Käsespieße, Madonnen und brennende Gegenstände: „Fineline Anti-Style“ aus Hamburg.

Jede Woche wollen wir euch in unserem neuen Format „Tattoo Talk“ inspirierende Tattoo-Artists vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen!

Heute mit Ada, deren Tattoos ihr auf ihrem Insta-Profil @ada_romanova_tattoos anschauen könnt. Im echten Leben tätowiert Ada bei „Traphouse Tattoos“ in Hamburg.

Ada Romanova Foto: Ada Romanova / privat

NOIZZ: Ada, wie bist du zum Tätowieren gekommen?

Ada Romanova: Ich bin Autodidaktin. Meine Zeichnungen hatten schon immer eine gewisse Infantilität und Ignoranz, und ich habe mich recht schnell an meine eigene Haut getraut. Ich habe mir einfach eine Maschine gekauft und angefangen, auf meinem Oberschenkel und Arm zu üben, bevor ich das Selbstvertrauen hatte, auch Freunde zu tätowieren. Ich kannte damals schon einige Tätowierer, die mir ab und an mit Tipps zur Seite gestanden haben.

Bei Traphouse bin ich erst vor einigen Monaten durch einen Freund gelandet. Mir war es immer wichtig, einen Laden zu finden, der einen eigenen, persönlichen Stil hat und durchsetzt – unabhängig von gängigen Trends oder monetären Motiven. Die meisten von uns verfolgen eine Art „Ignorant Style“ – deshalb habe ich mich hier gleich wohl gefühlt.

Ich würde meine Art, zu tätowieren, vielleicht als „Fineline Anti-Style“ bezeichnen: Ich steche gerne großflächig und in dünnen Linien. Momentan stehe ich sehr auf Käsetraubenspieße, Madonnen und brennende, traurige Gegenstände. Aber wer weiß schon, worauf ich morgen Bock hab!

Am liebsten arbeite ich aber mit einer 3er Nadelstärke und nur in Schwarz. Schwarz wird niemals nerven und lässt sich zu jedem Kleidungsstück kombinieren.

Das schönste am Tätowieren ist …

Ada: ... die Intimität zwischen dem Kunden und mir. Es ist ein enormer Vertrauensbeweis, der häufig zu sehr schönen und bewegten Gesprächen führt. Hin und wieder hab ich das Gefühl, dass wir in einer Art Therapiesitzung sind, die aus Schmerz, Neuanfang und Loslösung besteht.

Ich habe angefangen zu tätowieren, weil

Ada: ... sich viele Freunde und Bekannte meine Zeichnungen von anderen Tätowierern haben stechen lassen. Mit dem Ergebnis war ich nicht immer zufrieden, weshalb ich es schließlich selbst in die Hand genommen habe. Die Arbeit auf der Haut war wie ein Upgrade für mich, da ich schnell realisierte, wieviele zeichnerische Möglichkeiten sich nunmehr erschließen. Mittlerweile langweilt es mich sogar ein wenig, auf Papier zu zeichnen.

Was war das bizarrste Tattoo-Request?

Ada: Das war wohl ein Louis-Vuitton-Pattern auf der kompletten Schädeldecke.

Was sagen deine Eltern zu deinem Job?

Ada: Sie finden meine Arbeit toll und schauen sie sich regelmäßig an. Mein Vater lässt sich sogar jedes Weihnachten ein neues Tattoo von mir stechen.

Das würde ich niemals stechen:

Ada: Motive, die auf gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit deuten. Und Mandalas.

Wenn ich heute keine Tattoo-Künstlerin wäre, wäre ich

Ada: Seit zwei Jahren mache ich Musik unter dem Namen „The Other Shi“. Außerdem studiere ich im Master Freie Kunst. Ich bin also so oder so gut ausgelastet.

Ada als „The Other Shi“ Foto: Ada Romanova / privat

Das habe ich fürs Tätowieren riskiert:

Ada: Nix.

Was nervt dich an der Community am meisten?

Ada: Ich steck' da  bislang nicht so tief drin, also nervt mich auch noch nichts.

Was war dein erstes Tattoo?

Ada: Mein erstes Tattoo waren (natürlich) drei Sterne an der Leiste – als ich 13 Jahre alt war.

Und wie sah das erste aus, das du gestochen hast?

Ada: Das waren ein X und ein Kreuz auf meinen Füßen.

Foto: Ada Romanova

Wo findest du Inspiration?

Ada: Ich gehe aufgrund meines Studiums auf viele Kunstausstellungen, was häufig die größte Inspiration ist. Interessant finde ich auch Bücher mit alten Illustrationen, insbesondere mittelalterliche Drucke, da ich dort die Proportionen der Menschen und Tiere sehr ungelungen-gelungen finde. Oder auch die einfache Beobachtung des banalen Alltäglichen ­– auch das liefert eine Fülle an Inspirationsschätzen.

Was ist das Härteste an deinem Job?

Ada: Dünne, feine Linien stechen. Auf Menschen, die ganz viel zucken.

Welchen Rat würdest du Leuten geben, die sich das erste Mal tätowieren lassen?

Ada: Klebt euch das Motiv vorher auf oder hängt es euch ans Bett und schaut es einige Tage oder Wochen an. Wenn es euch dann immer noch gefällt, seid ihr damit auf der richtigen Seite.

Was steht noch auf deiner Bucket-List?

Ada: Eine Zeitlang im Schweigekloster leben, @Uglyworldwide tätowieren und Avocados in Mexico essen.

Welchen Tattoo-Artists gibst du Props?

Ada: David Schiesser, @tattooist_nini, @laramaju, @auto_christ, @90sboris, @supernachoetattoo, @authentic_vegan_tattoos, @ehmen_tattoo

Hier könnt ihr Ada Romanovas coole Tattoos auschecken:

Quelle: Noizz.de