam es dazu, dass du deine Haare pink gefärbt hast?

Willy: Ich wollte schon lange wissen, wie das aussieht und habe mir dann in Eigeninitiative einen Friseurtermin gebucht – und eine Woche vor dem Termin habe ich dann eine Jobanfrage bekommen, ob ich nicht das Testimonial für einen Jordan in einem Magenta-Ton sein wolle. Die Voraussetzung war, dass ich meine Haare pink färbe. Ein totaler Zufall, das war dann natürlich eine Win-Win-Situation für mich!

Wie geht es dir, wenn du mit deinen pinken Haaren unterwegs bist?

Willy: Wenn ich durch Berlin laufe, wird das einfach akzeptiert. Aber ich wohne in Leipzig, eine sehr konservative Stadt. Da falle ich krass auf – auch wegen meiner ganzen Tattoos. Klar, es kommen auch bewundernde Blicke, aber die meisten sind abwertend. Ich fühle mich hier an sich total wohl, aber die Leute haben auf jeden Fall noch Aufklärungsarbeit vor sich. Der Tenor auf den Straßen ist definitiv grau in grau oder schwarz in schwarz – maximal trägt mal einer weiß. Dass hier mal ein Typ mit einem pinken Hoodie rumläuft, passiert einfach noch zu selten.

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Wie bist du zu deinem farbenfrohen Style gekommen?

Willy: Zwangsweise gegen den Strom schwimmen war nie meine Intention. Ich wollte nur nicht das machen, was viele Leute auf Instagram machen: Die meisten stellen zwar coole Outfits zusammen, die sind aber doch immer sehr vorhersehbar. Ich wollte meinen eigenen Stil entwickeln. Früher habe ich mich auch immer eher der breiten Masse angepasst, weil ich noch nicht so viel Selbstbewusstsein hatte, aber irgendwann kam dann die Einsicht, dass ich mich zu farbenfrohen Outfits einfach mehr hingezogen fühle. Ich bekomme gute Laune, wenn ich Menschen in bunten Klamotten sehe. Grelle Farben und Neon finde ich einfach schön, ich fühle mich wohl damit. Das versuche ich weiterzugeben. Ich will Leuten zeigen, dass es nicht schlimm ist, Farben zu tragen, die man nicht bei einem Typen erwarten würde.

Unterscheidest du noch nach Gender, wenn du einkaufen gehst?

Willy: Ich unterscheide schon lange nicht mehr nach Gender bei Klamotten. Streetwear ist mittlerweile so universell aufgebaut, es gibt ja kaum noch Unterschiede zwischen Frauen- und Männerkollektionen. Wenn ich etwas kaufe, achte ich darauf gar nicht. Zumal meine Freundin auch sehr genderneutral rumläuft, meine Pullis, Hoodies oder Jogginghose trägt. Das Thema sollte in der Mode eigentlich keine Diskussionsgrundlage mehr sein, finde ich – aber ich habe das Gefühl, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis das wirklich in alle Köpfe gegangen ist. Ich finde es ein wichtiges Teaching, Leuten zu zeigen, dass man was erreichen kann, ohne den typischen Stereotypen entsprechen zu müssen.

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Wie bist du dazu gekommen, Handtaschen zu tragen?

Willy: Ich habe ehrlich gesagt nie drüber nachgedacht, ob das jetzt ein Frauen- oder ein Männerding ist. Ich bin einfach ein großer Taschenfan – für Fotoshoots sind sie für mich zu einem unverzichtbaren Accessoire geworden. Meistens denke ich nicht mal drüber nach, dass sie bei manchen Leuten als "Frauen-Accessoire" gelabelt sein könnten. Das ist ja auch nur eine Kopfsache: Wenn eine Tasche einen Schulterriemen hat, sieht man sie automatisch als "Frauentasche" – aber über eine Shoulderbag von Supreme, die du im Endeffekt genauso um deinen Körper trägst, regt sich niemand auf – weil man mit ihr keinen weiblichen Aspekt verbindet. Oft ist es nur eine Frage davon, wie die Tasche geschnitten ist, welche Form und Farbe sie hat und welches Gender zuerst mit der Marke assoziiert wird. Auch hier ist es mir deshalb wichtig, eine Signalwirkung zu haben. Ich habe eine Prada-Tasche, eine Luis-Vuitton-Tasche, eine Off-White-Tasche ... Ich will den Leuten zeigen, dass ich ein cooles Outfit kreieren kann, das, wenn ich eine Tasche dazu trage, noch viel geiler aussieht. Und selbst wenn es einen femininen Touch hat, ist das doch vollkommen egal. Man muss nicht immer den harten Max markieren und so tun, als sei man der Krasseste und Tollste. Du bist viel stärker, wenn du zeigst, dass du auch Produkte kombinieren kannst, die vermeintlich nicht für "Männer" gedacht sind.

