Tattoo Talk #12 mit Ina Bär

Katharina Kunath

Tattoos, Mode & Kultur
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Ina Bär, Illustration Kira Wirth Foto: Ina Bär / Ina Bär

Queer-feministische Tattoos made in Berlin!

Alle 14 Tage wollen wir euch in unserem „Tattoo Talk“ inspirierende Tattoo-Artists vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen!

Heute mit Ina Bär, auf deren freche, illustrativen Tattoos wir schon länger ein Auge werfen, denn die 36-Jährige schafft mit ihren Motiven die perfekte Mischung aus Humor, grafischer Verspieltheit und klarer Ansage. Falls sie nicht gerade für Guestspots unterwegs ist, findet ihr sie im Berliner Studio „Tttrip Tattoo“.

NOIZZ: Ina, wie bist du zum Tätowieren gekommen?

Ina: Als gelernte Grafik-Designerin war ich schon immer sehr affin, was Typo- und Kalligrafie anging. 2003 habe ich Yann Black‘s Tattookunst entdeckt und war sehr inspiriert von seiner – zu dieser Zeit – neuen, experimentelleren Art. Grafisch und verspielt, das hat mich angesprochen.

2007 habe ich mein erstes Tattoo bei ihm stechen lassen und war danach mehrmals bei ihm. Als er mir schließlich eines meiner eigenen Designs tätowiert hat, wollte ich das selbst ausprobieren – das war 2008 oder 2009. Es hat dann noch mehrere Jahre gedauert bis ich mich fest dazu entschlossen habe, hauptberuflich zu tätowieren.

Wie würdest du deinen Tattoostil beschreiben?

Ina: Grafisch, verspielt und direkt. Mein Stil war schon immer sehr prägnant. Ich liebe die Kombination von Illustrationen mit Schrift. Aber auch Textblöcke so zu gestalten, dass sie in meinen Augen ein Bild ergeben macht mir unheimlich Spaß. Und ich freue mich immer, wenn ich queer feministische Empowering-Tattoos stechen darf.

Das Schönste am Tätowieren ist …

Ina: So viele unterschiedliche Menschen zu treffen und ihnen, in Form eines Tattoos, einen Teil von mir mitzugeben. Ich habe lange in der Gastronomie gearbeitet, auch dort hat es mir immer Spaß gemacht, Menschen zu treffen. Beim Tätowieren kann ich meine Kreativität und den sozialen Aspekt perfekt verbinden.

Warum hast du angefangen zu Tätowieren?

Ina: Weil ich das Gefühl hatte, dass es da draußen nicht so viele Tätowierer*innen gibt, die in der Form Schriften gestalten, wie ich es tue.

Was war dein skurrilstes Tattoo-Request?

Ina: Ich wurde mal für ein Cover-Up angefragt, bei dem die Person etwas sehr Organisches, am besten bunt Ausgefülltes mit Schattierungen wollte. Davor hatte sie mir noch geschrieben, wie sehr sie meinen Stil liebe. Ich wusste nicht genau, ob sie mein Profil überhaupt angeschaut hat, weil ich in meinen Arbeiten keiner dieser drei Stilrichtungen erfülle. Ich war ehrlich und habe gesagt, dass ich nicht die richtige Person dafür bin.

Gab es ein Tattoo-Request, das dich besonders berührt hat?

Ina: Ich genieße Verbindungen, die Menschen zusammenbringen und die dadurch bei mir im Studio landen. Einmal kam eine Filmemacherin aus Philadelphia, um sich ein Tattoo von mir stechen zu lassen, während sie für ihre Filmvorführung in Berlin war. Wir wurden durch eine gemeinsame Freundin aus Montreal miteinander verbunden. Das Tattoo, das sie ausgewählt hatte, war sehr persönlich und hatte eine tiefe Verbindung mit ihrem Film.

Was treibt dich an?

Ina: Politisches Engagement, die Queer-Community, Musik und Popkultur und intersektionaler Feminismus.

Was würdest du niemals stechen?

