Ninimalismo setzt beim Tätowieren auf Magie.

Alle 14 Tage wollen wir euch in unserem Tattoo Talk Künstler vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen.

Heute haben wir für euch Tattookünstlerin Ninimalismo interviewt. Die 34-Jährige ist in einer kleinen Stadt im Süden Brasiliens aufgewachsen und hat 13 Jahre in São Paulo gelebt, bevor sie den Sprung nach Europa wagte. Heute lebt Nina, wie Ninimalismo eigentlich heißt, in Berlin, dort arbeitet sie im Tattoostudio Unikat. Sie sticht Motive, die sie selbst als magisch beschreibt. Wir haben uns mit ihr über ihre ungewöhnliche Tätowierweise unterhalten, über Liebe und Selbstzweifel.

Ninimalismo

NOIZZ: Nina, wie bist du zum Tätowieren gekommen?

Nina: Die Idee kam mir, nachdem ich drei Monate in einem Ashram in Indien verbracht hatte. Ich bin im Anschluss nach Italien gereist und hatte viel Zeit, um mein Leben zu reflektieren. Nach São Paulo wollte ich nicht mehr, obwohl ich da ein schönes Leben hatte. Aber ich habe zwölf Jahre lang als Textildesignerin gearbeitet, die meiste Zeit davon in großen Unternehmen. Auf Dauer waren mir die starren Nine-to-Five-Arbeitszeiten zu ermüdend, ich war auf der Suche nach einer Challenge – sowohl als Mensch als auch als Künstlerin. Ich habe in der Vergangenheit viele meiner eigenen Tattoos gezeichnet und auch für Freunde Motive gemalt, aber sie nie selbst gestochen – deswegen hatte ich die Idee, das Tätowieren auszuprobieren.

Wie würdest du deinen Stil selbst mit drei Worten beschreiben?

Nina: Liebe, Licht und Verbundenheit.

Deine Art zu tätowieren ist sehr besonders. Wie läuft der Prozess des Kennenlernens, der Motivauswahl und des Stechens ab?

Nina: Ich versuche, Kunst und Spiritualität durch das Tätowieren von Symbolen zu erforschen. Sie sind die Sprache des Unterbewusstseins, das die Quelle der Kreativität, Intuition, Inspiration, des inneren Wissens und der Spiritualität ist. Basierend auf der Lebensgeschichte meines Klienten schaffe ich durch meine Interpretation ein Symbol, das all das beinhaltet. Es trägt eine Bedeutung, die größer ist als nur die Ästhetik oder Form des Symbols. Es wird immer etwas Positives für den Menschen bedeuten, der es trägt, und diese positive Energie auch auf diejenigen, die es sehen, ausstrahlen.

Deine Kunden sehen das fertige Design erst, kurz bevor du es ihnen stichst, warum?

Nina: Früher habe ich die Motive noch verschickt. Oft wurde mir dann aber einfach kurz vor dem Termin abgesagt, deswegen habe ich damit aufgehört.

Was macht deine Symbole "magisch"?

Nina: Sie sind magisch, weil sie den Einzelnen dazu bringen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Ich bitte meine Kunden immer zu meditieren, bevor sie mir ihre Tattoo-Wünsche mitteilen, damit die Absicht hinter dem Motiv aufrichtiger und klarer wird. Ich bin das schaffende Werkzeug, das ihren Wunsch, sich mit sich selbst zu verbinden, erfüllt. Magie ist Intention, ist die Verbindung zu uns selbst, ist die Bedeutung, die wir den Symbolen geben – ist, an sie zu glauben.

Wie würdest du Magie definieren?

Nina: Als etwas, an das du glaubst, das du aber nicht beweisen oder erklären kannst, weil es zu subjektiv ist. Es ist der Glaube an dich selbst, an andere, an die Möglichkeit, dich mit deinem wahren Sein zu verbinden.

Wie bist du auf deine magische Spezialisierung gekommen?

