NOIZZ hat mit der Kandidatin gesprochen – über Silikonbrüste, Körpergröße und Perfektion.

Aus Mangel an passenden Worten, die den ersten Eindruck, den man beim Schauen dieses Trailers zu „Sylvies Dessous Model“ hat (ja, echt jetzt), auch nur annähernd beschreiben könnten, lassen wir euch einfach selbst in den Genuss kommen:

Für den Sender RTL ist Sylvie Meis eine „Stilikone“ und mittlerweile auch eine echte Businessfrau mit eigenem Dessouslabel. Was soll da näher liegen, als dazu nicht auch eine Fernsehsendung im Stile von Germany’s Next Topmodel zu produzieren? Im Promointerview macht die Ex-Frau von Fußballprofi Rafael Van Der Vaart ziemlich deutlich, worum es eigentlich in der Sendung geht. Nämlich um sie.

„Für mich ist ,Sylvies Dessous Models‘ ein mega ,cherry on the cake‘. Es ist unfassbar bei RTL eine Show zu bekommen mit meinem eigenen Namen! In der Show geht es nicht nur darum, eine perfekte Marken-Botschafterin für meine Kollektion zu finden, sondern es ist auch eine Chance mich dem deutschen Publikum als Businessfrau vorzustellen, mein Team und mein alltägliches Leben zu zeigen. Das ist natürlich eine riesen Ehre!“

Das sind alle 30 potentielle Models.

Denkt man sich. Und kommt ins Grübeln: Braucht die deutsche Fernsehwelt wirklich noch so eine Sendung? Verstößt das nicht doch auch irgendwie gegen alle feministischen Ansichten, die wir uns im Jahr 2018 erarbeitet haben? Und viel wichtiger: Wieso machen die 30 jungen Frauen bei diesem Wettbewerb, der wie der feuchte Traum eines RTL-Redakteurs wirkt, überhaupt mit?

Dafür haben wir mit Daria, 23, aus Berlin gesprochen. Sie ist eben eine von diesen 30 Teilnehmerinnen bei Sylvies Modelschule. Eigentlich studiert sie Wirtschaftspsychologie und betreibt mit Darias World ihren eigenen Fitnessblog – auch auf Instagram. Sie stand uns – erfrischend ehrlich – Rede und Antwort und verrät dabei auch, dass sie am Anfang ihre Zweifel hatte.

NOIZZ: Wir fragen einfach mal ganz direkt: Wieso machst du bei „Sylvies Dessous Model“ mit?

Daria: Ja, das ist so 'ne Frage. Ich mach da einfach mit, weil ich diese Erfahrung machen wollte. Eigentlich war ich immer strikt gegen solche Shows und dachte: Oh, mein Gott! Katastrophe! Niemals!

Und wieso hast du dann deine Meinung geändert?

Ich wurde von der Redaktion zum Casting eingeladen, und als ich eine Runde weiterkam, dachte ich mir: Okay, mal schauen, ob da was draus wird. Und jetzt zieh ich das durch! Ich model ja neben dem Studium – und mich in Dessous zu zeigen, ist für mich nicht so das Problem. Ich zeige mich ja auch im Bikini. Es muss nur immer Stil haben.

Wie haben sich denn deine Bedenken denn aufgelöst?

Ich hatte Angst, dass es wie eine Realityshow wird. Und dass der Sender es dann so schneidet, dass ich in irgendeine Rolle falle und ich mich nicht so präsentieren kann, wie ich gerne möchte. Eben lustig, authentisch. Nicht dass ich als Zicke oder sonst was dargestellt werde! Als ich dort war, hatte ich aber das Gefühl, dass man dort schon die Möglichkeit hat, sich so zu geben wie man sein will.

Der erste Trailer der Sendung gibt aber ein bisschen einen anderen Eindruck …

Klar ähnelt das Heid Klum und GNTM in gewisser Weise. Nur hier geht es eben um Dessous. Es gab wirklich sehr wenige Mädels, die dort nicht operiert sind, das hat mich schon geschockt. Und die, die es nicht waren, hatten es schon merklich schwerer. Natürlich ist das Po-Gewackel in dem Trailer auch ein bisschen provozierend, damit die Leute eben hinschauen.

Ich kann mich insofern ein bisschen davon distanzieren, als ich mit 13 meinen ersten Modeljob für die Kette „New Yorker“ hatte. Das fand ich super cool! Aber leider bin ich nicht so groß geworden. Irgendwie dachte ich dann: Das kann's doch nicht sein, dass andere Leute über dein Aussehen einfach so urteilen, und ich habe mein Ding trotzdem durchgezogen, weil es mir Spaß macht. Ich habe immer versucht, dagegen zu arbeiten.

Deswegen habe ich bei der Show auch mitgemacht: Klar sind da viele Modeltypen, aber ein normales Mädchen kann da doch auch mitmachen. Auch ohne Silikonbrüste! Ich habe nichts dagegen, wenn es jemand für sein eigenes Wohlbefinden macht, aber nicht um irgendeinem Ideal nachzurennen, was sie glaubt, erfüllen zu müssen.

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Glaubst du, dass du auch eine Vorbildfunktion in so einer Show einnimmst? Die Sendung werden immerhin viele junge Mädchen gucken.

Für mich gibt es kein perfekt. Niemand ist das. Das kann auch keiner definieren. Durch die Medien wirkt das halt auf viele so, als gebe es nur dieses eine Bild von dem, was hübsch ist. Und natürlich denken die dann: Ah, so muss man also sein, um Model zu werden.

Aber ich bin zum Beispiel ziemlich klein mit meinen 1,66 Metern. Ich bin zwar sportlich und achte auf meine Ernährung, aber perfekt bin ich nicht. Klar gibt es in der Sendung auch Frauen, die nach dem perfekten Bild streben und auch operiert sind. Aber ich finde es traurig, wenn sich Mädels nur an so was ein Beispiel nehmen. Geld in den Körper reinstecken, kann jeder. Man sollte lieber man selbst sein. Wenn man mehr Kurven hat, eine kleine Brust oder sonst einen Makel – das ist doch egal, wenn die Ausstrahlung stimmt!

Wie war es, als du auf die anderen Mitstreiterinnen getroffen bist?

Du kommst dahin und denkst automatisch erst mal: Wow, so viele hübsche Mädels, ich habe eh keine Chance. Da macht man sich eben schon seine Gedanken – aber eigentlich geh ich sehr locker mit so was um.

Guckst du dir die Sendung heute Abend an?

Aber klar doch! Mit meiner Familie.

Finden die das nicht komisch?

Nö. Die haben sich da dran gewöhnt. Am Anfang fand ich das aber schon ein bisschen komisch. Aber vor allem meine Oma freut sich voll!

Wer einen krassen Body hat und den dazu benutzt, Geld zu verdienen, sollte dafür nicht pauschal veurteilt werden, denn auch das ist ein Zeichen einer toleranten und freien Gesellschaft. Problematisch wird es allerdings, wenn nur den Einschaltquoten zu Liebe ein möglichst perfektes Bild dargestellt wird.

Wir werden sehen, wie „Sylvies Dessous Models“ das in den ersten Folgen umsetzten wird. Sylvies skeptsiches „Dein Knie“ aus dem Trailer hinterlässt aber eher ein nicht ganz so gutes Gefühl.

Quelle: Noizz.de