Wir haben mit dem ehemaligen Tour-Fotografen von Snoop Dogg beim Shooting der neuen Kollektion von Jägermeister gesprochen.

Wer die heiligen Hallen der Jägermeister-Produktion betritt, dem strömt sofort der Duft des altbekannten Kräuterschnaps in die Nase. Hier schlummert und reift das Elixier in riesigen Eichenfässer vor sich hin, bevor es aus dem beschaulichen Wolfenbüttel seine Reise in alle Ecken dieser Erde antritt. Dass Jägermeister mehr kann als nur Schnaps, soll jetzt die erste eigene Streetwear-Kollektion beweisen.

Im Geiste der Jägermeister-Philosophie droppen am 20. September die ersten limitierten Fashion-Pieces. Für das Debüt wurde nicht nur eine ganze Entourage an Influencern angekarrt, sondern auch den passenden Fotograf an den Start gebracht: Nämlich kein geringerer als Pascal Kerouche. Kaum ein anderer deutscher Fotograf hat mehr internationale und nationale Musiker vor der Linse gehabt und ist gleichzeitig so auf dem Boden geblieben.

Pascal beim Shooting der Streetwear-Kollektion von Jägermeister Foto: Laurent Noichl

Während des Shootings unterhält Pascal seine gesamte Umgebung. Er quatscht mit dem Wachmann, den Influencern oder seinem Assistenten. Man merkt schnell: Nicht nur vor der Kamera sind für Pascal alle Menschen gleich – egal ob ein Bettler auf den Philippinen oder die Crème de la Crème der deutschen Rap-Szene. Positives Nebenprodukt: Eine absolut lockere Atmosphäre am Set. Man könnte meinen, Pascal wäre die perfekte Mischung aus über die Jahre gewachsener Authentizität, menschengewordener Sympathie und einem Schlückchen mexikanischer Cola, "weil da noch echter Rohrzucker drin ist." Hamburger Goldjunge eben.

NOIZZ: Du hattest in deinem Leben viele Bezugspunkte zu Mode, Hip Hop und Straßenkultur – da passt das Shooting mit Jägermeister ganz gut rein, oder?

Pascal: Voll – obwohl ich keinen Alkohol trinke. Meine Freunde dafür umso mehr. Jeder auf der Welt kennt Jägermeister. Und wenn du in den USA sagst, du hast für Jägermeister fotografiert, feiern das alle.

Behind-the-Scenes beim Jägermeister-Shooting Foto: Laurent Noichl

Apropos USA … du bist ohne Ausbildung oder Studium nach Amerika, um mit 70 Dollar in der Tasche eine Dokumentation über New Yorker Underground-Hip-Hop zu filmen. Größenwahn oder Idealismus?

Idiotismus. Wie immer nicht viel nachgedacht und einfach gemacht. Keine Ahnung ob ich das heute nochmal so machen würde, aber da war ich einfach so: "Let‘s go!".

Du hast dich auf eine Party geschlichen und dort Snoop Dogg fotografiert, ihn später sogar als Tour-Fotograf begleitet – seitdem ging es bergauf. Du hattest viel Glück in deinem Leben und scheinst oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Glaubst du an Zufälle?

Ich glaube, dass man sich Zufälle erarbeiten kann. Wenn du viel hustlest ergeben sich irgendwann Situationen zu deinem Vorteil. Bevor ich Fotograf von Snoop Dogg wurde, habe ich ein Jahr auf dem Boden gepennt, mich von Croissants und Wasser ernährt und jeden Tag gearbeitet. In New York war ich erstmal ein Fremdkörper, weil ich in einer anderen Kultur aufgewachsen bin. Also habe ich mir vorgenommen einfach jeden Tag 1-2 Stunden mehr zu arbeiten, als alle anderen. Das war mehr Fleiß als Zufall.

Pascal Kerouche beim Shooting der neuen Jägermeister-Kollektion Foto: Laurent Noichl

Aber du hast auch viel Glück gehabt?

Auf jeden Fall. Neulich war ich mit Raf im Hotel in Bosnien und meine Suite wurde geupgraded. Die Frau an der Rezeption meinte: "Du hast am gleichen Tag Geburtstag wie ich, ich schenke dir ein Upgrade." Raf sagte dann nur: "Dein Leben ist schon von Glück gezeichnet." Aber ich habe in meinem Leben auch genauso viel Scheiße erlebt.

Du hast zumindest fotografisch gesehen ein ausgeprägtes Faible für Waffen, Drogen und böse Jungs. Was gefällt dir daran?

