Eigentlich ist dir die Natur mega wichtig, du lebst vielleicht sogar vegan, fährst kein Auto – aber Sneaker sind voll dein Ding? Tja, tut uns leid, aber: Deine Schuhe sind wahrscheinlich das Umweltschädlichste, was dein Kleiderschrank hergibt. Warum das so ist – und worauf du beim Sneakerkauf achten musst.

Dass Fast Fashion scheiße ist, wissen wir nicht erst seit gestern. Und es gibt ja mittlerweile auch wirklich genug Alternativen zum Billo-Primark-Shirt: Weniger kaufen, auf Vintage setzen, Labels unterstützen, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen. Easy. Du hast mittlerweile das Gefühl, dass du es geschafft hast, dein Umweltbewusstsein und deine Fashion-Liebe ganz gut unter einen Hut zu kriegen – aber wie sieht es an deinen Füßen aus? Hand aufs Herz: Wie viele Schuhe hast du? Wie viele trägst du davon auf einer Daily-Basis? Und bei welchem Schuh weißt du, wo er herkommt?

Symbolbild

So klein dein CO2-Abdruck mittlerweile vielleicht geworden ist – an deinen Schuhsohlen hängt wahrscheinlich deutlich mehr Dreck, als du denkst.

Warum sind Schuhe solche Umweltsünder?

Wer sich ein bisschen für Mode interessiert, weiß, dass ein T-Shirt für wenige Euro weder Mensch noch Natur guttut: Sweatshops in Südostasien bezahlen ihre Arbeiter*innen scheiße und lassen sie unter gefährlichen Bedingungen schuften, giftige Färbe-Chemikalien werden in Flüsse geleitet und gelangen so ins Grundwasser, lange Transportwege sorgen für enorme CO2-Emmissionen. Trotzdem hat sich in den letzten zehn Jahren schon superviel getan. Aber wenn man sich Berichte über die Modebranche anschaut, geht es immer nur um Klamotten. Wie steht's um Schuhe? Vergisst man in dieser Gleichung schnell. Weißt du, wie viele Schuhe pro Tag weltweit produziert werden? Sage und schreibe 66,3 Millionen Paare. Damit könnte jeder Bewohner Großbritanniens jeden Tag ein neues Paar Schuhe tragen.

Dabei sind Schuhe leider einfach oft tausendmal schlimmer für die Umwelt als Klamotten – und zwar ganz egal, ob es sich um einen Triple S von Balenciaga oder ein No-Name-Modell von Deichmann handelt. Experten gehen davon aus, dass die Standards in der Schuhindustrie zehn Jahre hinter denen der Rest der Modeindustrie liegen, was beispielsweise die Sicherheit, die Löhne und die Gesundheit der Arbeiter*innen angeht.

Die Material-Frage: Leder oder Plastik?

Aus was sind Schuhe? Lässt sich meistens gar nicht so easy beantworten, weil viele Schuhe, gerade im Sneakerbereich aus verschiedenen Bestandteilen gemacht sind. Traditionell ist der wichtigste Bestandteil bis heute aber meist Leder: Es ist robust und wetterbeständig und kommt vom klassischen Anzugschuh bis zum edgy Sneaker sowohl als Außen-, und Innenmaterial, als Sohle oder einfach als Zierde zum Einsatz. Das Problem: Weil das Naturmaterial in seinem Ursprungszustand schnell verrotten würde, wird es oft mit vielen toxischen Chemikalien behandelt werden – unter anderem mit Chromtrioxid, das nachweislich krebserregend ist.

In Bangladesch, ein Land, in dem es keine strengen Umweltauflagen gibt, sind die Folgen der dort angesiedelten Lederproduktion tödlich – für Mensch und Natur: 90 Prozent der dort arbeitenden Gerbereiarbeiter werden keine 50 Jahre alt. Und der Fluss Buriganga, der durch die Hauptstadt Dhaka fließt, wurde aufgrund von Gerbereiabfällen bereits für biologisch tot erklärt.

Ja easy, einfach auf vegane Sneaker umsteigen, denkst du jetzt? Lol, nö, die sind nämlich ehrlich gesagt in den seltensten Fällen besser. Komponenten wie Schaumstoffsohlen, synthetisches Obermaterial und Kunststoff-Schnürsenkel werden aus fossilen Brennstoffen, also Erdöl, gemacht. Wissen wir ja mittlerweile auch, wie scheiße das ist – vom Mikroplastik-Abrieb, den deine Schuhsohlen produzieren, will ich gar nicht erst anfangen.

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Recycling? Bei vielen Schuhen eigentlich unmöglich

Viele Sneaker – gerade solche, die für eine besonders krass entwickelte Luftpolstersohle oder für ihre Atmungsaktivität angepriesen werden, bestehen aus bis zu 65 verschiedenen Teilen – für deren Montage bis zu 360 Verarbeitungsschritte erforderlich sind. Genäht wird dabei in den seltensten Fällen – meist kommt starker Klebstoff zum Einsatz.

Und der führt schon wieder zum nächsten Problem, denn: Durch das Zusammenkleben ist es wahnsinnig schwierig, solche Schuhe zu recyceln. Denn das geht nur, wenn die verschiedenen Materialien einzeln entsorgt werden – schier unmöglich bei Sneakern. Über 90 Prozent der weltweit weggeschmissenen Schuhe landen deshalb einfach auf Müllkippen.

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Wenn dich das Thema interessiert: Die Autorin Tansy Hoskins hat jetzt ein Buch über die globale Schuhindustrie geschrieben: "Foot Work" beschreibt die Auswirkungen, die Air Max, Yeezy und Co. auf Mensch und Natur hat.

Welche Schuhe kannst du tragen – und von welchen Sneakern solltest du als nachhaltig lebender Mensch die Finger lassen?

Eine bessere und einfache Lösung als Verzicht gibt es natürlich nicht. Wenn du dich also mit den Gedanken anfreunden kannst, dir nicht mehr jeden Monat den jüngst gedroppten Sneaker zu gönnen, sondern nur noch Kicks zu shoppen, wenn deine Schuhe wirklich so fertig sind, dass sie nicht mal mehr ein Festival überleben würden, hast du schon viel gewonnen.

Achte außerdem darauf, wo deine Schuhe herkommen und was die Hauptbestandteile sind.

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Die französische Marke Veja bietet zum Beispiel superschöne Fair-Trade-Sneaker: Sie werden in Brasilien hergestellt, sind aus Biobaumwolle, Naturkautschuk und pflanzlich gegerbtem Leder (das ist weniger schädlich für die Umwelt). Converse hat letztes Jahr die neue Linie "Renew" ins Leben gerufen, deren Schuhe aus upcycelten Denim, recycelten Plastikflaschen und Stoffresten bestehen – selbiges gilt für Schuhe des nachhaltigen Labels Everlane. Auch Big Player setzen immer mehr auf Nachhaltigkeit: Adidas arbeitet beispielsweise seit Längerem mit der Umweltinitiative Parley zusammen.

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Sneaker der Kollaboration bestehen zu großen Teilen aus recyceltem Plastikmüll und Parley Ocean Plastic (upgecycelte Plastikabfälle). Für die nachhaltigen Sneaker wird an Stränden auf der ganzen Welt Plastikmüll eingesammelt und verwertet.

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  • Quelle:
  • Noizz.de