Teddy-Coats: Woher kommt diese neue Sehnsucht nach Plüschigkeit?

Sabine Winkler

Indie, Kaffee & Liebe
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Auch Model Stefanie Giesinger trägt Teddy. Foto: @stefaniegiesinger / Instagram

Wir alle wollen doch nur knuddeln!

Immer wenn die Tage kürzer werden, ist es doch das Gleiche: Irgendwann wächst das Bedürfnis nach einer neuen Winter- oder Übergangs-Jacke, Schrägstrich –Mantel. Dass dieses Unterfangen eine ziemlich verzwickte Situation ist, erklärt sich von selbst. Das Teil soll warmhalten, Wasser abkönnen und am besten, aus so wenig Plastikanteilen wie möglich bestehen.

Wo findet man bitte so was?!

Manchmal suche ich einen ganzen Winter lang, ohne am Ende den einen, richtigen Mantel gefunden zu haben. Das kann an die Substanz gehen. Aber: Diesen Herbst-Winter gibt es einen Trend, der alle Kälte-Kuschel-Fetischisten befriedigen soll. Der Teddy-Coat.

So flauschig! Wer kann da widerstehen? Man kann ihn wirklich in jeder Form, Länge und Farbe haben und ihn eigentlich auch zu allem kombinieren. Die plüschigen Teile sind superkombinierbar und eigentlich will man sie doch die ganze Zeit streicheln.

Einfach jeder trägt sie: der H&M- und Uniqlo-Kunde genauso wie der Influencer oder Hollywood-Star bzw. Topmodel. Sogar Männer lieben ihre Plüschie-Teddy-Jacken! Sogar die K-Pop-Superstars von BTS tragen Teddy-Plüsch!

Aber: Woher kommt unsere Lust auf Plüsch?

Ausgerechnet in dem Jahr, das politisch aufgeriebener nicht hätte sein können (Stichworte: Trump. #metoo, Chemnitz ...), suchen wir unser Wohlfühl-Heil in der Mode. In Form eines plüschigen Kleidungsstückes. Das uns dahin zurückholt, wo alles noch schön einfach und unkompliziert war (nun ja, für die meisten zumindest): unsere Kindheit.

Jeder von uns hatte das eine Plüschtier, das uns überall hin begleitet hat, das uns alles hat überstehen lassen – und auch das ein oder andere Familiendrama ausgelöst hat, wenn es nicht aufzufinden war. Wir haben eine Bindung zu unseren Kuschelfreunden. Und bei vielen war es eben auch ein Teddy.

Als Erwachsener können wir leider nicht mit unserem Teddy durch die Straße laufen, ohne blöd angeguckt zu werden. Auch, wenn wir das gerne würden. Wir sind schließlich nicht Mister Bean oder Mark Wahlberg auf Droge mit Teddy Ted.

Da ist der Teddy-Mantel doch eigentlich ein guter Kompromiss, oder nicht? Er sieht sogar einigermaßen stylisch aus. Kunstfell-Jacken und Plüsch-Mäntel tragen zudem das Versprechen einer heilen Welt in sich. Kein Tier musste dafür sterben. Auch Hippies standen schon drauf – und singen die nicht von Liebe, Frieden und Freiheit?

Ob das die Sehnsucht nach einer Portion Plüsch im Kleiderschrank erklären kann? Oder ist es doch nur das unglaublich geile haptische Gefühl, das man hat, wenn man über so einen Mantel streichelt? Okay, das klang gruselig objektophil.

Ich jedenfalls bin auch versucht mir so einen süßen, flauschie Plüsch-Mantel zuzulegen. Wäre da nicht ein Haken: Richtig warm hält er nämlich nicht. Das Teddyfell ist eine Illusion, denn Polyester hält bei minus acht Grad nicht wirklich warm. Man schwitzt höchstens und wird dann wieder krank. Ganz zu schweigen von der Umweltbilanz dieser Plastikfaser ... also doch lieber der klassische Wollmantel. Bis ich da das Objekt meiner Begierde finde.

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Quelle: Noizz.de

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