Nina: Ein Freund hat mich mehr oder weniger zu den magischen Symbolen gebracht, er hat mir diese Welt gezeigt und ich bin ihr gleich verfallen. Nachdem ich ihm mein erstes magisches Symbol gestochen habe, wusste ich, dass das mein Projekt als Tätowiererin werden würde.

Was treibt dich an?

Nina: Glaube, Liebe und Fürsorge, in allem was ich tue.

Was war dein bisher seltsamstes Tattoo-Request?

Nina: Ich glaube, eine richtig seltsame Anfrage kam noch nie – darauf warte ich noch! Das Ungewöhnlichste war bisher ein Gesichtstattoo.

Und welches das bisher Bewegendste?

Nina: Da kann ich mich gar nicht entscheiden. Alle Tattoos, die ich mache, sind bewegend für mich. Manchmal ist die Verbindung zu bestimmten Kunden stärker, aber das heißt nicht, dass die, mit denen ich mich weniger verbunden fühle, weniger besonders sind. Jeder Mensch ist anders, ich versuche, jeden zu verstehen und aus diesen menschlichen Unterschieden zu lernen. Ich bin sehr dankbar für alle, die sich von mir haben tätowieren lassen – und alle die noch kommen!

Wo findest du Inspiration?

Nina: In der Natur, auf Textilien, durch Architektur, Kunst und Menschen. Wenn du kreativ bist, kannst du überall Inspiration finden.

Gibt es Motive, die du niemals stechen würdest?

Nina: Alles, was ich selbst nicht schön oder passend für den Körper finde, auf den es tätowiert werden soll. Ich bin fest überzeugt, dass wir beide, Kunde und ich, glücklich mit dem Endergebnis, also dem Design, der Größe und Platzierung, sein müssen. Sonst macht das einfach gar keinen Sinn. Wir müssen zusammen das Gefühl haben, dass es die beste Wahl für uns beide ist.

Wenn ich heute keine Tattoo-Künstlerin wäre, wäre ich ...

Nina: Keine Ahnung! Ich habe ja eh schon lange gebraucht, um einen zweiten Karriereweg einzuschlagen. Aber es wäre sicherlich irgendetwas im Bereich Kunst, Design oder Illustration.

Was ist das Härteste am Tätowieren?

Nina: Für mich persönlich ist es die Selbstkritik. Selbstkritisch zu sein, hilft einem dabei, besser zu werden und zu wachsen. Gleichzeitig fühlt man sich als selbstkritischer Mensch auch schnell sehr schlecht, wenn man das Gefühl hat, nicht das Beste zu geben. Ich verändere die Haut einer Person für den Rest ihrer Lebenszeit. Ich fühle mich extrem verantwortlich, einen wirklich guten Job zu machen, sowohl im Designprozess als auch handwerklich. Offiziell tätowiere ich jetzt ja auch gerade einmal seit einem Jahr, deshalb habe ich innerlich einen großen Druck, mich von Mal zu Mal weiterzuentwickeln und bei jedem Tattoo das Beste zu geben.

Hast du etwas für das Tätowieren riskiert?

Nina: Alles, was man neu aus dem Boden stampft, birgt ein gewisses Risiko – vor allem, wenn man schon eine solide Karriere hat oder einen gewissen Lifestyle fährt. Aber ich würde nichts anders machen.

Was steht noch auf deiner Bucket-List?

Nina: Ich will unbedingt mal nach Französisch-Polynesien!

Diesen Kollegen gebe ich Props:

Nina: Da gibt es so viele! brusimoes, taticomptonkubrickgood, sh.d.tattooryanjessimanmirjafenrisjohno_tattooer, hellojacquelinemay, tritoan_7th, fksegismundo, hala.chaya – ich könnte ewig weitermachen.

Wenn ihr ein Tattoo bei Ninimalismo anfragt, denkt bitte daran, ihr auf Englisch zu schreiben. Auch dieses Interview wurde auf Englisch geführt und wurde im Anschluss von unserer Autorin übersetzt.

Folge Katharina auf Instagram, Tattoo Talk auf Instagram und NOIZZ auf Facebook und Instagram.

Quelle: Noizz.de