Veganes Leder ist gerade in aller Munde. Denn dafür muss kein Tier sterben – deshalb wird es oft als umweltfreundlichere Alternative zu Echtleder angepriesen. So einfach ist die Gleichung aber nicht, denn Kunstleder ist oft Plastik. Welche Materialien sind vegan, umweltbewusst und kommen Echtleder am nächsten?

Jacken, Hosen, Schuhe, Taschen: Kaum ein Material ist so vielseitig – und so tief in unserer Garderobe verankert, wie Leder. Denn mit der robusten Tierhaut schützt sich der Mensch schon seit Tausenden Jahren, es darf also getrost als eines der wichtigsten und ältesten Materialien des menschlichen "Kleiderschranks" bezeichnet werden. Aber der Herstellungsprozess ist umweltbelastend – und lässt sich nur schwer mit einem tierfreundlichen Lebensstil vereinbaren. In einem Zeitalter, in dem sich alles um Nachhaltigkeit dreht, ist das Material deswegen in harte Kritik gekommen.

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Was ist so schlimm an echtem Leder?

Leder ist ein Naturmaterial – klar, ist ja schließlich tote Tierhaut. Weil das organische Material in seinem Ursprungszustand schnell verrotten würde, wird es oft mit vielen toxischen Chemikalien behandelt. In Ländern, in denen viel Leder produziert wird und in denen Umweltauflagen weniger strikt sind als in Deutschland, sind die Folgen katastrophal. In Bangladesch etwa: 90 Prozent der dort arbeitenden Gerbereiarbeiter werden keine 50 Jahre alt. Und der Fluss Buriganga, der durch die Hauptstadt Dhaka fließt, wurde aufgrund von Gerbereiabfällen bereits für biologisch tot erklärt, wie die Autorin Tansy E. Hoskins schreibt.

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Aber nicht nur die Herstellung ist umweltschädlicher als bei pflanzlichen und synthetischen Materialien wie Baumwolle, Polyester oder PU. Auch im Hinblick auf den Klimawandel ist Leder ein Loser: Denn um genug Platz für Rinderfarmen und Futtermittel zu schaffen, wird massenhaft Regenwald zerstört. Und Kühe produzieren – na, wer hat im Bio-Unterricht aufgepasst? – Methan. Die gasförmigen Ausscheidungen der Tiere gelten als 25 Mal gefährlicher als CO2-Abgase. Weitere Treibhausgase bilden sich in Form von Lachgas – durch die massenhafte Gülle der Tiere. Die globale Erwärmung wird dadurch enorm beschleunigt, wie die Tierschutzorganisation PETA zu bedenken gibt.

Symbolbild: Leder

Wo wir schon bei Tierschutz sind: Zusätzlich zu den Umweltschäden und Gefahren für die öffentliche Gesundheit verursachen tierische Materialien wie Leder großes Tierleid – während der Aufzucht, Tötung und dem Transport zum Schlachthof. PETA prangert an, dass Rinder und Schafe für die Produktion von Leder auf wochenlangen Routen, ohne ausreichende Versorgung mit Nahrung und Wasser an den Ort ihrer Schlachtung gekarrt werden. Zum Beispiel von Brasilien bis in den Libanon – weil die Lederproduktion so am günstigsten ist. Die Tiere sind Hitze und Kälte wehrlos ausgesetzt, während sie dicht zusammengedrängt in ihrem eigenen Kot stehen, wie Aufnahmen von Umweltschützer*innen beweisen. Fallen sie zu Boden, können sie von ihren Artgenossen zertrampelt werden. Am Zielort werden sie häufig ohne Betäubung getötet.

Aber daran denken wir natürlich nicht mehr, wenn das Material in Form einer hübschen Tasche im Schaufenster steht – oder wir uns aufgeregt unsere Lieblingssneaker schnüren. Eine bessere Alternative? Echtlederprodukte nur noch Vintage, also aus zweiter Hand kaufen.

Aus was besteht veganes Leder – und ist es wirklich die bessere Alternative?

Für veganes Leder muss, wie der Name ja unschwer erahnen lässt, kein Tier gequält werden oder sterben. Ein wichtiger Schritt in Sachen Ethik also. Ein Umweltsünder ist Fake Leather in vielen Fällen aber trotzdem (noch): Denn viele Kunstlederstoffe werden aus Plastik hergestellt, beispielsweise aus Polyurethan oder PVC – und auch diese verursachen Giftabfälle in der Produktion. Für ihre Herstellung wird Erdöl benutzt – kein nachhaltiger Rohstoff. Bei Klamotten aus synthetischen Materialien wird außerdem bei jedem Waschgang Mikroplastik freigesetzt. Auch das Recycling dieser Materialien ist nicht easy – alles in allem also keine wirklich umweltbewusste Alternative. Deshalb ist es wichtig, bei als "veganes Leder" deklarierten Materialien besonders genau darauf zu achten, aus was sie wirklich bestehen.

