Fashion und Aktivismus – zwei Themen, die einen Großteil des Berliner Zeitgeist ausmachen und die der gebürtigen Österreicherin Daniela Buck aka Wide Awake Earthquake durch Leib und Blut fließen. Wir haben mit ihr über ihr Leben als Ästhetin und feministisches Rolemodel gesprochen, und an welchen Schnittpunkten von Fashion und Gleichberechtigung sie Potenzial zur Verbesserung sieht.

Sneakerhead, LGBTQ-Ambassador, DJ, Influencerin: Daniela Buck vereint das Beste, was Berlin 2020 zu bieten hat. Aufgewachsen im kleinstädtischen Graz in Österreich, war sie früh mit Grenzen, Werten und Lebensansichten konfrontiert, mit denen sie sich nicht identifizieren konnte. Seit 2013 betreibt sie ihren Blog "wideawakeEarthquake", über den sie ihre Fashion- und Sneaker-Affinität mit aller Welt teilt. Fast 50.000 Follower tun genau dies auch über Instagram.

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Als DJ tritt sie in zudem in den angesagtesten Metropolen der Welt auf Prides auf und hält die Flamme der LGBTQ-Community hoch. Wir haben mit dem Role-Model über Gleichberechtigung im Sneaker-Game gesprochen, über ihr Engagement als Feministin – und haben gelernt, wie man sich von klein auf über die Normen seines Umfelds hinwegsetzen kann, um niemand anderes als man selbst du sein.

Daniela Buck im Interview mit NOIZZ.de

Sneaker als Lebensgefühl

NOIZZ: Das Air-Max-Mantra hält dazu an, immer weiterzumachen und Dinge voranzutreiben, außerdem die Vergangenheit herauszufordern und Traditionen umzugestalten. Erzähl uns von deiner Vision einer besseren Zukunft.

Daniela Buck: Das ist ein sehr schönes Mantra, was ich so ähnlich auch zu leben versuche. Ich denke, dass es vor allem wichtig ist, sich selbst herauszufordern, und zwar gerade in den Momenten, bei denen man tendiert aufzugeben. Sich selbst zuzuhören, die Wichtigkeit der Dinge zu hinterfragen und neu zu bewerten, für sich selbst und für seine Umgebung, hilft mir dabei sehr.

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Wenn man sich hierfür wirklich Zeit nimmt, sich austauscht, sich und andere unterstützt, dann kommen dabei oft sehr überraschende Ergebnisse heraus. Meine Vision wäre es, einen solchen Raum zu schaffen, bei dem so ein Austausch, insbesondere in der Frauen-Community, stattfinden kann. Einen Raum also, indem wir uns gegenseitig zuhören, unterstützen und gemeinsam gesellschaftlich neu definieren können.

Du setzt dich viel mit Fashion auseinander, steckst tief in der Sneaker-Szene. Wo siehst du in deinem Bereich noch Defizite in Sachen Gleichberechtigung?

Leider ist das allgemein gesellschaftliche Ungleichgewicht der Geschlechter auch in der Sneaker-Szene spürbar. Ich habe das Gefühl, dass die Expertise der Frauen in Sachen Sneaker nicht so wirklich ernst genommen wurde. Dabei gibt es viele Frauen, die unglaublich tolle Arbeiten in diesem Bereich machen und sehr, sehr viel Wissen und Erfahrungen haben. Aktuell beobachte ich, dass sich immer mehr Frauen in der Szene etablieren und zusammenschließen. Das freut und motiviert mich sehr. Denn das bestehende Ungleichgewicht in der Szene hat leider auch Folgen auf die Verfügbarkeit von Schuhen. Die spannendsten Sneaker sind oft nicht unter 40 erhältlich, so dass viele Frauen ausgeschlossen werden. Ich vermute, dass viele Brands das vielleicht nicht so wirklich auf dem Schirm haben. Der Bedarf ist aber auf jeden Fall da.

Daniela Buck im Interview mit NOIZZ.de

Frauen an die Sneakerfront!

Wie würdest du deinen Style beschreiben?

