Adidas machte es mit seinen Futurecraft-Sneakern vor.

Geht es um 3D-Printing, denken wohl die wenigsten sofort an stylische Sneaker und futuristische Streetwear. Doch langsam aber sicher bewegt sich die Szene weg von nerdigen Bastelfreaks und hin zu einer Zukunft, in der individuelle Passform und industrielle Fertigung sich nicht mehr gegenseitig ausschließen. Mit an der Front der tragbaren Revolution aus dem 3D-Drucker: Adidas.

Schon 2015 hatte der Konzern erstmals angekündigt, dass man unter der Überschrift "Futurecraft" an einem Sneaker arbeitet, der mit einer Sohle aus dem 3D-Drucker dem futuristischen Motto gerecht werden sollte. Nach dieser Ankündigung brauchte es aber bis Januar 2018, bis das erste Modell "Adidas Futurecraft 4D Ash Green" in streng limitierter Auflage auf den Markt kam – heute lockt das Modell Sammlern gerne mal 1000 Euro und mehr aus dem Geldbeutel.

Adidas Futurecraft 4D Ash Green Foto: Adidas / Promo

Adidas arbeitet dabei mit dem Unternehmen Carbon zusammen, das eine neue Drucktechnik namens "Digital Light Synthesis" entwickelt hat.

Für einen echten Fortschritt in der Szene sorgte dann die Tatsache, dass Adidas die Schlagzahl in Sachen Modellen mit 3D-gedruckter Sohle in den folgenden Monaten deutlich erhöht hatte: bis Ende 2018 waren mehr als zehn Sneaker vorgestellt worden, die unter anderem mit dem japanischen Kult-Designer Yohji Yamamoto entwickelt wurden. Und auch Stella McCartney kollaborierte 3D-technisch mit Adidas.

Anfang 2019 hatte der Konzern mit der Vorstellung gleich mehrerer ZX4000-Modellen mit Futurecraft-Sohle in Sachen 3D-Sneaker noch einmal richtig aufs Gas gedrückt.

Hender Scheme x Adidas ZX 4000 4D Foto: Adidas / Promo

Ist der 3D-Druck damit endgültig im Massenmarkt angekommen? Können wir uns bald selber frisch aus dem Drucker stylen? Wir haben uns für euch in der Szene umgeschaut und verraten euch, wer in Sachen 3D-Druck Vorreiter ist und welche futuristischen Produkte ihr in nächster Zeit erwarten könnt.

Hoffnung auf Fashion Marke Eigendruck macht da unter anderem die Manchester School of Art. In einem Projekt wurde hier in diesem Jahr erstmals 3D-Drucktechnik verwendet, um eine "traditionelle Webstruktur" herzustellen – mit anderen Worten: Stoff aus dem Drucker. "Diese Forschungsarbeit hat das Potenzial, eine neue Methode der Textilproduktion zu begründen, die bahnbrechend für die gesamte Bekleidungsindustrie seinen kann", so der Studienleiter Mark Beecroft. Ob Manchester wirklich die Zukunft unserer Kleiderschränke bestimmen kann, muss sich jetzt in weiteren Versuchen zeigen.

Unter der Überschrift GRDXKN hat der Designer Bastian Müller ein Verfahren zum Patent angemeldet, das zwar keine Kleidungsstücke aus dem Drucker wirft, dafür aber für Abwechslung bei traditioneller Kleidung sorgen könnte. Bei dem Prozess können 3D-Strukturen in klassische Stoffe eingeprägt werden. "Frühere rein dekorative Drucke werden so zu einer funktionalen, architektonischen Struktur", so Müller zu dem Verfahren. Was der Designer unter der Marke Patronace vorstellt, wird optisch auf den Fall dem futuristischen Anspruch gerecht.

Bei der Paris Fashion Week 2019 war es die niederländische Fashion-Designerin Iris van Herpen, die mit ihrer Kollektion einen guten Ausblick auf das gab, was in Zukunft die Mode prägen könnte. Hatte sie in den letzten Jahren schon vereinzelt Schuhe und Kleider mit 3D-Druck-Techniken designt, waren in diesem Jahr gleich mehrere futuristische Verfahren für die Kollektion zum Einsatz gekommen. Kleider wurden mit 3D-Laserschneidtechnologie produziert, dazu kamen 3D-gedruckter Gesichtsschmuck, der per 3D-Scan perfekt an die Models angepasst wurde.

Wenn die Fashion-Industrie sich hier nur ein bisschen was abschaut, können wir uns in den nächsten Jahren auf echte Innovationen im Kleiderschrank freuen.

Quelle: Noizz.de