"Ich bin nur zum Vollmalen da."

Alle 14 Tage wollen wir euch in unserem Tattoo Talk Künstler vorstellen, denen wir begeistert auf Instagram folgen – weil sie uns mit ihrer Message, ihrem Stil oder ihrer Persönlichkeit umhauen.

Heute haben wir uns mit Elisabetha – kurz Lisa – aus Essen, unterhalten. Die 29-Jährige tätowiert Blackwork, also nur mit schwarzer Farbe, und viel im Dotwork-Style. Lisa ist fester Bestandteil des Tattoo-Shops "Glaube Liebe Hoffnung", auf Instagram findet ihr sie unter @E_lisa_betha. Wir haben uns mit der Guten über Frauen in der Tattoo-Welt, Dienstleister-Sein und Kokosnuss-Cocktails unterhalten.

Warum hast du mit dem Tätowieren angefangen?

Lisa: Mir blieb nix anderes übrig! Nein, Spaß, aber ehrlich gesagt habe ich nie nächtelang durchgezeichnet, und es war auch nie mein großer Traum, Tätowiererin zu werden. Mir ist unser Tattoostudio seit weit mehr als 14 Jahren bekannt, und ich bin selber seit zwölf Jahren Kundin – meine erste Tätowierung habe ich mir hier stechen lassen. Vor neun Jahren habe ich dann als Shopmädchen angefangen und vor fünf Jahren meine Ausbildung begonnen.

Mit meinen beiden Kollegen verbringe ich seit gut zehn Jahren die meiste Zeit des Jahres. Und wir sind – Achtung, es wird cheezy – weitaus mehr als nur Kollegen. Wir sind eine Mischung aus Family, Freunden und Arbeitskollegen. Der Auslöser, warum ich überhaupt mit dem Tätowieren angefangen habe, war somit die Zusammenarbeit mit Ilja Hummel und Christian Conrad, die ich nicht mehr missen wollte. Als musste ich wohl oder übel die Ausbildung anfangen, um bei "Glaube Liebe Hoffnung" bleiben zu können. Nicht falsch verstehen, es war die beste Entscheidung, das Tätowieren zu erlernen – aber eben nie ein Traum von mir.

Wie würdest du deinen Stil selbst in drei Worten beschreiben?

Lisa: Es ist immer schwierig, sich selbst oder seine Arbeit zu beschreiben. Rein objektiv würde ich sagen schwarz, naiv, mit Punkten. Ich arbeite sehr gerne mit Dotwork, teilweise stärker ausgearbeiteten Elementen und im Kontrast wiederum mit sehr reduzierten Details und dem Hang, alles immer eine Ecke dunkler als gewöhnlich zu gestalten.

Wer sind deine Kunden?

Lisa: Ich schätze mal überwiegend menschlicher Gattung.

Gibt es in Deutschland genug weibliche Tattoo-Artists?

Lisa: Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, wie viele oder wenige es mittlerweile gibt, mir ist es auch eigentlich egal, ob mich Mann, Frau oder Schweinemannbärfrau tätowiert. Solange ich eine gute Zeit bei dem Tätowierer und im Shop habe und das Endergebnis stimmt. Natürlich finde ich den Zuwachs weiblicher Tattoo-Artists gut und befürworte das auch, aber das gilt sowieso für die gesamte Arbeitswelt.

Hat man es als Frau schwieriger in der Szene?

Lisa: Nöli ...

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Was war dein bisher seltsamstes Tattoo-Request?

Lisa: Natürlich ist das immer abhängig von Motiv und gewählter Stelle. Spontan kann ich mich an keinen seltsamen Tattoowunsch erinnern. Schwierig wird es für mich, wenn Kunden sehr viele Details und Wünsche in einer sehr kleinen Tätowierung unterbringen wollen.

Und welches das bisher Bewegendste?

Lisa: Bewegend ist für mich selten ein Termin. Ich sehe mich als Dienstleister, der Kundenwünsche mit seinen eigenen Ideen und Vorstellungen umsetzen darf. Für mich ist es schön zu sehen, wenn die Kunden eine gute Zeit haben und mit der Tätowierung happy sind. Was die Kunden letztendlich damit verbinden – oder auch nicht –, müssen sie selbst entscheiden, ich bin nur zum Vollmalen da.

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Was war dein bisheriger Karriere-Höhepunkt?

Lisa: Hätte ich den Höhepunkt schon erreicht, könnte ich jetzt aufhören. Für mich ist die Arbeit im Laden und auf Conventions, interviewt oder irgendwo gefeaturt werden, eine stetige Steigung, die niemals aufhören sollte. Wenn der Höhepunkt da war, kann es ja nur einen Fall geben. Da möchte ich gar nicht hinkommen. Die Arbeit bedeutet für mich ständig ein paar Schritte vor und teilweise auch immer wieder einige Schritte zurück.

Das würde ich niemals stechen:

Lisa: Rechte Symbole, wie auch Motivideen, die ich nicht umsetzen kann.

Wenn ich heute keine Tattoo-Künstlerin wäre, würde ich …

Lisa: ... sehr wahrscheinlich im sozialen Bereich arbeiten.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Lisa: Ich hoffe, rappelvoll mit Kokosnuss-Cocktails am Strand!

Was ist das Härteste am Tätowieren?

Lisa: Als hart würde ich nichts bezeichnen. Du hast natürlich viel Verantwortung in dem Job und musst – oder solltest – ständig am Ball bleiben: E-Mails beantworten, Wannados anfertigen, Zeichnen, Tätowieren ... Mein Arbeitstag beginnt und endet nicht mit Öffnen und Verlassen des Shops, sondern kurz nach dem Aufstehen und bevor ich ins Bett gehe. Was ich zuvor auch schon erwähnt hatte, finde ich es wichtig, sich weiterzuentwickeln und nicht stehen zu bleiben.

Welchen Rat würdest du Leuten geben, die sich das erste Mal tätowieren lassen?

Lisa: Es ist nur eine Tätowierung.

Was würdest du dir selbst niemals stechen lassen?

Lisa: Da sich meine Interessen und Geschmäcker auch über die Zeit verändern, kann ich das nicht wirklich sagen – und nach zwei, drei Bierchen bin ich da auch offen für alles.

Was war dein erstes Tattoo und welche Bedeutung hat es für dich?

Lisa: Meine erste Tätowierung habe ich von meinem Chef, Ilja Hummel, bekommen. Es zieht sich über die komplette Rippenseite und zeigt eine Marienfigur und den Namen meiner verstorbenen Großeltern.

Warum Essen, was macht die Stadt aus?

Lisa: Der Shop.

An welchen Projekten arbeitest du gerade?

Lisa: Ich freue mich die kommende Zeit auf große Rückenprojekte, da ich meistens für sich abgeschlossene Motive tätowiere.

Diesen Kollegen gebe ich Props:

Lisa: Natürlich stehe ich hinter den Arbeiten meines Chefs Ilja Hummel, von dem ich nach wie vor sehr viel lernen kann. Und hinter denen meines Kollegen Christian Conrad. Desweiteren bin ich großer Fan von "Iron Cobra Tattoo" in Berlin und Marvin Diekmännken, bei denen ich mich gerne tätowieren lasse.

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Quelle: Noizz.de