Ich liebe Hoodies, Longsleeves und weite Hosen, die ich fast ausschließlich bei Männer oder Unisex-Brands finde. Allgemein lebt mein Style durch einen Mix von Streetwear- und Skate-Brands mit High-Fashion-Teilen. Es müssen aber auch nicht immer nur Brands sein. Mir gefallen auch easy Styles wie Sweatpants oder Jeans, die ich dann mit nicen Sneakern kombiniere.

Was stört dich an der Sneaker-Szene in Deutschland?

Wie bereits erwähnt: Ich würde mich sehr freuen, viel mehr Frauen an der Sneaker-Front zu sehen.

Wie setzt du dich für Gleichberechtigung ein – wie willst du das in Zukunft tun?

Allgemein versuche ich, durch meinen Kanal so viele wie möglich mit LGBTQ+ Themen zu erreichen. Zum Einen, indem ich sehr offen über aktuelle Problematiken, Fortschritte und meine eigene Homosexualität rede. Zum anderen aber auch durch Aktionen, wie zum Beispiel das WAE Shirt, welches ich im letzten Jahr designed habe, um Einnahmen für die Organisation GLADT zu sammeln, die sich für queere POC einsetzt. Dieses Projekt lag mir sehr am Herzen und war sehr erfolgreich, was mich krass gefreut hat.

Ich lege auch regelmäßig bei der Pride in Städten, wie zum Beispiel Tel Aviv, New York oder Berlin auf, was immer wieder eine sehr schöne Erfahrung für mich ist. Solche und weitere Aktionen will ich natürlich weiterhin machen und hoffe, damit einen Beitrag zur Aufklärung, Unterstützung und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt zu leisten. Wie bereits erwähnt, ist meine Vision letztendlich, einen Raum des offenen Austauschs und Supports zu schaffen. Es gibt auf jeden Fall noch einige spannenden Dinge auf der To-Do-Liste zu tun.

LGBTQ vs. spießige Kleinstadt

In Berlin leben wir in einer bunten, schönen Blase, in der sich Minderheiten oft wohler fühlen, als zum Beispiel im Rest von Deutschland. Wie gehst du mit Diskriminierung um und was würdest du jungen queeren Menschen raten, die sich mit Fragen zu ihrer Identität und Sexualität auseinandersetzen?

Ich komme aus Graz, einer Kleinstadt in Österreich. Als Teenie hatte ich nicht wirklich jemanden, der mich aufgeklärt hat beziehungsweise für Themen wie Homosexualität offen war. Was die sexuelle Selbstfindung angeht, war ich daher ein bisschen auf mich alleine gestellt. Es hat mich viel Mut gekostet, Dinge auszuprobieren, die damals als "nicht normal" empfunden wurden, um dann herauszufinden, dass sich für mich genau diese Dinge normal anfühlen. Diverse Magazine oder Serien, wie zum Beispiel "The L Word", haben die Teenie Welt für mich ein wenig normaler gemacht.

Durch Social Media, Serien etc. hat die heutige Generation viel bessere Möglichkeiten, sich auszutauschen oder zu inspirieren. Ich selbst bekomme sehr viele Fragen, zum Beispiel zu meinem Outing, von der jungen Community gestellt. Mich freut es natürlich dann sehr, wenn ich anderen in so einer spannenden Phase unterstützen und ermutigen kann.

Allgemein haben mich meine Teenie-Jahre gelehrt, dass man immer versuchen sollte seinem Instinkt zu folgen, offen über seine Gefühle mit Freunden zu reden und sich aktiv mit der Thematik auseinanderzusetzen – auch, wenn es manchmal nicht einfach ist. Dabei können auch Foren, Bücher, Filme und so was helfen. Wenn man aus einem kleineren oder eher konservativen Ort kommt, ist es richtig wichtig, die Norm in seiner Umgebung zu hinterfragen und zu verstehen, dass man eigentlich genauso richtig ist, wie man ist.

Welche LGBTQ-Fashion-Influencern folgst du?

Ich bin riesiger Fan von @erin_mademe. Mit ihrer Kreativität, ihrem Lifestyle und ihrer Message inspiriert sie mich so sehr. L-O-V-E her!

Quelle: Noizz.de