Cherie Birkner steht für Sustainable Fashion und ihr Leben wird von dieser Agenda bestimmt. Als Gründerin von Sustainable Fashion Matterz bringt sie die innovativsten Fashionprojekte zusammen und erzählt uns wie ihr die Corona-Isolation für einen besseren Kleiderschrank nutzen könnt.

Die Isolation sorgt dafür, dass wir uns in den eigenen vier Wänden verschanzen und da wir alle gute Schüler des Kapitalismus' sind, folgen zahlreiche Menschen dem Impuls den Frust mit ein paar neuen Teilen aus der Welt der Onlinekataloge zu verbannen. Wer beim Frustshoppen nicht auf die altbewährten Großkonzerne setzen möchte und bei wem vielleicht sogar tief in seinem Inneren schon die leise Ahnung wach wird, dass der Konsumimpuls nicht so wirklich der beste Weg zum Einklang zwischen Körper, Geist, Seele und Umwelt ist, der sollte jetzt mal die Ohren spitzen.

Denn heute geht es um die Organisation Sustainable Fashion Matterz, die euch das ein oder andere darüber beibringen kann, wie ihr beim Shoppen in der Corona-Krise euer Geld an die richtigen Unternehmen bringt und vielleicht sogar die abkratzende Wirtschaft der Lokalunternehmen ein kleines bisschen ankurbeln könnt.

Besucht man die Seite von Sustainable Fashion Matterz, dann fällt ziemlich klar ins Auge, dass hier Profis am Werk sind. Die Website wählt nämlich einen individuellen Weg, um euch auf die gute Seite der Fashion-Industrie zu locken. Wer jetzt an einen einfachen Sammler mit fairen, grünen und lokalen Unternehmen denkt, der trifft den Nagel nicht so wirklich auf den Kopf. Denn Gründerin Cherie Birkner hat in nur wenigen Jahren ein großes Netzwerk geschaffen, das gemeinsam arbeitet und Initiative ergreift. Das beinhaltet natürlich einen eben solchen Sammler, doch Cherie gibt uns nicht nur ein paar Marken an die Hand, sondern porträtiert die Protagonist*innen, die mit ihren Marken, mit ihren Kanälen, ihren Events und ihrem Aktivismus für eine grünere, faire Fashionwelt kämpfen.

Auf dem Rücken der anderen

Die Gründerin hatte selbst als Creative Director bei einer Fast-Fashion-Firma gearbeitet, die vor allem Jeans verkauften. "Manchmal, hat man auch richtig die Chemikalien, mit denen sie behandelt wurden, noch riechen können. Die Vorstellung, dass ich mein schönes Leben dadurch finanziere, dass jemand anderes den ganzen Tag in einem Raum mit diesen toxischriechenden Textilien sitzt und sie anfasst, war für mich einfach nicht mehr ertragbar." Also hat sie dieser Szene den Rücken gewandt und sich in die Selbstständigkeit gewagt.

Dass Fair-Fashion und eine gute Ökobilanz etwas Erstrebenswertes sind, das müssen wir euch ja nicht erklären und seit der 'Fridays For Furture'-Bewegung muss auch Cherie ihre Kraft, nicht mehr darauf verschwendenden, Leuten zu erklären, dass überhaupt etwas an unserer Welt der vollen Kleiderschränke etwas Zwielichtiges hängt. Wie viele Liter Wasser nun aber verbraucht werden, wie viel Plastik in dem Zeug steckt, wie viel Müll bei der Produktion anfällt und wie viel Müll unser Fashionista-Trend-Lifestyle erzeugt, das sind die harten Facts, die uns Cherie ganz nebenbei auch vor die Nase hält. "Die Nachhaltigkeit zu verändern, bedeutet Strukturen aufzubrechen, die noch auf die Kolonialisierungszeit zurückgehen. Auch jetzt während Corona wird viel online gekauft und Modeproduktionen haben noch nicht aufgehört. Jetzt ist es besonders wichtig von kleinen Unternehmen zu kaufen und möglichst NICHT bei Amazon, damit auch die, die positive Beispiele sind, diese Krise überstehen“. Und genau diese Leute versammelt die Unternehmerin und Fotografin um sich.

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Der Content, der auf Sustainable Fashion Matterz entsteht, ist nicht nur voller Informationen, sondern auch ästhetisch aufgearbeitet und vor allem positiv. Gemeinsam wird lösungsorientiert gearbeitet, also weniger auf die Missstände verwiesen, als die sehr fein kuratierten Labels und deren Protagonist*innen vorzustellen und zu erklären, wie jede*r auf seine Weise etwas für die Sustainable Fashion World tut. Dabei wird nicht nur auf den blinden Konsum gebaut, sondern auch an ganz neuen Ansätzen gearbeitet.

Fashion-House "The Fabricant" zum Beispiel, programmiert Mode für Bilder und funktioniert, stark vereinfacht, ähnlich wie die Filter auf Instagram. "Ich habe mich im letzten Sommer mit Kerry, dem Gründer getroffen und das ist einfach so spannend sich zu überlegen, was eine Implementierung digitaler Kleidung für alle gesellschaftlich bewirken könnte/würde."

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Aktivismus und Konsum

Und gerade jetzt kann man seinen Konsum ein wenig hinterfragen und die Isolation nutzen, um den Kleiderschrank zu strukturieren und sich mit seinen Anziehsachen auseinanderzusetzen. "Welche Outfits kann man noch ausprobieren? Was kann man reparieren oder individualisieren, zum Beispiel mit Textilfarbe. Im Grunde geht es einfach darum, dass wir das was wir haben mehr wertschätzen, und wenn wir etwas neuen kaufen das auch wirklich Dinge sind, die wir lieben - am besten für eine lange Zeit", sprudelt es aus Cherie heraus.

Auch sie reagiert gerade schnell auf die Krise, streamt Interviews auf den Instagram-Kanälen, gibt Tipps zum Ausräumen, setzt im Editorial auf ihre Selbst-Isolation und inszeniert in dem Look ein Paar fünf Jahre alte Schuhe und, genauso wie die neue Tunika und ein paar Second-Hand-Teile. Damit macht sie uns ziemlich stilsicher vor, was Fashion heute sein kann und wie Fashion morgen sein soll. Denn letzten Endes ist es nicht die Eleganz der hübschen Website, die strenge Selektion der Projekte oder deren positiver Twist, die die Arbeit von Cherie Birkner zu einer politischen und aktivistischen Arbeit macht, sondern die Gesellschaft und die Politik drum herum, die ein solches Handeln erfordern, um bessere Standards zu schaffen.

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Quelle: Noizz.de