Bei dem Modeunternehmen gibt es weit mehr Probleme.

Die Kritik an H&M und ihrem rassistisch anmutenden Pullover ist absolut richtig (NOIZZ berichtete). Es ist beschämend, dass eine ganze Reihe von H&M-Mitarbeitern das Werbefoto hat durchgehen lassen - ohne jegliches Bewusstsein für die ekelhafte Message auf dem Pullover des kleinen Jungen.

In Bezug auf Kinder ist an H&M im Übrigen einiges ekelhaft. Wie viele andere Textilfirmen, sucht sich die Marke Produktionsländer mit sehr lauen Gesetzen wie Bangladesch, Burma oder Myanmar. Die Unternehmen nutzen den fehlenden Arbeitnehmerschutz brutal aus und lassen oft 14-jährige Mädchen unter katastrophalen Bedingungen ihre Kleidung nähen. Tageslohn: 2 Euro, wenn man Glück hat 2,50 Euro.

Viele der Arbeiter und Arbeiterinnen leben in Slums, ohne Elektrizität und fließend Wasser. Auch der grüne Pullover, der gerade um die Welt geht, ist wahrscheinlich von Mädchenhänden gemacht.

Die Klamotten von H&M werden in Entwicklungsländern für einen Hungerlohn genäht Foto: Maja Hitij / dpa picture alliance

In Europa würde H&M nie so produzieren. Aber Kinder bleiben Kinder, egal ob schwarz oder weiß, Deutsch oder Bangladeschi. Kein Kind der Welt sollte für 2 Euro am Tag 14 Stunden Kleidung nähen.

Jedes Unternehmen kann frei entscheiden, ob es 2 Euro Lohn zahlt, was kaum zum Überleben ausreicht - oder zum Beispiel 4 Euro, was schon ein deutlich würdevolleres Dasein ermöglicht. H&M hat es in der Hand, das zu ändern, aber sie tun es nicht. Weil die Bangladeschi Mädchen es nicht einfordern. Nicht einfordern können. Auch das ist eine Form von Rassismus.

Deswegen frage ich mich: Was wäre, wenn ein Foto gepostet werden würde von dem Mädchen, das den Pullover genäht hat, irgendwo in einer Fabrik in Bangladesch? Würde dann auch „the Weeknd“ seine Zusammenarbeit mit der Marke kündigen? Würden die Menschen beschließen, nicht mehr bei H&M einzukaufen? Aktivisten in Südafrika H&M-Läden plündern? Vermutlich nicht. Dabei hätte man Grund genug.

Eine Textilfabrik in Bangladesch - Firmen wie Toys'R'us oder Desigual lassen hier nähen Foto: Doreen Fiedler / dpa picture alliance

Vielleicht liegt es daran, dass die Fabrik in Bangladesch für uns gedanklich zu weit weg ist. Weil wir das Gefühl haben, dass man eh nichts mehr machen kann. Dass die meisten Firmen so handeln, weil es irgendwie zur Globalisierung gehört. Und weil es natürlich erst die günstigen Preise in Europa ermöglicht.

Dabei wäre ein Shitstorm, der so gewaltig ist, wie der, den wir aktuell erleben, so wichtig. Denn der Skandal-Pullover ist nur ein Symbol dafür, was Menschenwürde für Unternehmen wie H&M eigentlich bedeutet. Ziemlich wenig. Egal ob auf oder hinter dem Pullover.

Quelle: Noizz.de