Ich finde das faszinierend, es ist meine Welt. Menschen, Gesichter und die Geschichte dahinter – ich will das erzählen.

Das sagst du so auch in deinem ersten Instagram Post. "Everybody got a story, let me tell mine." Was ist deine Geschichte?

Ein Typ der immer viel am machen ist, dabei nicht viel nachdenkt und es dann irgendwie, mit Bredouillen und Stolpern, doch alles hinkriegt­ – und das auf eine sympathische Art und Weise. (Anmerk. der Red.: Können wir so bestätigen.)

Du hast schon Leute wie Wiz Khalifa, Michael Jackson und beinahe die gesamte deutsche (Rap)-Prominenz vor deiner Kamera gehabt. Trotzdem scheinst du sehr bodenständig zu sein. Ist dir der Hype um deine Person unangenehm?

Ein bisschen, vor allem wenn Leute nach Fotos fragen. Ich sehe es aber als Geschenk – und kenne nichts anderes als bodenständig zu sein.

Du profitierst extrem von deiner Reichweite auf Instagram: eigenes Fotobuch, deine Fotoausstellung in Hamburg, sogar Socken hast du rausgebracht. Siehst du dich als Marke?

Ich selber nicht, aber manche Leute würden das wahrscheinlich sagen. Ich bin einfach ein normaler Typ der Bock hat Fotos zu machen – und manchmal eben auch Socken. Ich mache das, woran ich Spaß habe.

Pascal Kerouche bei der Arbeit Foto: Laurent Noichl

Auf Instagram geht es viel um Glamour und Schein, deine Bilder dagegen sind sehr authentisch – ist das eine bewusste Gegenbewegung?

Nein, das ist einfach mein Geschmack. Beauty-Kram ist nicht so meins.

Trotzdem fotografierst du jetzt die Fashion-Kollektion von Jägermeister. Was ist hier anders?

Obwohl es Jägermeister schon seit Ewigkeiten gibt, sind sie immer jung geblieben und gehen mit der Zeit – das können nur wenige Marken von sich behaupten. Wir haben auch sehr ähnliche visuelle Ansichten, somit ist es relativ easy für mich ihre "Sprache" umzusetzen. Allein die Tatsache, dass sie eine eigene Kollektion machen, die weit über den üblichen Merch hinaus geht, ist mega. Die Sachen sind cool und ich kann mich absolut damit identifizieren.

Abseits von kommerziellen Shootings bist du viel draußen unterwegs. Mal fotografierst du einen Arbeiter auf einer Müllhalde in den Philippinen, kurz darauf bist du im Slum in Ghana und dann wieder mit Gangstern im New Yorker Ghetto. Einen Tag später bist du Backstage feiern mit den erfolgreichsten Rappern Deutschlands – wie passt das zusammen?

Im Endeffekt ist es ja dasselbe: Ich erzähle mit meinen Bildern eine Geschichte. Dem Foto ist es egal, wer vorne drauf ist. Ich tauche einfach gerne in andere Kulturen ein und auf ner Müllhalde ist man eben am tiefsten drin. Ich habe mal ein Rap-Video in Mexico gedreht und war mit den Jungs in der Stadt unterwegs. Als ich dann in eine Gasse reinfotografiert habe, sind auf einmal 20 Kartell-Jungs angerannt gekommen.

War zwar alles cool nachdem ich das Bild gelöscht hatte – die Produktion dachte trotzdem: Der will uns umbringen. Danach mussten wir immer heimlich abhauen. Ist mir trotzdem lieber, als ein goldener Käfig in einem 5-Sterne-Hotel.

Noch ein Tipp für alle Hustler, die im Foto-Business durchstarten wollen?

Der dümmste Tipp, aber auch der beste: fotografieren, fotografieren, fotografieren. Rausgehen, Projekte suchen, Kohle sparen, auf Reisen gehen – go travel and do dope shit.

Pascals neuestes Fotobuch "Zwei Null Eins Sieben" ist ab sofort hier erhältlich.

Du willst dir die neue Streetwear-Kollektion von Jägermeister live ansehen und den Release standesgemäß begießen? Wir verlosen 5 x 2 Tickets für die Launch-Party am 19. September 2019 im Prince Charles in Berlin. Schicke dafür einfach eine E-Mail an info@noizz.de mit dem Betreff "Jägermeister" und deiner besten Party-Story und folge uns bei Instagram @noizz_de. Einsendeschluss ist Freitag, 13. September um 14 Uhr.

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Quelle: Noizz.de