Wer inspiriert dich?

Willy: Was genderneutrale Styles angeht, bin ich ein großer Fan von J Balvin. Der Typ ist geil, weil er einfach anzieht, was er will und mit verrückten Hairstyles und bunten Haarfarben experimentiert. Er ist ein kleiner Freak, aber hat genug Selbstbewusstsein, zu tragen, was er will – auch wenn Millionen Augen auf ihn gerichtet sind.

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Welche Brands feierst du für ihren genderneutralen Ansatz?

Willy: Meine Freundin und ich gehen gerne zusammen zu Weekday – sie findet dort zum Beispiel auch immer etwas in der Männerabteilung. Meine Lieblingsbrand ist Supreme, ich weiß gar nicht, ob es da jemals eine Unterscheidung zwischen Frauen und Männermode gab. Das sind einfach Unisex-Teile. Ich glaube, die Reise geht immer mehr dahin, dass es eine Kollektion für alle gibt. Man fühlt ja auch immer selbst, was man an sich sehen kann und was nicht. Grundsätzlich haben mittlerweile glaube ich alle Brands verstanden, dass es gut und wichtig ist, Farben anzubieten.

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Was wünschst du dir für die Zukunft der Streetwear?

Willy: Ich würde mir wünschen, dass in dem Bereich mehr Aufklärungsarbeit geleistet wird. Viele junge Leute wachsen in konservativen Verhältnissen auf, und glauben dann, ihre Garderobe müsste irgendwelchen Vorgaben entsprechen. Es wäre schön, wenn es mehr Leute geben würde, die sagen: Hey, trag doch mal Pink, trag doch mal 'ne Handtasche, es ist scheißegal, ob die für Frauen oder Männer konzipiert ist, solange du sie cool kombinierst. Ich sehe mich da ein bisschen in der Rolle, ein Vorbild zu sein – mit meinem für die Szene doch schon fortgeschrittenen Alter (lacht). Ich will low-key einfach vermitteln, dass es total okay ist, zu experimentieren. Ich glaube, dass es da draußen viele Menschen gibt, die gerne mehr ausprobieren würden, sich aber wegen des sozialen Drucks nicht trauen. Wenn die sehen, da ist ein Typ, der das macht, dann haben sie vielleicht Lust, auch mehr zu experimentieren. Dafür will ich da sein.

Ich fände es cool, wenn Brands da auch mehr hinterher wären, in dem sie in ihren Kampagnen mehr Männer in bunten Klamotten zeigen. Es sollte keine Unterschiede mehr zwischen Mann und Frau geben – gerade was das Tragen von Klamotten angeht. Da werden immer noch Stereotypen von vor zehn, fünfzehn Jahren bedient. Damals hat sich halt keiner beschwert, da wurde über so was auch noch gar nicht debattiert. Genauso wie Sexismus, Feminismus – das war damals auch schon alles da, nur noch nicht so präsent. Wäre das damals schon alles ausdiskutiert worden, würden wir da heute ja gar nicht mehr drüber sprechen.

Willys Top 5 genderneutrale Picks:

#1 Prada Tie Dye Bucket Hat

"Bucket Hats sind ein Must-have für den Sommer, am besten in knalligen Farben, man will ja auch bisschen auffallen am Strand!"

#2 Louis Vuitton Multi Pochette

"Egal ob Mann oder Frau, Taschen kann jeder tragen, vor allem die, die einen Tragegurt haben. Taschen runden so ziemlich jedes Outfit ab, so wie hier in dem Fall auch!"
Willys Pochette

#3 Louis Vuitton Taigrama Shirt

"Das Hemd feier ich, weil es viele Elemente inne hat und sehr stimmig aussieht. Ausserdem ist der Schnitt perfekt ausgelegt, um es als Frau oder Mann tragen zu können."

#4 Stussy x Nike Jogging Pants

"Jogginghosen gehen immer: Sie sind cozy, weit und einfach gemütlich – mittlerweile hat meine Freundin die Hose für sich beansprucht."

#5 Supreme Pink Denim Chore Coat & Nike Jordan 1 Low Fuchsia

"Pink ist einfach meine Lieblingsfarbe. Viel mehr Männer sollten Pink tragen – und sich keine Gedanken darüber machen, ob es vielleicht zu feminin aussieht. Das ist Quatsch, Farben können von allen getragen werden und sehen auch immer gut aus!"
Der Nike Jordan 1 Low in Fuchsia

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  • Quelle:
  • Noizz.de