Nudelsuppe gefällig? Bei Wendys yummy Tattoos will man direkt ein Ramen-Restaurant stürmen.

Jede Woche wollen wir euch in unserem neuen Format „Tattoo Talk“ inspirierende Tattoo-Artists vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen!

Heute mit Wendy Pham, die in der Taiko Gallery in Berlin ziemlich lecker aussehende Nudelgerichte im Japanese Style tätowiert. Selbst ihr Instagramname @wendy_pham_wenramen zeigt die Liebe zum japanischen Traditionsessen, das die 31-Jährige in immer neuen, kunterbunten Ausführungen unter die Haut ihrer Kunden sticht: Mal ist es ein heißhungriger Frosch, mal ein Bunny, mal eine Katze, die sich den Bauch vollstopft.

Neben den funny Suppen-Motiven finden sich auch allerlei andere süße Tiere in ihrem Repertoire – und auch das ein oder andere Monster ist dabei.

NOIZZ: Wendy, wie bist du zum Tätowieren gekommen?

Wendy: Angefangen zu Tätowieren habe ich so mit 17. Mit 15 war ich das erste Mal in einem Tattoo-Studio, weil sich eine Freundin piercen lassen wollte. Ich habe die ganzen Designs und Motive an der Wand hängen sehen und fand sie unfassbar cool. Ich wusste sofort, dass ich das auch machen möchte – und bis heute verfolge ich dieses Ziel.

In dem Shop, in dem ich tätowieren gelernt habe, wurd ziemlich viel 90er Stuff gemacht – Tribals, japanische Schriftzeichen und Drachen. Mein Mentor hat hauptsächlich im Japanese Style gearbeitet – ich habe mir das also nicht wirklich ausgesucht, es ist einfach das, was ich als ersten kennen gelernt und geübt habe. Aber auch anderen Stile habe ich ausprobiert: Realismus, Biomechanik, Horror und Gore ...

Das Schönste am Tätowieren ist …

Wendy: ... dass du Kunst schaffst und andere Menschen damit glücklich machst. Ich freue mich immer wahnsinnig, wenn meine Kunden glücklich und begeistert über ihr neues Tattoo sind. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, etwas zu tun, dass ich liebe und mit dem ich gleichzeitig meinen Lebensunterhalt finazieren kann.

Ich habe angefangen zu tätowieren, weil

Wendy: ... ich jung war und dachte, es sei eine coole Idee. Ich habe mich in der Schule immer selbst mit Stiften bemalt, vermutlich hat es einfach Sinn ergeben.

Was war dein skurrilstes Tattoo-Request?

Wendy: Einmal kam ein Typ rein, der unbedingt einen Dämon im Cartoon-Stil wollte – aber mit einem wirklich großen Penis. Das war irgendwie weird. Ich hatte auch schon einige Requests für Genital- und Gesichtstattoos, die ich nicht machen wollte.

Allgemein ist ja die gesamte Tattoo-Prozedur seltsam: Du fragst eine Person, die du gar nicht kennst, ob sie dir ein Motiv aufmalt, das für immer bleibt. Und dann nimmt sie Nadeln und sticht dir damit Tinte unter die Haut, bis es wirklich für immer bleibt. Strange! Aber eigentlich mag ich skurrile Requests, weil ich dadurch über meinen eigenen Tellerrand schaue.

Was sagen deine Eltern zu deinem Job?

Wendy: Meine Eltern freuen sich für mich. Was für asiatische Eltern ziemlich ungewöhnlich ist. Sie sind einfach nur glücklich, dass ich kein Drogen-Junkie bin und einen Job habe, mit dem ich genug Geld verdiene. Was könnten Eltern mehr wollen? Es hat eine Weile gedauert, bis sie sich daran gewöhnt haben, dass ich selbst Tattoos habe. Meine Mum hat mal gesagt, ich würde nie einen Ehemann finden, so tätowiert wie ich sei, haha.

Das würde ich niemals stechen:

Wendy: Ich würde nie etwas Rassistisches tätowieren.

Wenn ich heute kein Tattoo-Künstler wäre, würde ich

Wendy: ... als Illustratorin arbeiten. Ich würde wahnsinnig gerne Kinderbücher gestalten. Oder in anderer Weise künstlerisch arbeiten. Und früher wollte ich Friseurin werden.

Das habe ich fürs Tätowieren riskiert:

Wendy: Ich habe nie die Highschool beendet – ich denke, das ist eine ziemlich schwergewichtige Entscheidung für einen Teenager. Ich glaube, Tätowieren ist allgemein risky – es gibt so viele Tattoo-Künstler und es wird immer schwieriger, davon zu leben. Ich frage mich jedes Jahr, ob ich als Tätowiererin irgendwann irrelevant sein werde und mir vielleicht doch noch einen anderen Job suchen muss.

Was nervt dich an der Community am meisten?

Wendy: Haha, ziemlich viel! Am meisten nerven mich die übersteigerten Egos. Und ich hasse Menschen, die versuchen, Tätowiererinnen runter zu machen, indem sie behaupten, wir seien nur erfolgreich, weil wir weiblich sind.

Was war dein erstes Tattoo?

Wendy: Oh Gott. Mein erstes Tattoo war eine schlecht gezeichnete Replik eines Don-Ed-Hardy-Motivs. Ich habe eine Freundin – die zu dem Zeitpunkt selbst noch Auszubildene war – überredet, es mir richtig groß auf den Rücken zu stechen. Es kotzt mich so an, dass ich es wirklich niemandem zeigen möchte. Ich bin froh, dass es auf meinem Rücken ist – so kann ich wenigstens vergessen, dass es da ist.

Und wie sah das erste Tattoo aus, das du gestochen hast?

Wendy: Das erste Tattoo, das ich gestochen habe, war so eine Art tibetische Wolke auf dem Fuß meines Mentors. Super klein. Davon habe ich definitiv kein Foto gemacht.

Wo findest du Inspiration?

Wendy: In Büchern – ich sammle super viele Bücher. Und in Animationsfilmen, ich liebe alles von Hayao Miyazaki.

Was ist das Härteste an deinem Job?

Wendy: Weil ich seit 13 Jahren tätowiere, merke ich das ziemlich an meinem Körper – ich habe schnell Schmerzen, das ist das schlimmste. Richtig lange Sessions kann ich nicht mehr abhalten. Und ich muss Yoga machen.

Welchen Rat würdest du Leuten geben, die sich das erste Mal tätowieren lassen?

Wendy: Such dir einen Künstler, dessen Arbeiten dir gefallen und der den Stil fährt, den du magst. Und dann lass denjenigen seinen Job tun. Viele „First Timer“ machen den Fehler, dass sie das komplette Design mikromanagen wollen. Und das endet dann meistens damit, dass es schrecklich aussieht.

Was steht noch auf deiner Bucket-List?

Wendy: Ich würde gerne mal reiten. Ich saß noch nie auf einem Pferd.

Diesen Kollegen gebe ich Props:

Wendy: Shige, Grime, Stace Forand, Claudia De Sabe, Jee Sayalero, Suflanda, Guen Douglas (unseren Tattoo Talk mit Guen könnt ihr hier lesen), Lorena Morato, Kim Anh Nguyen, Dan Sinnes, Markus Lenhard, Adam Guy Hayes, Rob Noseworthy, Koji Ichimaru, Alix Ge und Mike Dorsey.

Hier könnt ihr Wendys tasty Tattoos auschecken:

Quelle: Noizz.de