Vom Skaterprodukt auf die Laufstege!

Es gab eine Zeit, zu der sich das Bestreben nach Innovation im Sneakergame nur auf Leistungsteigerung konzentrierte. Auf das optimale Verhältnis zwischen Stabilität und leichtem Gewicht und die perfekte Dämpfung. Seit Rapper allerdings Gucci statt Jogginghosen tragen und Models Designer-Sneaker auf Haute Couture-Shows vorführen, vereinen sich die vermeintlichen Gegensätze High End-Fashion und Sneaker zusehends.

Das wird dir die Schuhe ausziehen ...

Der kürzliche Release des Supreme x Louis Designer-Sneaker überflutete ausnahmslos alle Social Media-Kanäle, auf denen geschäftstüchtige Sneakerfans versuchten, ihre Großstadt-Camping-Abenteuer zu Barem zu verwerten. Im Falle dieses Schuhs konnte das ein durchaus lukratives Unterfangen werden – der ausnehmend hässliche Treter wechselte für über 2000 US-Dollar den Besitzer. Während man früher als armer Skater seine Lieblings-Sneaker noch mit der Zahnbürste schrubbte, um sie vor dem sicheren Ende zu bewahren, investiert man heute das ein oder andere Monatsgehalt in das, was jetzt ein Luxusgut ist.

Schuhe von Supreme sind ein Luxusgut und vielen Menschen sehr viel Geld wert Foto: urbansneakers.io / urbansneakers.io

Während der Neunziger erlebte kommerzielle Mode einen zuvor nie bekannten Hype. Die opulenten Achtziger hatten wohlhabende potenzielle Kunden mit hohen Ansprüchen und florierende Marken mit einer Menge Kapital zur Folge.

Designer-Sneaker: in der Szene schon lange beliebt

Schon zu dieser Zeit produzierte Gucci minimalistische Tennis-Schuhe, die sich zwar in der Hip Hop-Szene großer Beliebtheit erfreuten, allerdings nicht die Herzen der breiten Maße erobern konnten.

Kanye performt in seinen Yeezies 350 Boost Foto: urbansneakers.io / sneakernews

Mode wurde etwas leiser, weniger extravagant und experimentell als in den Jahren zuvor. Die Kleidungsstücke waren deutlich minimalistischer und funktioneller, weshalb es sich für Luxuslabels lohnte, ins lukrative Turnschuh-Geschäft einzusteigen und Designer-Sneaker zu entwerfen. Es ist nichts Neues, dass im Segelsport auf luxuriösen Lifestyle Wert gelegt wird, weshalb Prada beim America’s Cup einen großen Wurf landen konnte. Der Prada PS0906 wurde als der erste Schritt eines High Fashion-Accessoires in die Welt des Sports angesehen.

Der Prada Punto Alto: edel und puristisch Foto: urbansneakers.io / urbansneakers.io

Es ging dabei mehr um ein modisches und stilistisches Statement als um eine Demonstration von Leistung, weshalb es wenig überrascht, dass Prada sich in den folgenden drei Jahren nicht mehr auf Wettkämpfen blicken ließ. Fans waren von dem edlen Lederdesign und der puristischen Silhouette dagegen begeistert.

Designer-Sneaker werden erschwinglich

Einige Jahre später zeigte Martin Margiela, dass Kreativität und Innovation für die Gestaltung von Design-Sneakern nicht unverzichtbar sind. Seine Neuauflage des Maison Margiela 22 war im Großen und Ganzen nichts anderes als das Remake eines seit Jahrzehnten bekannten und ursprünglich von einer deutschen Firma entworfenen Militärschuhs. Es ist bis heute unklar, von welchem der beiden Dassler-Brüder das Design ursprünglich stammte, allerdings erheben heute sowohl Puma als auch Adidas Anspruch auf die Erfindung des OG.

