Das letzte Mal trug ich sie in der 3c.

Ariana Grande, Justin Bieber, Alessia Cara: Momentan scheinen alle Crocs zu tragen. Ruby Rose hat jetzt eine Kollabo mit Crocs am Laufen, Balenciaga postet auf Instagram Riesen-Crocs, selbst Kanye Wests Yeezys sehen plötzlich aus wie Crocs – und erinnerst du dich eigentlich noch an die gelbe Crocs-Kollabo mit Post Malone?

Mich, als alten Crocs-Fan, haben diese News gleichermaßen verwirrt und begeistert. Kommen Crocs etwa zurück? Sollte ich mein letztes verschmähtes Paar Crocs wieder auspacken und bei der Crocs-Renaissance mitmachen?

Bis ich ungefähr so zehn Jahre alt war, bin ich aufgewachsen in dem Glauben, Crocs wären cool. Ich dachte, Crocs gehören zur Grundausstattung jedes Kleiderschranks – genauso wie eine windfeste Regenjacke und Thermo-Unterwäsche. Meine ersten Crocs waren lila, meine Lieblingsfarbe. Ich trug sie das erste Mal, als ich mit meinem Vater für ein paar Stunden in Paris herumlief. Obwohl jeder mir davon abriet, wollte ich sie unbedingt zeigen, meine schönen, quietschenden, lilafarbenen Crocs. Danach hatte ich Blasen an den Füßen, jammerte viel, aber war im Großen und Ganzen Stolz auf meine Stilsicherheit.

Zu der Zeit wechselte ich gerade die Schule und trug auch dort erhobenen Hauptes meine lilanen Crocs; doch der Kommentar des coolsten Girls unserer Klasse zerschmetterte mein Ego mit einem Mal. Der Schmerz liegt noch tief: Es war in der dritten Klasse. Ich trug meine Haare in zwei geflochtenen Zöpfen (OG-Greta-Style), ein schwarzes Kleid mit Kapuze (was ich so cool fand), knielange, schwarz-weiß-rot-gestreifte Socken und an den Füßen meine heiß geliebten Crocs, Schuhgröße 33.

Ich hab' mich einfach gefühlt, lief mit einem gewissen Selbstbewusstsein in unseren Chorraum, wo wir gerade "Maria durch ein' Dornwald ging" übten. Die Regina George der Klasse 3c schaute mich an, ließ ihren Blick auf meine Crocs wandern und sagte: "Luisa, du wärst eigentlich ganz cool. Wenn du nicht diese Schuhe tragen würdest."

Boom.

Selbstbewusstsein: zertrümmert. Crocs: in die Tiefen des Schuhschranks verbannt und selbst nach mehrmaliger Nachfrage meiner Mutter nicht mehr an meine Füße zu bekommen. Als meine Füße größer wurden, bekam ich ein neues paar Crocs, doch diese erlebten schon gar nicht mehr die Welt außerhalb meiner vier Wände.

Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich Crocs wirklich uncool finde oder ob ich mich einfach so den gesellschaftlichen Standards ergeben habe, dass ich nur denke, Crocs uncool finden zu müssen, obwohl mich ihr unübersehbarer Swag insgeheim fasziniert.

Ich kann einfach nicht anders: Wenn ich Ariana Grande sehe, wie sie Crocs auf Instagram rockt, dann will ich sie wieder tragen, meine Crocs. Nach mehreren Abwägungen, Instagram-Recherchen und Hemmschwellen-Einebnungen haben meine Kollegin Juliane und ich uns entschieden, das Experiment zu wagen. Wir wollen uns Ariana Grande und Justin Bieber anschließen und Crocs wieder cool machen.

Erster Schritt: Crocs bestellen.

Wir wägen ab zwischen schwarzen und weißen Crocs, entscheiden uns letztendlich für Schwarz – Weiß erinnert uns beide an eine Orthopädie-Praxis. Die Treter kosten gerade mal 20 Euro. Keine allzu große Investition.

Zweiter Schritt: Outfits suchen.

Wir durchforsten unsere Kleiderstangen nach Crocs-tauglichen Outfits. Internet-Ratgeber sagen uns, wir müssen große Hüte tragen, um von der Klobigkeit der Crocs abzulenken. Wir entscheiden uns, einen anderen Weg zu gehen.

Juliane verfolgt den Ansatz, besondere Kleidungsstücke zu suchen, die von den schwarzen, durchlöcherten Kunststoffschuhen ablenken. Mein Ansatz ist, die richtige Socken-Crocs-Kombo zu finden und irgendeinen basic Oversize-Pulli auf das Ganze zu packen.

Dritter Schritt: Crocs in Szene setzen.

Wir stellen uns auf die Dächer Berlins, schnappen uns eine Spiegelreflex und tun so, als wären wir einmal in unserem Leben cool genug für einen Fashion-Blog.

Fazit: Crocs geben mir pure Joie de vivre.

Beim Shoot fühle ich mich wieder so, wie ich mich damals beim Betreten des Chorraums der 3c gefühlt habe: voller Vibes. Pure Joie de vivre, meine Füße fühlen sich frei, ich darf endlich wieder meinem Herzen folgen und meine Schuhe in einem Plastikumschlag verpacken.

Juliane ist weniger begeistert. "Die sehen einfach so kacke aus", sagt sie, als wir die Fotos später durchgehen. "Man fühlt sich halt so, als hätte man sich selbst ein bisschen aufgegeben", lautet ihr erniedrigendes Fazit zu unserem Crocs-Experiment.

Meins lautet anders. Liebe Crocs, ich würde mich immer wieder für euch aufgeben, und ich wünsche mir, dass euch bald die ganze Welt so sieht, wie ich euch sehe. Das Ergebnis unseres Shoots überzeugt mich, euch wieder in mein Leben zu lassen. Und ich schaue gerne dabei zu, wie ihr in den nächsten Jahren zum Trendschuh werdet, und dann werde ich die Person sein, die sagt: Ich habe es schon immer gewusst. Dann wird selbst meine Kollegin Juliane Crocs tragen. Das verspreche ich euch. 

Quelle: Noizz.de