Ina: Rassistische, homophobe, sexistische, anti-semitische, transphobe Symbole oder Codes ... und alles, was in diese Richtung geht.

Und was würdest du dir selbst niemals stechen lassen?

Ina: Nichts, was in die Kategorie „Cultural Appropriation“ fällt, denn ich habe als weiße Person bestimmte Privilegien, deren ich mir bewusst bin.

Was hast du für das Tätowieren riskiert?

Ina: Es fühlt sich nicht so an, als ob ich etwas riskiert hätte. Ich liebe meinen Beruf und bin sehr glücklich, dass ich zum Tätowieren gekommen bin. Ich wollte seit der fünften Klasse Grafikerin werden und konnte mir nie einen anderen Beruf vorstellen. Klar, als Selbständige lebt man immer mit einem gewissen Risiko. Aber ich habe schon immer nach der Devise gelebt: Es wird schon irgendwie klappen.

Was nervt dich an der Community am meisten?

Ina: Ich denke in der Community gibt es ein großes Konkurrenzdenken, wobei ich bei den meisten Tätowierer*innen die ich bisher kennenlernen durfte, nicht die Erfahrung gemacht habe. Generell bin sehr dankbar für die queere Tattoo-Community, mit der ich mich sehr verbunden fühle.

Was macht die queere Tattoo-Community für dich aus?

Ina: Unsere Welt ist voller Vorurteile, die das Leben und die soziale Realität jeder Person beeinflussen. Vielleicht ist es genau das, was ich in der Queer Community erlösend finde. Viele Menschen in der Community wurden mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert und dadurch entsteht ein offener Dialog über Machtstrukturen und ein Bewusstsein wie mit Vorurteilen umgegangen wird.

Was war dein erstes Tattoo?

Dieses Band am Oberarm.

Foto: Ina Bär / Ina Bär

Und wie sah das erste Tattoo aus, das du gestochen hast?

Diesen Schriftzug.

Foto: Ina Bär / Ina Bär

Ist Berlin ein guter Ort, um zu Tätowieren?

Ina: Berlin ist in jedem Fall ein Ort, wo viele unterschiedliche Menschen leben und zu Besuch kommen. In Berlin gibt es eine große Community queerer Tattoo-Artists, die sich gegenseitig unterstützen.

Wenn ich heute kein Tattoo-Künstler wäre, wäre ich

Ina: ... höchstwahrscheinlich als Grafikerin angestellt oder selbstständig. Vielleicht hätte ich mittlerweile auch ein Café oder Restaurant aufgemacht, das wollten meine Freunde immer.

Was ist das Härteste an deinem Job?

Ina: Nicht immer zu wissen, ob jeden Monat genug Aufträge reinkommen. Die Wintermonate sind generell etwas ruhiger und es kommen weniger Aufträge rein als im Sommer. Wobei die kalte Jahreszeit für die Heilung des Tattoos besser wäre – aber im Sommer sehen die Leute natürlich mehr nackte Haut und wollen das Tattoo zeigen.

Was steht noch auf deiner Bucket-List?

Ina: Eine Bucket-List hab ich nicht wirklich, es gibt aber einige Tätowierer*innen, von denen ich noch sehr gerne ein Tattoo möchte. Auf jeden Fall von @blaabad aus Portland und @charlinebataille aus Montréal. Von ihr habe ich schon eins aber: I need more!

Diesen Kollegen gebe ich Props:

Ina: My Babe @julimrosa – so viel Power und Passion (lova you!). My Boy @florianhirnhack für die große Unterstützung und alles, alles, alles (love ya baby). @zid.visions, tolle Person, tolle handpoke Tattoos, amazing friend. @brodypolinsky und ich haben uns durch einen unglücklichen Umstand kennengelernt und angefreundet, er hat mir viel geholfen. @____lin________, auch ein toller Mensch und ich vermisse unsere Musikgespräche. Props to my queer fam out there!

Hier könnt ihr weitere Tattoos von Ina auschecken:

Quelle: Noizz.de

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