Okkulte Symbole und vegane Farbe – so tätowiert Vicky aus Kassel.

Alle 14 Tage wollen wir euch in unserem "Tattoo Talk" inspirierende Künstler vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen. Für unseren 20. Tattoo Talk (!) haben wir uns mit Effy Blxck unterhalten, die wunderbar düstere Motive "zaubert". Effy heißt eigentlich Vicky, ist 27 Jahre alt und tätowiert in Kassel, im Studio "Hautnah". Wir haben uns mit der kreativen Tätowiererin über vegane Tattoos, Schamanismus und tote Haustiere unterhalten.

Effy Blxck Foto: Noizz.de

NOIZZ: Vicky, wie würdest du deinen Stil selbst in drei Worten beschreiben?

Vicky: Okkult, feral, morbid.

Woher kommt deine Liebe zum Düsteren?

 Der Hang zum Morbiden war schon immer da, sei es durch mein Geschmack in Büchern und Filmen oder durch die Gothic-Bewegung. Ich bin auch immer auf der Suche nach Verrücktem und nach Kuriositäten, die ich in meine Arbeit einfließen lassen kann. Außerdem spielen Schamanismus und Wicca eine große Rolle in meinem Leben – sich damit zu beschäftigen, ist wie eine kleine Reise, die niemals endet. Man findet viel Inspiration in diesen Themen.

Auf welche Weise beeinflussen Schamanismus und Wicca deinen Alltag?

Ich fühle mich stark mit der Natur verbunden, feiere die Jahreskreisfeste mit verschiedenen Ritualen und arbeite mit Runen, Tarotkarten und Räucherwerk. Ich mache momentan eine zweijährige Ausbildung bei einer tollen Schamanin – weil ich noch viel mehr darüber lernen will und mich nicht mit Halbwissen zufriedengeben möchte. Es geht dabei vor allem um Selbstreflektion und darum, mit sich selbst und der Natur im Einklang zu sein. Mein Verlobter und ich wollen auch mit einer schamanischen Zeremonie heiraten. 

Prägt das auch deinen Tätowierstil und die Motivwahl?

Ich steche viel morbiden Kram, mit okkulten Elementen und Symbolen, aber auch viele Tiere und Florales. Motive, die bei mir immer wiederkehren, sind Raben, Katzen und Figuren aus verschiedenen Mythologien. Das sind Motive, mit denen ich mich auch selbst identifizieren kann. Ein wiederkehrendes Element dabei ist wohl, dass die meisten Tiere und Figuren weiße oder gar keine Augen haben. Ich denke, das verleiht dem Tattoo mehr Ausdruck, als es Augen tun würden – es hat etwas Seelenloses.

Du tätowierst außerdem vegan. Warum?

Ich lebe seit 15 Jahren vegetarisch und seit ungefähr vier Jahren vegan. Das Vegan-Sein beschränkt sich dabei nicht nur auf das Essen, es beeinflusst den gesamten Alltag. Also zum Beispiel auch, welche Kosmetik und Kleidung ich nutze und trage. Dieser bewusste Lebensstil ist ein ganz persönliches Anliegen von mir. Heutzutage ist das Angebot an veganen Utensilien – zum Glück – viel größer als früher, was uns Tätowierern die Chance gibt, nach diesen Prinzipien zu arbeiten.

Was muss man als veganer Tätowierer – neben der Wahl der Farben – noch beachten?

Wichtig sind die Verbrauchsmaterialien, zum Beispiel die Handschuhe. In einigen ist Lanolin (Wollwachs, Anm. d. Red.) enthalten, die fallen für mich dann direkt raus. Außerdem muss man bei allem, was flüssig ist und auf die Haut aufgetragen wird – wie Desinfektion oder Abzugsflüssigkeiten zum Anbringen des Stencils – vorsichtig sein. Denn diese Produkte werden oft an Tieren getestet. Es gibt aber schon einige Anbieter, die sich auf vegane Arbeitsmaterialien spezialisiert haben – auf deren Produkte greife ich gerne zurück.  

Siehst du eine steigende Nachfrage bezüglich veganer Tattoos?

Ja, tatsächlich! Mittlerweile fragen einige Kunden danach! Man merkt, dass die Menschen viel bewusster mit diesem Thema umgehen und sich mehr damit auseinandersetzen. 

Wer sind deine Kunden? 

Meine Kunden sind tolle Menschen! Mittlerweile sind es oft Leute, die die Liebe zu den gleichen Dingen wie ich teilen. Ich mag es, wenn Menschen aus der Norm schlagen. Menschen, die vielleicht keinen konventionellen Weg gehen – dann ist man meist direkt auf einer Wellenlänge. Tatsächlich haben sich daraus auch schon viele Freundschaften entwickelt. 

Was waren bisher die bizarrsten Tattoo-Requests?

Die kommen immer wieder von Männern, die ausdrücklich betonen, dass sie nur von einer Frau tätowiert werden wollen und das am besten noch im Intimbereich - nein danke.

Und welche Anfragen sind für dich am bewegendsten?

Was mich persönlich immer sehr berührt sind die Reaktionen von Kunden, die sich verstorbene Haustiere tätowieren lassen. Wenn sie das fertige Tattoo dann im Spiegel sehen und anfangen zu weinen nimmt mich das schon mit.

Was war dein erstes Tattoo und welche Bedeutung hat es für dich?

Das war die Chipnummer meiner Katze, die mich schon mein Leben lang begleitet. Das Tattoo wollte ich seit meinem 14. Lebensjahr haben, ich habe es mir dann direkt nach meinem 18. Geburtstag stechen lassen.

Foto: Noizz.de

Gibt es Motive, die du niemals tätowieren würdest?

Natürlich nichts, was in Richtung politischem oder religiösem Extremismus geht. Ansonsten finde ich Trend-Tattoos wie Unendlichkeitsschleifen und Pusteblumen ganz furchtbar. Das wird leider immer noch gewünscht, aber ich appelliere dann an die Menschen, sich etwas Besseres einfallen zu lassen.

Wenn ich heute keine Tattoo-Künstlerin wäre, würde ich …

...wahrscheinlich irgendwas machen, mit dem ich absolut nicht glücklich wäre. 

Was treibt dich an? 

Definitiv die Liebe zur Kunst! Und die Aussicht, später mal einen Gnadenhof zu haben, um dort Tieren, die keiner mehr will, ein Zuhause zu bieten. Das wäre mein Wunsch.  

Was steht noch auf deiner Bucket-List?

Ich würde gerne mehr große Projekte angehen, darauf arbeite ich jetzt hin. Zudem will ich meinen Stil weiter entwickeln, Guestspots annehmen und mehr von der Welt sehen. Ich kann mir vorstellen, für Guestspots weiter in den Norden zu reisen, also nach Schweden, Norwegen, Finnland, am liebsten jedoch nach Island. Auch England kommt in Frage, da bin ich super gerne. Eine Reise nach Salem, Massachusetts, steht definitiv auch auf der Liste, dort im “Black Veil Tattoo Studio“ würde ich mich, glaube ich, ganz gut aufgehoben fühlen. Vielleicht verschlägt es mich ja irgendwann zu einem dieser Ziele. Ich würde mir auch gern etwas mehr Zeit zum Malen nehmen, weil das in den letzten Jahren leider neben dem Tätowieren viel zu kurz kam. 

Wem gibst du Props?

@thelifeofnils 

Hier könnt ihr noch ein paar wunderbare Tattoos von Vicky auschecken:

Quelle: Noizz.de