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Diese Leder-Alternative sehen täuschend echt aus – bestehen aber aus Kaktus oder Pilzen

Neue vegane Lederimitate sind nachhaltiger als PVC oder Polyurethan, robuster und setzen in ihrer Herstellung weniger bis keine toxischen Stoffe mehr frei, weil sie aus pflanzlichen Materialien gewonnen werden. Innovative Alternativen zu Kunstleder, das zu 100 Prozent aus Plastik besteht, sind zum Beispiel Leder aus Pilzen oder Algen, Ananas-Leder oder Kaktus-Leder.

Doch auch bei ihnen gibt es Unterschiede, was die Nachhaltigkeit angeht: Ananas-Leder lässt sich zwar aus Pflanzenblättern herstellen, die für gewöhnlich bei der Ernte der Früchte übrig bleiben. Das Naturleder wird schon seit ein paar Jahren erfolgreich unter dem Namen Piñatex vertrieben. Das Problem: Piñatex ist derzeit noch nicht biologisch abbaubar, weil den Ananasblättern Harze auf Erdölbasis beigesetzt werden müssen.

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Die Idee, aus Kakteen Leder zu machen, ist dagegen neuer – und nachhaltiger: Es wird beispielsweise von der mexikanischen Brand Desserto produziert. Im September 2019 haben die beiden Gründer Adrián López Velarde und Marte Cázarez ihr Kaktusleder das erste Mal vorgestellt – und sofort tosenden Beifall erhalten. Das Gute an der grünen Wunderpflanze: Kakteen brauchen nur wenig Wasser und müssen nicht mit toxischen Pflanzenschutzmitteln behandelt werden – ein wichtiger Aspekt in Sachen Nachhaltigkeit.

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Auch Pilz-Leder ist vielversprechend: Mehrere Unternehmen forschen an dem organischen Material, das komplett kompostierbar ist und keinen Abfall hinterlässt.

Das Problem bei diesen Kunstleder-Alternativen: Ihre Entwicklung steckt oft noch in den Kinderschuhen, die Forschung ist aufwendig, die Materialien dadurch teurer als herkömmliches Kunstleder oder Echtleder. Und Menschen? Sind verwöhnt, was das Überangebot an günstiger Kleidung angeht. Richtig gutes "Kunstleder", das tatsächlich aus abbaubaren Materialien besteht, wird in der Zukunft immer wichtiger werden – dafür muss man allerdings als Verbraucher*in erst mal etwas tiefer in die Tasche greifen, als für den 9,99-Plastikschuh von großen Fast-Fashion-Marken.

Damit solche Stoffe langfristig zu einer echten Alternative werden können, ist es deshalb wichtig, sich für solche Materialien zu interessieren, achtsamer zu konsumieren und lieber für ein gutes Kleidungsstück etwas mehr auszugeben, als weiter billige, dafür schlechte Materialien zu tragen denn ohne Nachfrage kein Angebot.

Stella McCartney und Rihanna: So beliebt ist veganes Leder jetzt schon

Aber es gibt gute Nachrichten: Die Nachfrage nach veganem Leder wird immer größer. Gerade erst hat die Modesuchmaschine Lyst das Shoppingverhalten von mehr als 104 Millionen Menschen ausgewertet – und die Erhebung zeigt: Suchen nach "veganem Leder" sind um rasante 69 Prozent gestiegen – Suchanfragen nach Echtlederprodukten sind dagegen im vergangenen Jahr schon ein bisschen gesunken.

Deutschland ist übrigens einer der Vorreiter, was das Interesse an nachhaltiger Mode angeht. Nur in Australien und Dänemark sind noch mehr Menschen an Fair Fashion interessiert. Die meisten Suchanfragen zu dem Thema kommen, wer hätte es gedacht, aus Berlin, wo unter anderem besonders häufig nach Kunstpelzmänteln und veganen Lederjacken gesucht wird. Besonders gefragt sind nachhaltige Sneaker.

Veganer Sneaker von Stella McCartney

Liebling der Green-Fashion-Jünger ist ein Unisex-Sneaker der nachhaltigen Schuhmarke Veja. Aber auch der vegane Eclypse Sneaker von Stella McCartney ist megabeliebt. Zu verdanken hat er das Taylor Swift: Nach einem Auftritt im vergangenen Jahr, bei dem die Sängerin den Schuh trug, stieg die Anfrage nach dem Schuh innerhalb 48 Stunden stark an. Die Designerin Stella McCartney ist schon seit Jahren eine Verfechterin von nachhaltiger Mode. Materialien tierischen Ursprungs kommen ihr von Anfang an nicht in die Tüte.

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Zum Glück ist sie aber lange nicht mehr die Einzige, die Wert darauf legt, die Ledernutzung in der Mode nach und nach weiter runterzufahren – auch Rihanna tut ihren Teil. Für eine aktuelle Kollektion ihres Luxuslabels Fenty hat sie nur veganes Leder benutzt – und zeigt damit, wie wertig und schön Kleidungsstücke aus dem Material sein können.

>> Rihanna setzt bei Fenty für ihre Luxuskollektion jetzt auf veganes Leder

  • Quelle:
  • Noizz.de