Wie rassistisch ist dieser Gucci-Pulli wirklich?

Juliane Reuther

Popkultur, Politik & Feminismus
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Dieser Pulli erinnert an Blackface Minstrel Shows, bei denen weiße Darsteller rassistische Stereotypen von Schwarzen Menschen darstellten Foto: Gucci

Der „Blackfacing“-Pullover erhitzt seit Tagen die Gemüter.

„Haute Couture Blackface“ wird der 890-Dollar-Pulli von Gucci auf Social Media genannt, als er vor wenigen Tagen im Onlineshop auftaucht. Der „Balaclava Jumper“ der Luxusmarke ist aus schwarzer Wolle mit einem Rollkragen, der bis über den Mund reicht. Dort befindet sich eine Aussparung, die von roter Wolle in Form von Lippen umrandet ist.

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Das wirkt rein theoretisch, auf dem Papier, ja gar nicht schlimm. Doch spätestens beim Anblick der Fotos bekommt man ein komisches Gefühl und man muss sich fragen: Okay, also das ist echt keinem Menschen aufgefallen, dass das überhaupt nicht geht? Denn der Pullover erinnert an die überspitzten, rassistischen Darstellungen Schwarzer Menschen, die während und nach der Zeit der Sklaverei in den USA und auch in Europa üblich waren.

Minstrel Shows waren bekannt für Blackface, die rassistische Darstellung von Schwarzen Menschen durch weiße Schauspieler Foto: Wikimedia Commons / Public Domain

Dunkle Haut und dicke rote Lippen wurden bei sogenannten Minstrel Shows als völlig rassistisches „Erkennungsmerkmal“ Schwarzer Charaktere verwendet und sind damit wahnsinnig negativ behaftet. Das sollte auch 2019 noch allen klar sein.

Klar, in einer perfekten Welt wäre der Pullover von Gucci einfach nur ein abgefahrenes Design. Leider leben wir aber in einer Welt, in der Schwarze Menschen versklavt, gedemütigt und getötet wurden, nur weil sie anders waren.

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Und damit geht so ein Design eben überhaupt nicht klar, weil es diese grausame Geschichte widerspiegelt und auf gewisse Weise auch verharmlost. Rassismus ist eben kein cooler Look, sondern für viele Menschen noch immer Realität.

Mittlerweile hat sich Gucci für das Kleidungsstück entschuldigt und aus der Kollektion genommen. Dass vorher niemand die Parallele zwischen diesem Design und der schrecklichen, demütigenden Geschichte von Blackfacing gesehen hat, ist trotzdem unglaublich.

Auch Prada hatte kürzlich für einen ähnlichen Shitstorm gesorgt, als das Label eine Tasche mit einem Affenanhänger vorstellte, den viele ebenfalls für Blackface halten. Viele Schwarze Promis wie die Rapper T.I. und Soulja Boy haben auf Social Media Dampf abgelassen und zum Boykott der Marken aufgerufen.

Quelle: Noizz.de