Nachhaltigkeit scheint gerade ein großes Thema zu sein, aber liegt das vielleicht nur an unserem eigenen Interesse daran – oder hat es die Thematik wirklich schon auf die großen Laufstege der Modebranche geschafft? Wir waren in New York City auf der Sustainable Fashion Week, um genau das herauszufinden. Das sind 10 spannende Erkenntnisse, die wir dort gewonnen haben.

Wir laufen eine Straße in Midtown Manhattan entlang und steuern gerade zu auf den Hudson River und damit der westlichen Grenze des New Yorker Luxusstadtteils. In den Pier59 Studios finden wichtige Modenschauen New Yorker Designer statt, denn es ist mal wieder Fashion Week und die Herbst-Winter-Kollektionen müssen unter das Volk gebracht werden. Doch obwohl wir uns zunächst in die elegante NYFW verlaufen, müssen wir nach nebenan, in die Pier60 Studios.

Dort findet die Sustainable New York Fashion Week statt. Die Location ist klein, doch es herrscht gute Stimmung. Designer aus aller Welt sind in die amerikanische Metropole gereist, um bei Paneltalks über ihre nachhaltige Produktion zu reden und ihre Designs Besuchern und Journalisten auf dem Catwalk zu präsentieren.

Was wir von der zukunftsweisenden Veranstaltung alles mitgenommen haben, liest du hier:

#1 Die Zukunft von Footwear ist vegan

Kleber auf der Basis von tierischen Rohstoffen wie Knochen beziehungsweise Gelatine machen es vielen Sneakerfans unmöglich, ein Paar Schuhe zu finden, das wirklich komplett vegan ist. Labels wie Arcas Bear und Unis Brands wollen das ändern. Jahrelang informierte sich Cynthia Arcas Borghy, die Gründerin des nachhaltigen Sneakerlabels Arcas Bear, um 100 Prozent pflanzliche Rohstoffe für ihre Produkte zu finden. Der Kleber war eine besondere Herausforderung. Konventionelle Schuhhersteller setzen noch immer auf tierische Klebstoffe, die oft mit vielen umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien einhergehen.

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#2 Nachhaltige Mode ist noch immer nur ein Bruchteil der Industrie

Die Sustainable NYFW ist im Vergleich zu dem gesamten Programm der Modewoche eine winzige Veranstaltung mit gerade einmal einer Handvoll Ausstellern. Das ist im ersten Moment frustrierend, schließlich breitet sich die Klimakrise gerade rasant aus. Doch bei genauerem Hinsehen gibt es einem auch Hoffnung, gerade weil es diese Handvoll Menschen gibt, die mit wahnsinnig viel Herzblut versuchen, die klimaschädliche Industrie Stück für Stück zu revolutionieren.

#3 Klimafreundliche Herstellung ist nicht nur in wirtschaftsstarken Ländern möglich

Beim Paneltalk erzählt Schmuckdesignerin Angela Clark aus Melbourne eine grandiose Geschichte. Die Australierin reist regelmäßig in afrikanische Länder, um dort mit lokalen Schmuckdesignern zusammenzuarbeiten und über Nachhaltigkeit in der Herstellung von Accessoires zu reden. Denn fast überall finden sich günstige, resourcenschonende Rohstoffe, die mit dem richtige Wissen zu neuen Produkten werden können. Bei einem Projekt arbeitete sie mit Locals daran, Schmuck aus alter Munition zu machen.

#4 Nachhaltige Mode muss nach dem Gebrauch recylebar sein

Etwas, das zum Beispiel Sport-Riese Nike in gewissem Maße tut, haben auch die zwei Brands Arcas Bear und Unis Brands in ihren Arbeitsprozess integriert: Ihre Produkte nach dem Gebrauch wieder recyeln und in neue Produkte stecken, damit kein Post-Consumer-Abfall entsteht. Mit ausgeklügelten Materialen könnte es damit theoretisch möglich sein, dass man einen komplett abgeschlossenen Verarbeitungskreislauf herstellt, bei dem weder Müll anfällt, noch der Abbau von neuen Rohstoffen nötig ist.

