Tattoo Talk #4 mit Guen Douglas

Katharina Kunath

Tattoos, Mode & Kultur
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Guen Douglas by Fotofloor. Illustration: Kira Wirth Foto: Guen Douglas

Hauptsache nicht langweilig: Knackige Bootys, Giraffen und Drag-Piratinnen sind Guens Ding!

Jede Woche wollen wir euch in unserem neuen Format „Tattoo Talk“ inspirierende Tattoo-Artists vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen!

Heute am Start: Die Kosmopolitin Guen Douglas, die seit einigen Jahren in Berlin lebt und tätowiert: Ihre Kunden empfängt sie in der Taiko Gallery in Kreuzkölln. „Illustrativ“ beschreibt sie ihren Stil, der von American Traditional, Seemanns-Tattoos und der kanadischen Ästhetik beeinflusst ist – denn dort hat die Karriere der 39-Jährigen angefangen. Das Guens einzigartige Motive eine große, internationale Anhängerschaft haben, zeigt ihr sorgsam kuratiertes Instagram-Profil: Fast 73.000 Abonennten verfolgen dort ihr Schaffen.

NOIZZ: Guenn, wie bist du zu deinem Tattoo-Stil gekommen?

Guen: Angefangen zu tätowieren habe ich schon 2005 in Kanada, davor habe ich in Bars und im Gastgewerbe gearbeitet. 2009 bin ich nach Rotterdam gezogen – dort hat mein heutiger Tattoo-Stil angefangen, Gestalt anzunehmen: dicke Linien, viel schwarz, einheitliche Farben und Freiflächen – aber moderne Themen und Motive.

Ich bin stolz darauf, dass ich zu Beginn meiner Karriere gelernt habe, in verschiedenen Stilen zu stechen. Dadurch kann ich aus einem vielfältigen Repertoire schöpfen und immer die Ästhetik benutzen, die am besten zu dem jeweiligen Projekt passt.

Guen Douglas. Foto: Guen Douglas / Noizz.de

Das Tollste am Tätowieren ist …

Guen: Das zu tun, was ich liebe. Und Zeit mit Gleichgesinnten zu verbringen.

Ich habe angefangen, zu tätowieren, weil

Guen: Ich wollte als Künstlerin arbeiten, gleichzeitig aber auch an vielen verschiedenen Orten leben und viel reisen. Und ich liebe Tattoos!

Was war dein skurrilstes Tattoo-Request?

Guen: Wenn man meine Arbeiten anschaut, merkt man schnell, dass ich ziemlich viele verückte oder seltsame Motive steche – nichts ist zu komisch!

Was sagen deine Eltern zu deinem Job?

Guen: Sie haben mich immer sehr unterstützt – obwohl ich glaube, dass sie sich am Anfang ziemliche Sorgen gemacht haben, ob ich davon wirklich langfristig leben kann. Aber sie haben ja gesehen, wie hart ich gearbeitet habe, um mit meinem kleinen Business Erfolg zu haben – und dabei standen sie immer hinter mir.

Das würde ich niemals stechen:

Guen: Gesichter! Gesichtstattoos passen einfach nicht in meine Ästhetik – aber jeder so, wie er will. Es gibt genügend Tätowierer, die das gerne machen, deswegen muss ich es nicht tun.

Wenn ich heute keine Tattoo-Künstlerin wäre, würde ich

Guen: Wahrscheinlich würde ich als Illustratorin oder Grafikdesignerin arbeiten, oder immer noch in der Hotellerie. Ich liebe es, Neues über Wein oder Essen zu erfahren – außerdem ist Tätowieren im Grunde auch eine Service-Tätigkeit. Vieles von dem, was ich beim Arbeiten in Restaurants und Clubs gelernt habe, wende ich auch beim Tätowieren an, um meinen Kunden zusätzlich zu dem schönen Endprodukt auch eine tolle Erfahrung zu liefern. Ich genieße es, One-on-one mit Menschen zu arbeiten.

Das habe ich fürs Tätowieren riskiert:

Guen: Ich denke, es gibt immer ein gewisses Risiko, wenn man vom Angestellten zur Selbständigkeit wechselt. Ich bin in den letzten neun Jahren fünfmal in andere Länder gezogen, jeder Umzug war ein großes Risiko. Du musst immer wieder von vorne anfangen. Tätowieren hat viel mit Demut zu tun, und damit wird man definitiv konfrontiert, wenn man nach einem Umzug von vorne anfangen muss.

Ich glaube aber, dass das Arbeiten als freischaffender Künstler immer ein Glücksspiel ist, egal welches Medium man wählt. Manchmal gewint man, aber die Gewinne kommen nicht ohne Verluste.

