Tattoo Talk #8 mit Magda Hanke

Katharina Kunath

Tattoos, Mode & Kultur
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Magda Hanke, Illustration: Kira Wirth Foto: Verena Frye / Verena Frye

Madga steht für naturalistische Neotraditionals und die schönsten Frauen Hamburgs.

Jede Woche wollen wir euch in unserem „Tattoo Talk“ inspirierende Tattoo-Artists vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen! So auch die 29-jährige Magda Hanke, an deren malerischeren Motiven man einfach hängen bleiben muss: Wunderschöne Frauenporträts gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie niedliche Natur- und Tiermotive. Ganz besonders ist neben Magdas zeichnerischem Geschick auch ihre warme, gedeckte Farbwahl, die so gar nichts mit den typischen Neotraditionals zu tun hat, die man sonst so kennt. Magda tätowiert seit vier Jahren in Hamburg. Dort findet ihr sie im Studio „Million Miles Tattoo".

Foto: lux und liebe / lux und liebe

NOIZZ: Magda, wie bist du zum Tätowieren gekommen?

Magda: ... durch eine Reihe glücklicher Umstände. Studiert habe ich eigentlich Innenarchitektur, eine Zeit lang habe ich auch in dem Bereich gearbeitet, aber so wirklich gefühlt habe ich es nie. Übergangsweise bin ich dann in den Einzelhandel gewechselt. In dieser Findungsphase habe ich mich von Nick Corbett tätowieren lassen, der mir den Schubs in die richtige Richtung gegeben hat. Und so kam es dann, dass ich im Frühjahr 2014 mein erstes Tattoo gestochen habe. Mein Stil ging von Anfang an schon in die Richtung, die ich auch jetzt mache. Natürlich haben sich meine Zeichnungen dem neuen Medium angepasst. Ich zeichne jetzt eben für den Körper und nicht mehr bloß auf Papier.

Das Schönste am Tätowieren ist …

Magda: … sich täglich einer neuen Herausforderung zu stellen und das machen zu können, was man liebt. Und am Ende in überglückliche Gesichter blicken zu dürfen.

Ich habe angefangen zu tätowieren, weil…

Magda: … andere an mich geglaubt haben: Tätowierer, mein Umfeld und vor allem meine Schwester.

Was war dein bisher schönstes Tattoo-Request?

Magda: DIE eine Anfrage gibt es nicht. Ich habe häufig Anfragen, bei denen der Hintergrund ein sehr persönlicher ist und ich bin immer gerührt und überrascht, dass mir meine Kunden ihre Geschichte ohne Weiteres anvertrauen. Das gibt mir dann auch die Sicherheit, dass sie sich wirklich wohlfühlen. Und im Prinzip wachse ich mit jedem Termin immer ein bisschen mehr, lerne, was ich verbessern muss, oder merke, was schon wirklich gut läuft. Daher ist eigentlich jeder Termin etwas Besonderes, da diese ja auch sehr von den einzelnen Personen abhängen.

Was sagen deine Eltern zu deinem Beruf?

Magda: Meine Eltern haben mich in allem, was ich bislang angefangen habe, immer mit der Aussage ‘Wenn du das machen willst, dann mach das!‘ unterstützt. Darüber bin ich mehr als dankbar und froh. Sie hatten zuvor nie großen Kontakt zu Tattoos, waren dann aber sehr offen und interessiert. Jetzt sind sie stolz, dass ich meinen Weg gehe. Und mein Papa hat sich sogar sein erstes Tattoo von mir stechen lassen – und dabei sprechen wir von einem gesamten Sleeve!

Foto: Magda Hanke / Magda Hanke

Das würde ich niemals stechen:

Magda: Sachen, die ich einfach nicht beherrsche. Ich fühle mich in meinem Stil wohl und sicher. Wenn andere Dinge – teilweise auch Motive – angefragt werden, bei denen ich mir unsicher bin, 100 Prozent geben zu können, schicke ich die Leute lieber weiter. Im Bestfall kenne ich einen Tätowierer, der genau zu dieser Idee passt. Dann empfehle ich diesen natürlich.

Wenn ich heute kein Tattoo-Künstler wäre, würde ich

Magda: … wohl weiterhin Klamotten verkaufen oder vielleicht die Idee meines eigenen kleinen Cafés umgesetzt haben.

Gab es schon Situationen, in denen du am Tätowieren gezweifelt hast?