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#5 Nachwachsende Rohstoffe sind zukunftsweisend – mit Einschränkungen

Nachwachsende Rohstoffe wie Baumwolle und Bambus sind die Zukunft der Herstellung von Kleidung. Allerdings nur, wenn sie ethisch gesourct sind, ohne Chemie behandelt und vor allem wassersparend weiterverarbeitet werden. Bambus kann zwar zu einem baumwollähnlichem Garn verarbeitet werden, allerdings verbraucht dieser Prozess oft viel wertvolles Wasser, eine Resource mit der wir in Zukunft sehr sparsam umgehen müssen. Die Marke Bamboozld hat einen Weg gefunden Bambus auf wassersparende Art und Weise zu Unterwäsche und Socken zu verarbeiten, den hoffentlich bald die ganze Industrie übernehmen wird.

#6 Wir dürfen nachhaltige Unterwäsche nicht vergessen

Schuhe, Jacken, Sportkleidung – in vielen Bereichen achten wir bereits auf nachhaltige Produkte. Bei Unterwäsche und Socken macht man sich dagegen viel weniger Gedanken darüber, wie sie hergestellt sind und wie der ökologische Fußabdruck des Herstellers ist. Dabei sollten doch wohl gerade die Teile, die direkt auf unsere Haut liegen, nachhaltig, chemiefrei und ohne toxische Inhaltsstoffen produziert sein.

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>> Innovationen zu Zeiten der Klimakrise: Kann Nike diese Herausforderung meistern?

#7 Plastikflaschen sind der Rohstoff der Zukunft

Plastikflaschen sind wohl zum ultimativen Symbolbild der Umweltverschmutzung geworden, der wir mitunter den Klimawandel zu verdanken haben. Sie liegen in schönen Parks, schwimmen im Ozean und sind in den Mägen von toten Tieren zu finden. Doch wohin mit all dem Müll, den wir leider schon längst produziert haben? Plastikflaschen lassen sich zum Glück ganz hervorragend recyceln. Egal ob man daraus Stoff, Garn oder Schuhsolen mach: Recyceltes Polyester ist ein echtes Alleskönner.

#8 Zusammenarbeit zwischen Herstellern sorgt für weniger Müll

Modedesignerin Debra Cheyne von Butterscotch Castle bedient sich für ihre Kleidungsstücke bei den Überresten anderer Hersteller. Sie macht aus übrig gebliebenem Stoff und teilweise fertigen Produkten, die sonst in der Mülldeponie gelandet wären, neue Kleidungsstücke. Damit wird Müll vermieden und gehörig CO2 eingespart. Upsyceln nennt sich das Konzept, das sicher auch in Zukunft noch viele Modemacher inspirieren wird.

#9 Wir müssen uns nicht nur mit Plastik, sondern auch Metallmüll auseinandersetzten

Angela Clark macht Schmuck aus Metallmüll. Metallmüll? Darüber haben wir uns, wenn wir ganz ehrlich sind, noch nie Gedanken gemacht. Dabei ist es doch klar, dass auch alter Schmuck, Knöpfe, Gürtelschnallen und Co. Abfall sind, der garantiert nicht in wenigen Jahren verrottet. Angela Clark nutzt all das, um es einzuschmelzen und daraus neue, wunderschöne Designs zu realisieren.

#10 3D-Drucker können uns helfen, nachhaltigere Produktion zu bewirken

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Unis Brands stellt auf der Sustainable Fashion Week einen Sneaker vor, der komplett von einem 3D-Drucker hergestellt wird. Das ist nicht nur verdammt cool, sondern auch nachhaltig. Denn bei der Produktion der Schuhe fällt keinerlei Müll an. Alle Fehlversuche, die es selbst bei einem Drucker gibt, werden einfach recycelt und erneut verarbeitet. Der Hauptrohstoff der Schuhe sind wiederverwertete Flaschen aus Plastik.

>> Wir haben die besten Street-Styles der New York Fashion Week 2020 eingefangen

  • Quelle:
  • Noizz.de