Was nervt dich an der Community am meisten?

Guen: Eine schwere Frage! Tätowierer lieben es, sich zu beschweren. Ich denke, es wird immer zu Beschwerden zwischen den Generationen kommen, aber das ist nun mal der Circle of Life. Manchmal lassen uns soziale Medien vergessen, im Hier und Jetzt zu leben, uns über unsere Kundschaft zu freuen und sie als Menschen und nicht wie unsere Leinwände zu behandeln.

Wir sind keine Bildenden Künstler. Wenn wir an einem Kunden arbeiten, bieten wir einen Service an. Wir würden alle gut daran tun, öfter daran zu denken, dass das Tattoo, das wir erstellen, nicht für Likes, sondern fürs Leben ist.

Was war dein erstes Tattoo?

Guen: Haha, davon zeige ich euch kein Foto, es ist schrecklich! Oh, die Neunziger! Ich habe ein kleines Kanji (japanisches Schriftzeichen, Anm. der. Redaktion) direkt über meiner Arschritze, das „Betrauern“ bedeutet. Ich war damals ein krasser Goth, und Kanji war cool.

Und wie sah das Erste aus, das du gestochen hast?

Guen: Davon habe ich auch kein Foto – sollte es eines geben, ist es auf einer wirklich alten Digitalkamera, die irgendwo in Kanada eingelagert ist. Auch das war ein Kanji – in einer Tribalsonne, die ich einem Mädchen auf den oberen Rücken gestochen habe. Sie wusste, dass es mein Erstes war und war sehr nett und geduldig mit mir, weil ich so nervös war. Wenn ich daran denke, wie schrecklich dieses Ding heute aussehen muss, läuft es mir kalt den Rücken runter!

Wo findest du Inspiration?

Guen: Überall, ob das Essen, Geschichte, Wein, Architektur, Mode, Fotografie, Literatur oder Natur ist. Außerdem fasziniert es mich, wie sich andere Künstler entwickeln. Ich liebe es, mit Menschen über deren Job zu sprechen, selbst wenn es etwas völlig anderes ist, als das, was ich so mache.

Was ist das Härteste an deinem Job?

Quen: Das Schwierigste ist wirklich, eine Balance zu finden – zeitlich wie gefühlstechnisch. Mein Leben ist extrem durchgeplant, ich kann weder besonders spontan sein, noch kann ich mir mal Zeit für mich nehmen, wenn es mir mal nicht so gut geht. Ich habe nie genügend Zeit.

Welchen Rat würdest du Leuten geben, die sich das erste Mal tätowieren lassen?

Guen: Such dir einen Künstler, der technisch sehr gut ist, dessen Zeichen-Stil dir gefällt und den du auch als Menschen magst. Es ist viel einfacher, Ideen mit jemandem zu entwickeln, mit dem du gut klarkommst, als mit jemandem, der dich grob oder abweisend behandelt.

Tätowieren ist ein sehr kooperativer Prozess, sei offen für Empfehlungen und Anleitungen deines Tätowierers. Du bist zwar der Kunde, aber er ist der Experte – Zuhören ist wichtig. Und es wird nicht bei einem Tattoo bleiben – deswegen ergibt es Sinn, die „Reise“ von Anfang an richtig zu beginnen: Mit jemandem, der seine Arbeit perfekt macht und dir gute Ratschläge gibt.

Was steht noch auf deiner Bucket-List?

Guen: Ich will mich unbedingt noch von Theo Mindell und Chris Conn tätowieren lassen!

Diesen Kollegen gebe ich Props:

Guen: Heute gibt es so viele tolle Tätowierer auf der Welt, es ist unglaublich. Wendy Pham, mit der ich zusammenarbeite, ist fantastisch. Stu Pagdin, Mayonaize und Malika Rose Love sind ein paar andere Aussies, die mir in den Sinn kommen. Ich freue mich immer, wenn ich auf meinen Social-Media-Feeds neue Arbeiten von ihnen sehe! Außerdem natürlich gute Freunde wie Susanne König, Kimanh Nguyen, Jody Dawber, Dan Sinnes, Fördl, Sam Rulz, Lynn Akura und Markus Lenhard. Und einige große Namen, denen ich nie müde werde, wie Grime, Paul Dobleman, Luke Atkinson, Henning, Sabine Gaffron, Tin-Tin, Dave Knight, Lulips, Dave Cummings, Steve Moore und James Tex. Ich könnte den ganzen Tag aufzählen und hätte immer noch nicht alle zusammen.

Hier könnt ihr Guens farbenfrohen, sassy Tattoos weiter auschecken:

Quelle: Noizz.de

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