Ein Plagiat: der Maison Margiela 22 Foto: urbansneakers.io / urbansneakers.io

Es wurde nicht einmal der Versuch unternommen, ein Geheimnis aus dem dreisten Plagiat zu machen und der spottbillige Armee-Trainingsschuh wurde 1998 sogar auf einem der Laufstege Margielas präsentiert. Der geniale Kompromiss aus günstiger Massenware und High End Fashionprodukt traf den Nerv des Zeigeistes perfekt und die damals äußerst markenfixierten Konsumenten rissen sich um den puristischen Edel-Sneaker.

Nike und Adidas betreten die High Fashion-Welt

Nachdem Sneaker erfolgreich in der Fashionwelt Einzug gehalten hatten, war es nur eine logische Weiterentwicklung, der Szene hochwertige Mode schmackhaft zu machen. Nike wagte diesbezüglich den ersten Schritt und arbeitete 1999 beim Design des Zoom Haven mit Junya Watanabe zusammen.

Kurze Zeit später zog Herzogenaurach nach und holte mit Jeremy Scott und Yohji Yamamoto hochkarätige Designer an Bord. Während Nike neue, zeitgemäße Silhouetten ausprobierte, ließ Adidas altbewährte Klassiker von den Designern neu interpretieren.

Der Jeremy Scott von Adidas Foto: urbansneakers.io / urbansneakers.io
Extravagante und farbexplosive Bapesta – nach 2000 immer beliebter Foto: urbansneakers.io / urbansneakers.io

Nach der Jahrtausendwende entfernten sich Sneaker zunehmend von ihrem sportlichen Design. Man verabschiedete sich von Minimalismus und Retrocharme. Extravagante und farbexplosive Bapesta eroberten die Straßen, die Leute kauften unfassbarerweise Mode von Ed Hardy und Start Up-Unternehmer investierten ihre ersten finanziellen Erfolge in glänzende Lanvin Cap Toes.

Ganz schön bunt und ganz schön wild! Foto: urbansneakers.io / urbansneakers.io
Die Lanvin Cap Toes Foto: urbansneakers.io / urbansneakers.io

Designer-Sneaker wurden für modebewusste Männer das, was High Heels und Handtaschen für Frauen waren. Ehe man sich versah, brachte Valentino den Rock Runner auf den Markt, der frappierend an den New Balance 574 erinnerte. Yves Saint Laurent’s Court Classic schien fliegen zu wollen wie Air Jordan und Alexander McQueen verpasste dem Stan Smith eine dicke Sohle.

Valentino-Sneaker Foto: trendsylvania / urbansneakers.io

Und dann kam Mr. West. Jahre vor Einführung Jahre vor Einführung des Yeezy entwarf der rappende Tausendsassa mit dem Louis Vuitton Don seinen ersten Designer-Sneaker. Die kleine Kollektion besiegelte den Einzug von Turnschuhen in die High Fashion-Welt und etablierte Designer-Sneaker auch bei Hip Hop-Fans und Skate-Kids, die bislang vorwiegend auf Air Max und Superstars spezialisiert waren. Nach einem kurzen Intermezzo, das den Nike Air Yeezy zur Folge hatte, wechselte Kanye bekanntlich das Lager zu Adidas – der Rest ist Geschichte.

Gehören Designer-Sneaker mittlerweile zum Alltag?

In den Folgejahren sprangen weitere Marken wie Buscemi auf den Zug auf und definierten den Markt mit viel Gold und überbordenden Details. NikeLAB holte Designer wie Riccardo Tisci und Kim Jones an Bord, Raf Simmons und Stella McCartney heuerten bei Team Trefoil an – Sneakergame und High End-Fashion waren endgültig vereint.

Heutzutage gehören Luxus- und Sportswear-Kollabos zum Alltagsgeschäft und wer das Sneaker-Business jetzt erst kennenlernt, wundert sich nicht mehr über sündhaft teure Special Editions seiner Lieblingsschuhe. Und auch wenn wir hoffen, dass Designer-Sneaker zum Preis von tausenden von Euro nicht zum neuen Standard werden.

Für mehr Sneaker-News checkt den Berliner Sneaker-Blog UrbanSneakers – egal ob ihr Neuigkeiten zu Nikes, Adidas oder Yeezys geht!

Quelle: urbansneakers