Magda: Ein gewisses Risiko birgt ja jeder neue Schritt, aber wer nicht wagt, der gewinnt auch nicht! Trotzdem war ich mir gerade am Anfang oftmals nicht sicher, ob ich das wirklich kann. Damit meine ich weniger, ob ich das Handwerk erlernen kann, sondern ob ich dem Druck gewachsen bin, jeden Tag aufs Neue etwas kreieren zu müssen, das jemand sein Leben lang mit sich herumträgt. Das finde ich auch heute noch verrückt, wenn ich darüber nachdenke!

Was nervt dich an der Community am meisten?

Magda: Die Egos und vorherrschende Missgunst einiger. Aber man sollte sich viel mehr auf die positiven Momente konzentrieren. In den letzten Jahren habe ich tolle Freunde durchs Tätowieren dazu gewonnen!

Was war dein erstes Tattoo?

Magda: Eine stilisierte Pfauenfeder am Schulterkopf in Richtung Dekolleté. Ich finde es nicht furchtbar, würde es so aber heute nicht mehr machen lassen, vor allem wegen der Farben. Auch die Platzierung ist für das erste Tattoo nicht unbedingt die perfekte Wahl gewesen.

Foto: Magda Hanke / Magda Hanke

Und wie sah das erste Tattoo aus, das du gestochen hast?

Magda: Davon hab ich leider nie ein Foto gemacht, weil es mega rot und geschwollen war, als es fertig war. Ich habe direkt groß angefangen und ein stilisiertes Porträt eines Hundes in schwarz und grau auf einen Oberschenkel gestochen. Würde mich mal interessieren, wie das jetzt wohl aussehen mag.

Wo findest du Inspiration?

Magda: Wirklich überall. Dadurch, dass ich überwiegend naturbezogene Motive tätowiere, finde ich ausreichend Inspiration bei einem Spaziergang durch die Natur. Aber natürlich auch durch andere Künstler und Musik. Der Austausch mit anderen Menschen, egal welchen Beruf sie ausüben, inspiriert und motiviert mich.

Was ist das Härteste an deinem Job?

Magda: Sich einfach mal eine Auszeit zu gönnen. Ich glaube, jeder, der kreativ arbeitet, fühlt sich immer irgendwie von der schaffenden Kraft getrieben.

Für mich ist es manchmal das Schönste im großen Stress einfach mal die Auftragsarbeiten beiseitezulegen und wieder etwas für mich zu zeichnen, so komisch das auch klingen mag. Dabei habe ich nicht den Hintergedanken, dass das mal ein Tattoo werden könnte, sondern zeichne einfach das, was mich in diesem Moment bewegt. Das ist superentspannend. Wenn ich wirklich mal eine richtige Auszeit nehmen möchte, muss ich wegfahren. Dann am liebsten in die Natur. Und für das kurze Abschalten zwischendurch gibt's den Spaziergang mit Hund und Mitbewohnern.

Welchen Rat würdest du Leuten geben, die sich das erste Mal tätowieren lassen?

Magda: Lasst euch ausreichend Zeit und überstürzt nichts. Schaut euch vorher einmal im Studio eurer Wahl um und redet mit eurem potenziellen Tätowierer, wenn ihr die Möglichkeit dazu habt. Zwischen euch muss die Chemie stimmen – und ihr müsst euch richtig wohl bei ihm/ihr fühlen!

[Mehr dazu:„Was muss ich beim ersten Tattoo beachten?“]

Was würdest du dir selbst niemals stechen lassen?

Magda: Sag niemals nie! Aber ich glaube wohl ein Spinnennetz – obwohl mir das schon super viele meiner Tätowierer regelmäßig vorschlagen.

Was steht noch auf deiner Bucket-List?

Magda: So etwas habe ich eigentlich gar nicht wirklich. Ich lass vieles auf mich zukommen und mich diesbezüglich ein bisschen überraschen. Das Einzige, das ich plane, ist, mich stets um Fortschritt zu bemühen und den Spaß dabei nicht zu verlieren.

Diesen Kollegen gebe ich Props:

Magda: Ich könnte hier jetzt unzählig viele Namen aufzählen, von denen die meisten bestimmt bekannt sind. Daher beschränke mich auf meine guten Freunde Thorge (@thorgeschmidt), Lydia (@lydia_dilling) und Fronsaide (@fronsaide), die alle super Arbeiten in ihrem Portfolio haben, aber die noch zu wenige auf den Schirm haben!

[Auch interessant: „Tattoo Talk #5 mit Wendy Pham“]

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Quelle: Noizz.de

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