Dämonen, Teufel, gepimpte Ralph-Lauren-Hoodies, willkommen bei Toni.

Alle 14 Tage wollen wir euch in unserem Tattoo Talk Künstler*innen vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen.

Dieses Mal habe ich mich mit Toni Vez von "Future Berlin" unterhalten, einem der krassesten Tattoo-Kollektive Berlins. Dafür bin ich den 30-jährigen Italiener an einem Montagabend in seinem Studio in Berlin Mitte besuchen gegangen.

Tür auf, statt dem typischen Nadelsirren schallt die Stimme Yolandi Vissers durch das verwinkelte Studio. Die Jungs haben schon Feierabend, Toni zeigt mir den Raum, in dem er tätowiert. An der Wand hängen Stencils seiner unverkennbaren Tattoos: Dicke Linien, Motive so klar und präzise, dass die Symbole genauso easy in jeder anderen Kunst- oder Designform funktionieren würden. Während seine Kollegen eher im Ignorant-Stil arbeiten , fallen Tonis Tattoos in die Sparte solides Blackwork.

NOIZZ: Toni, wie würdest du deinen Stil selbst in wenigen Worten beschreiben?

Toni: The Future is Now.

Was sind wiederkehrende Elemente deiner Arbeit?

Toni: Dämonen, Teufel, antike Vasen.

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Wie und warum hast du mit dem Tätowieren angefangen?

Toni: Es wollten sich schon Leute von mir tätowieren lassen, als ich das noch gar nicht professionell gemacht habe. Ich glaube, das haben sozusagen andere für mich entschieden. Als ich nach Berlin gezogen bin, habe ich einfach bei mir zuhause in der Küche angefangen und es mir nach und nach selbst beigebracht.

Und wie bist du zu deinem einzigartigen Stil gekommen? Wenn man eines deiner Motive sieht, erkennt man sofort deine individuelle Handschrift.

Toni: Ich habe mich schon immer von meinen Träumen inspirieren lassen und war schon als Kind superkreativ. Mein Stil ist durch mein Interesse an Musik, Illustration, Design und Underground-Kultur geprägt. Als ich angefangen habe zu tätowieren, hatte ich schon eine ganz klare Vision, wie meine Motive aussehen sollen, mein Stil war schon ausgeprägt. Ich musste einfach nur noch lernen, wie ich mit den Nadeln umzugehen habe.

Welche Tattoo-Requests bewegen dich?

Toni: Ich bin jedem einzelnen meiner Kunden dankbar, ich mache keinen Unterschied zwischen den einzelnen Tattoo-Anfragen. Außerdem sind meine Tattoos ja immer Projektionsfläche für das, was meine Kunden dann darin sehen. Ich liefere die Vorlage, sie die Bedeutung.

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Was treibt dich an?

Toni: Mein zweijähriger Sohn. Wegen ihm habe ich die letzten beiden Jahre auch nur wenige bis gar keine Guestspots angenommen, jetzt reise ich durchschnittlich alle drei Monate als Gasttätowierer rum. Ich gehe oft zurück nach Italien, um dort zu tätowierten. Zurück zu den Wurzeln, weißt du? Ich komme ursprünglich aus Bologna. Im Februar bin ich zum Beispiel für ein paar Tagen in London und im März in Zürich. In New York war ich auch schon, das war auch krass, weil es immer mein Traum war, die Stadt mal zu sehen.

Was ist das Härteste an deinem Job?

Toni: Was das Härteste an meinem Job ist? Kunst ist mein Leben und das Leben ist nun mal hart.

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Und das Beste?

Toni: Kostenlose Tattoos von Kollegen! Mein Letztes habe ich von Victortattoozz bekommen, der auch hier bei "Future Berlin" tätowiert: Ein Teeservice auf meinem Knie, dazu den Spruch "Tea with friends."

Was war das Krasseste, was dir bisher aufgrund des Tätowierens passiert ist?

