Bloß nicht minimalistisch!

Alle 14 Tage wollen wir euch in unserem „Tattoo Talk“ inspirierende Tattoo-Artists vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen! Dieses Mal haben wir uns Tattoo-Künstlerin Jessica Svartvit geschnappt, an deren massiven, kontrastreichen Motiven man einfach hängenbleiben muss. „Abwechslungsreich, anatomisch und mit Raute drumherum“ beschreibt die 26-Jährige ihren Stil mit Augenzwinkern. Eine Ästhetik, die auf Instagram mittlerweile 141 000 Follower abfeiern! Wer sich von Jessi tätowieren lassen will, findet sie im Hamburger Studio „Tigerstyle Tattooing“.

NOIZZ: Jessi, wie bist du zum Tätowieren gekommen?

Jessi: Ich habe in einem Tattoostudio in Ulm drei Jahre lang eine klassische Tätowierausbildung absolviert. Nach einem kurzen Abstecher nach Stuttgart bin ich im Februar 2018 endlich in meiner Lieblingsstadt Hamburg angekommen. Meine „Karriere“ stagnierte eigentlich nie. Aber ich denke, das passiert einem in der Tattoo-Branche auch nicht, wenn man sich selbst, seinen Träumen und Visionen treu bleibt und den Fokus auf das lebenslange Lernen und die künstlerische und charakterliche Weiterentwicklung legt.

Was ist das Schönste daran?

Jessi: Dinge für die Ewigkeit zu kreieren.

Ich habe angefangen zu Tätowieren, weil

Jessi: Ich niemals den Satz „Scheiße, schon wieder Montag“ bei Facebook posten wollte.

Was war dein skurrilstes Tattoo-Request?

Jessi: Ich bekomme täglich Anfragen, die alle auf ihre Art und Weise bizarr sind – von Weed-Sushirollen bis hin zu misanthropischen Alchemie-Hauskatzen. Erst letzte Woche kam ein Typ mit mindestens zwanzig Kacheln auf dem Rücken an. Jeder seiner Lieblingskünstler darf eine der Mini-Kacheln ausfüllen. Ich war erst mal verwirrt und wusste nicht, ob ich die Idee großartig oder ultra komisch finden soll. Am verrücktesten finde ich allerdings immer noch Anfragen á la „Moin Jessi, hier ist mein blanco Arm. Mach mal, auf was du Bock hast“.

Was sagt dein Umfeld zu deinem Job?

Jessi: Meine Family freut sich sehr für mich und lässt sich teilweise sogar von mir tätowieren. Meine Freunde sind die Besten, da sie krampfhaft darum bemüht sind, dass ich durch den Job nicht sozial inkompetent werde – das passiert wirklich sehr schnell. Mein Freund zügelt mich gerne mal in Sachen zu hohes Arbeitspensum und meckert jeden Abend, warum er nur so schwer Termine bei mir bekommt.

Das würde ich niemals stechen ...

Jessi: Rassistische, homophobe oder sexistische Kackscheiße.

Wenn ich heute kein Tattoo-Künstler wäre, würde ich ...

Jessi: Abwasseranalytik in einem streng riechenden Labor betreiben und bei Facebook „Scheiße, schon wieder Montag“ posten.

Was hast du für das Tätowieren riskiert?

Jessi: Ich habe meine Hardcore/Punkband aufgegeben und mich direkt nach dem Studium von der normalen Arbeitswelt verabschiedet.

Was nervt dich an der Community am meisten?

Jessi: Ellenbogenmentalität, zu viele Schwätzer, zu wenig Macher, „Künstler“, die Opfer ihres eigenen Egos sind.

Was war dein erstes Tattoo?

Jessi: „We walk in circles“ als Schriftzug auf den Füßen – in der Handschrift meiner Schwester.

Und wie sah das erste Tattoo aus, das du gestochen hast?

Jessi: Besser als gedacht! Ich habe leider kein Foto davon, aber es war ein Knochen mit Bandage.

Was treibt dich an?

Jessi: Menschen glücklich zu machen und jeden Tag etwas Einzigartiges, Persönliches, und Ewiges zu kreieren. Und meine Lieblingsplatten.

Was ist das Härteste an deinem Job?

Jessi: Meine Rückenhaltung, nehme ich mal an.

Welchen Rat würdest du Leuten geben, die selbst gerne eine Tattoo-Karriere starten würden?

Jessi: Seid kreativ und fleißig. Vor allem aber kreativ, denn diese Eigenschaft geht in der Branche gerade ein wenig den Bach herunter. Macht euch zweimal die Woche einen iPad-freien Zeichenabend. Sucht Euch einen Mentor, zu dem ihr aufschaut und den ihr respektiert, vor allem in Anbetracht der Zeichnungen und des Handwerks.

Was würdest du dir selbst niemals stechen lassen?

Jessi: Minimalistische Linientattoos. No Offence, aber ich bin großer Kontrast-Fan.

Was steht noch auf deiner Bucket-List?

Jessi: Hals und Popo tätowieren zu lassen – davor habe ich noch Angst!

Diesem Kollegen gebe ich Props:

Jessi: Allen meinen Tigern: Julian Hetz, Pengi, Fronsaide, Konstatin Grothe, außerdem Sebastian Reschke und Timur Lysenko.

Hier könnt ihr noch mal mehr Eindruck von Jessis krassen Tattoos gewinnen:

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Quelle: Noizz.de