Düster, düsterer, am düstersten: Blackwork made in Bielefeld.

Alle 14 Tage wollen wir euch in unserem „Tattoo Talk“ inspirierende Künstler vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen! Dieses Mal haben wir uns mit Tätowierer Edgar Lanz unterhalten. Gebürtig aus Kasachstan und in Bayern aufgewachsen, lebt der 30-Jährige seit elf Jahren in Bielefeld. Wer eines seiner dunklen, kontrastreichen Motive unter die Haut gestochen haben will, findet ihn dort im „Halunken“ Studio.

Bildschirmfoto 2019-01-16 um 10.54.55 Foto: Edgar Lanz

NOIZZ: Ed, wie hat deine Karriere ihren Lauf genommen?

Ed: Mein Interesse für Tattoos hat sich schon früh entwickelt. Und als ich mich mit 20 Jahren das erste Mal tätowieren ließ, ging es richtig los: Ich war damals noch Industriemechaniker-Azubi, an den Wochenenden habe ich als Shopguy in einem Tattoostudio gearbeitet.

Während meines Maschinenbau-Studiums habe ich mir dann zu Hause einen Tattoo-Raum eingerichtet – wovon ich jetzt allen abraten würde. Ich habe gut neun Monate rumprobiert, bis ich mich endlich getraut habe, mich in einem richtigen Studio vorzustellen.

So bin ich dann zu „Da Silva Tattoo“ gekommen – für die Chance bin ich Roberto Dasilva für immer dankbar.

Warum hast du angefangen, zu tätowieren?

Ed: Weil mich mein Maschinenbaustudium genervt hat. Nein, Quatsch. Ich war angefixt und wollte das Handwerk unbedingt lernen. Ich dachte mir damals schon, dass Tätowierer ihren Traum leben. Das wollte ich auch.

Was ist das Schönste am Tätowieren?

Ed: Jeden Tag das zu machen, was ich am meisten liebe. Mit meinen besten Freunden zusammenarbeiten zu können. Andere Menschen glücklich zu machen. Meine Familie unterstützen zu können. Ich sein zu können. Für mich ist mein Beruf der schönste Job der Welt.

Was war dein seltsamstes Tattoo-Request?

Ed: Das kam von einem Typen, der bis dato noch gar keine Tattoos hatte. Er wollte das Joker-Lächeln ins Gesicht tätowiert bekommen – so wie Heath Ledger es in „The Dark Knight“ trägt. Ich habe das natürlich abgelehnt.

Und welche Anfrage hat dir besonders gut gefallen? 

Ed: Besonders viel Spaß machen mir großflächige Motive. Da ist am Ende auch immer etwas Wehmut dabei, wenn so ein langwieriges Projekt abgeschlossen ist. Das letzte, das ich ziemlich cool fand, war ein riesiger Schädel im Negativ auf dem Rücken eines Kunden. Das haben wir einfach mal in vier Sitzungen durchgezogen – und das war 'ne Menge Schwarz.

Was würdest du niemals stechen?

Ed: Tattoos, die nicht funktionieren. Ein Tattoo sollte auch in mehr als fünf Jahren noch erkennbar sein – und nicht nur in dem Moment gut aussehen, in dem es frisch gestochen wurde. Ansonsten natürlich keine politisch inkorrekten Motive.

Und was würdest du dir selbst niemals stechen lassen? 

Ed: Schwierig. Man kann nämlich auch viele Trends und auch bescheuerte Sachen lustig verpacken. Aber ich denke, eine Weltkarte würde ich mir nicht unbedingt stechen lassen – ohne damit jemandem zu nahe treten zu wollen.

Wenn ich heute kein Tattoo-Künstler wäre, würde ich …  

Ed: ... eine Bar besitzen.

>> Tattoo Talk #14 mit Moritz Lindur

Hast du etwas für deinen Beruf riskiert?

Ed: Ich glaube nicht. Ich hätte es eher fast riskiert, nicht zu tätowieren – weil ich zu viel Schiss hatte, dass es nicht klappt. Dann hätte ich wahrscheinlich mein Maschinenbaustudium beendet und wäre nicht im Ansatz so zufrieden, wie ich es jetzt bin.

Gibt es etwas, das dich an der Tattoo-Szene nervt?

Ed: Der permanente Schwanzvergleich und das Rockstar-Gehabe mancher „Artists“. Wir sind am Ende alle nur Menschen, und da ist keiner besser oder schlechter als der andere. Wir können jedem Kunden dankbar sein und sollten diese auch demensprechend behandeln. Da spielt es keine Rolle, wie viele verkackte Follower du hast.

Was sagen deine Eltern zu deinem Job?

Ed: Meine Mama ist superfroh, dass ich etwas mache, das ich liebe. Sie sagt zwar immer, dass die vielen Gesichts-Tattoos nicht sein müssten, aber sie merkt, wie glücklich ich mit meinem Job bin und dass meine Tattoos zu mir gehören.

Foto: Edgar Lanz

Was war dein erstes Tattoo?

Ed: Ein Engel mit einer Schriftrolle – ist mittlerweile aber gecovert.

Und wie sah das Erste aus, das du gestochen hast?

Ed: Wahrscheinlich nicht so cool, wenn ich mir die ersten Tattoos meiner Lehrlinge so anschaue.

Wo siehst du dich in 10 Jahren? 

Ed: Auf der Terrasse von meinem eigenen Haus, wie ich meinen Kindern beim Spielen zuschaue.

Was ist das Härteste an deinem Job?

Ed: Für mich tatsächlich der ständige Vergleich, dem wir uns heutzutage alle aufgrund der Sozialen Netzwerke ausliefern. Man wird immer verglichen, und man vergleicht sich auch ständig selbst. Das setzt mich manchmal unter Druck. Daran will ich in Zukunft auf jeden Fall arbeiten und mich auf das Wesentliche konzentrieren – und Social Media nur als Mittel zum Zweck sehen.

Welchen Rat würdest du Leuten geben, die sich das erste Mal tätowieren lassen?

Ed: Überlegt euch genau, was ihr gerne hättet, und geht nicht nach den neusten Pinterest-Trends. Sucht euch gezielt einen Tätowierer aus – und wählt denjenigen nicht nur, weil sein Studio das nächstgelegene ist. Setzt euch mit dessen Arbeiten auseinander. Ein super Zeichen ist es auch, wenn derjenige Fotos von abgeheilten Arbeiten zeigt. Denn das heißt in der Regel, dass die Kunden wiederkommen und zufrieden sind.

Was steht noch auf deiner Bucket-List? 

Ed:  Viel reisen. Kinder. Mich selbst weniger stressen.

Diesen Kollegen gebe ich Props:

Ed: Schwierig, weil es einfach zu viele gute Kollegen gibt. Auf jeden Fall den Teams von „Good Sign“ aus Minsk, „Sorry Mom Tattoo“ aus Braunschweig und „Hard Core Ink“ aus Kassel. Außerdem Ilya Brezinski und zu guter Letzt definitiv meinem Team: Jusse, Benni Beluga, Marvin Diekmännken und meinem Bruder Phil.

>> Hier könnt ihr unser Interview mit „Sorry Mom Tattoo“-Gründer Dennis Bebenroth lesen

Und hier könnt ihr noch ein paar von Eds krassen Arbeiten auschecken:

Quelle: Noizz.de