Toni: Weiß ich gar nicht. Aber neulich habe ich den Sänger der Heavy Hardcore Band "Terror" tätowiert, deren Musik habe ich früher gern gehört. Es hat mich richtig gefreut, dass er ein Tattoo von mir haben wollte, ich habe ihm einen Teufel gestochen, der auf einem Auge sitzt. Ein anderes Mal bin ich in den Berliner Club "Musik und Frieden" gefahren, weil der britische Rapper Scarlxrd dort einen Gig hatte – er und seine Freundin haben sich im Anschluss im Backstagebereich von mir tätowieren lassen.

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Wenn ich heute kein Tattoo-Künstler wäre, wäre ich …

Toni: Wenn ich nicht tätowieren würde, wäre ich Musiker. Ich habe früher auch immer wieder in Bands gespielt. Aber immer nur kleine Gigs, an denen man nicht wirklich etwas verdient hat. Das war mit 20 okay, aber nicht mehr mit 30.

Gibt es etwas, das du an der Tattoo-Szene kritisch siehst?

Toni: Ich konzentriere mich wirklich nur auf mich und meine Familie, folge meiner Vision und meinen eigenen Regeln. Ich fühle mich nicht als Teil einer Tattoo-Community oder Tattoo-Szene.

Was würdest du niemals tätowieren?

Toni: Ich würde niemals die Designs anderer Tattoo-Artists stechen.

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Was war dein erstes Tattoo und welche Bedeutung hat es für dich?

Toni: In dem Dorf, in dem ich als Teenager gewohnt habe, gab es keinen Tattoo-Shop. Ich bin also zu dem nächstbesten Tätowierer gefahren, in einer etwas größeren Stadt ein paar Kilometer weiter. Ich war damals erst 17 Jahre alt und der Typ wollte mich natürlich nicht ohne die Einwilligung meiner Eltern tätowieren. Ein paar Monate nach meinem 18. Geburtstag bin ich dann nochmal zu ihm gefahren und habe mir einen Affen aufs Bein stechen lassen. Das Motiv war so scheiße, dass ich es mir ein paar Jahre später selbst mit einem Dämon überstochen habe.

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Und das Erste, das du je selbst gestochen hast?

Toni: Das war bei einem Kumpel zuhause, am Abend bevor er in die USA gezogen ist. Wir haben eine alte Tattoomaschine im Zimmer seines Mitbewohners gefunden. Ich habe ihm "tieni botta" auf sein Bein gestochen. Richtig angefangen zu tätowieren habe ich aber erst sieben Jahre später.

Wie viele Tattoos machst du so in der Woche?

Toni: Hier in Berlin steche ich nur eins pro Tag, wenn ich unterwegs bin auch mal drei oder vier. Aber lieber weniger und dafür entspannter, sonst stresst man sich bei den einzelnen Terminen und das will ich nicht.

Toni trägt während des Interviews einen bunten Batik-Hoodie, die rechte Brustseite ziert ein kleiner Polo-Spieler, das unverkennbare Logo von Ralph Lauren, die linke Seite eines seiner Vasen-Motive.

Toni, du hast einen krassen Pullover an, hast du den selbst gemacht?

Toni: Danke! Ja, ich kaufe Ralph-Lauren-Pullover und färbe sie selbst um, bemale oder bedrucke sie. Ich arbeite gerade an meiner eigenen Klamottenlinie, die ich demnächst vielleicht auch online anbieten will.

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Was steht noch auf deiner Bucket-List?

Toni: Deutsch lernen.

Wem gibts du Props?

Toni: Alle Beteiligten von "Future Berlin" sind wie Brüder und Schwestern für mich. Checkt unser Instagram aus, um die ganzen großartigen Künstler und Künstlerinnen zu sehen, die in unserem Shop tätowieren.

>> Tattoo Talk #29 mit Ninimalismo aus Berlin

  • Quelle:
  • Noizz.de