Off-White-Gründer Virgil Abloh ist am Wochenende hart in Kritik geraten: Ihm wurde vorgeworfen, zu wenig für #blacklivesmatter zu tun. Ein falsch interpretierter Screenshot brachte das Fass zum Überlaufen. Jetzt hat sich der Designer auf Instagram zu Wort gemeldet.

Virgil Abloh ist einer der erfolgreichsten Menschen der Modebranche: Als künstlerischer Leiter der Herrenmode-Kollektion von Louis Vuitton und Geschäftsführer des Mailänder Labels Off-White wurde er weltbekannt. Doch genau dieser Erfolg fiel jetzt auf ihn zurück.

Aber von Anfang an: Am Sonntag teilte Abloh einen Screenshot auf Instagram, der eine Spende von 50 US-Dollar an die gemeinnützige Organisation "(F)EMPOWER Community Bond Fund" zeigte. Auf Twitter löste das eine Welle der Empörung aus – vor allem, nachdem mehrere Twitter-User seine Spende mit den Preisen seines Luxuslabels Off-White verglichen.

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Nicht nur die Spende sorgte für Ärger

Doch der Screenshot war nicht das Einzige, was zum Shitstorm führte: Weil er wohl zusätzlich seinen Ärger über die Plünderungen während der Demonstrationen äußerte, weil der Laden einer seiner Freunde zerstört wurde, riefen viele dazu auf, Geschäfte von Off-White und Louis Vuitton leer zu räumen. Innerhalb kürzester Zeit häuften sich Boykott-Aufrufe für Ablohs Modemarken, Memes, die seine Knauserigkeit thematisierten und Beschimpfungen. Kurzerhand wurde sogar der Wikipedia-Eintrag des Designers umgeschrieben – zu "Virgil cheap ass Abloh" (mittlerweile wurde das aber wieder gelöscht).

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Abloh meldet sich bei Instagram zu Wort – in einem langen Statement

Die Anschuldigungen, nicht genug für die Sache zu tun, lächerlich wenig gespendet zu haben und generell auf der falschen Seite zu stehen, wollte Virgil Abloh nicht länger unkommentiert lassen. Am Montag meldete er sich auf Instagram zu Wort: Mit einem mehrteiligen Statement, das seine Haltung und den geringen Spendenbeitrag erklärt.

In ihm teilt er seine Erfahrungen als "dark black man" in Amerika, seine Angst vor der Polizei, aber auch, dass er sich seinen Privilegien durchaus bewusst sei.

Er schreibt: "Ich entschuldige mich dafür, dass meine gestrigen Kommentare so aussahen, als ob meine Hauptanliegen nicht sei, volle Solidarität mit der Bewegung gegen Polizeigewalt, Rassismus und Ungleichheit zu zeigen." Er entschuldigte sich weiter dafür, dass seine Besorgnis über geplünderte Geschäfte größer zu sein schien als über verlorene Leben – dem sei nicht so.

Und er erklärt, wie die Spende von "gerade mal" 50 US-Dollar zustande gekommen sei: Die sei nämlich Teil einer Spenden-Kette von Freunden gewesen, bei der alle den gleichen Betrag überwiesen hätten. Insgesamt hätte er deutlich mehr, nämlich 20.500 US-Dollar an verschiedene Organisationen gespendet. "Ich werde weiterhin spenden und meine Stimme nutzen", fährt er in seinem Post fort.

Der Vorfall steht exemplarisch dafür, wie angespannt die Stimmung in den sozialen Netzwerken seit George Floyds Tod ist. Und zeigt, dass es gerade wichtiger denn je ist, genau zu überlegen, wie Dinge von Außenstehenden wahrgenommen werden können – aber auch, wie schnell man selbst verurteilt, wenn man nicht die ganze Story kennt.

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Quelle: Noizz.de