2020 reicht es nicht mehr, einfach schöne Mode zu machen: Fashionlabels müssen genauso Verantwortung zeigen, wie andere Unternehmen auch. Rassismus, Sexismus und Ausbeute auf der Haut tragen? Wollen wir doch alle nicht. Was also tun, wenn sich die Lieblingsmarke komplett daneben verhält? Wir haben ein paar Tipps, die langfristig wirkungsvoller sind, als das Lieblings-Shirt im Garten zu verbrennen.

Klimawandel, Corona, weltweite Black-Lives-Matter-Proteste: 2020, das darf man mittlerweile sagen, ist ein Jahr, wie kein anderes. Als Gesellschaft befinden wir uns gerade an einer spannenden Zweigstelle. Entweder, alle öffnen ihre Augen und arbeiten gemeinsam daran, anti-rassistisch zu werden, weltweite Ungleichheiten und damit einhergehende Missstände aufzuarbeiten, unseren Planeten zu retten und als Menschheit zusammenzuwachsen – oder wir verlieren in ein paar Wochen das Interesse am Miteinander und verschwinden im kapitalistischen Konsumsumpf, in dem wir uns die vergangenen Jahre so wohlgefühlt haben.

Models während der Londoner Fashion Week im Februar 2020

Eine Branche, die den gesellschaftlichen Wandel gerade besonders zu spüren bekommt, ist die Mode: Einfach eine schwarze Kachel auf Instagram posten, einen paar Dollar für BLM spenden und Solidarität heucheln? Kommt nicht gut an – vor allem nicht, wenn man sich in der Vergangenheit so gar nicht aktivistisch gezeigt hat.

Das mussten in den letzten Wochen viele Labels schmerzhaft lernen: Nicht nur die Instagram-Polizei "Diet Prada" prangerte immer wieder Marken an, die auf den Protest-Zug aufspringen wollten, um ihr Image zu polieren. Auch ehemalige Mitarbeiter*innen meldeten sich auf Social Media zu Wort, um Missstände bei Labels wie Anthropologie, Everlane oder Gucci aufzudecken.

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Another day, another boho Karen retailer showing their true shades of beige. Last week, @anthropologie posted a Maya Angelou quote in splashy colors as a “call for equality”. With any mention of the #BlackLivesMatter movement absent, Angelou’s words could be interpreted more along the lines of “All lives matter”, lest Anthro offend their primary target audience. In the comment section, oblivious fans clamored for it to be released as a t-shirt or a poster. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Also in the comment section— claims of deep discriminatory practices. The code names different retailers have used to profile POC shoppers have come to light in lawsuits over the years—Moschino’s “Serena”, Zara’s “special order”, or Versace’s “D410” (the merchandise color code they use for black shirts)—but Anthropologie’s is maybe the most insidious yet. Comments from multiple employees confirm that stores in California, Chicago, Seattle, NYC and Canada use the code name “Nick” to refer to Black shoppers. Associates report being told to watch Black shoppers, and Black shoppers also commented confirming having been followed while shopping in their stores. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Anthropologie followed up with a post of a black square and then some promises of action they’ll take. At the same time, more hypocrisy was taking place at the corporate level. While the retailer was posting about committing to diversifying their workforce, they were at the same time asking POC for free labor. On May 26th, Queer Black creator Lydia Okello ( @styleisstyle ) was approached by a producer to potentially partake in Anthro’s #sliceofhappy Pride month campaign in exchange for a free outfit. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Okello replied with their typical rates and ended up getting trapped in a back and forth volley with no resolution after being told there was no budget for an influencer of their level (22.8k followers). For a campaign aimed to express what happiness means, surely they could’ve anticipated that no one, especially in a month meant to celebrate them, is happy to work for free. • #blacklivesmatter #blm #anthropologie #anthropologiehome #anthro #retail #codename #work #free #influencer #microinfluencer #labor #dietprada

Das wirft bei einem selbst die Frage auf: Welche Brands man eigentlich supporten? Die, die einfach nur gut aussehen, aber auf die Umwelt scheißen oder sich nach Belieben an Black Culture zu bedienen, um ihr eigenes Image aufzupolieren? Oder die, die wirklich darauf erpicht sind, ihre Unternehmen nachhaltiger, diverser und besser zu gestalten?

Natürlich sollte die Antwort Zweiteres sein – blöd nur, wenn die eigene Lieblingsmarke nicht in dieses Schema passt. Wie also reagieren, wenn die Jeans, die man seit Jahren trägt, von einer Marke stammt, die in Bangladesch Arbeiter*innen ausbeutet? Oder das Shirt, das perfekt sitzt, von einer Brand ist, die gerade einen Shitstorm wegen Blackfacing geerntet hat? Oder das Make-up, das nach jahrelangem Suchen endlich zum eigenen Hautton passt, von Trump-Supporter*innen stammt?

#1 Hinterfragen, warum man die Marke eigentlich so gut findet

Der erste Step ist immer die Reflexion: Warum mag ich diese Fashionbrand überhaupt? Geht es mir wirklich um die Designs oder die Schnitte, die perfekt sitzen? Oder feiere ich die Marke nur, weil sie ein Image verkörpert, mit dem ich mich (bisher) identifizieren kann und konnte? Trage ich die Teile, weil ich wirklich von der Brand überzeugt bin – oder nur, weil ich glaube, dass ich durch das Tragen der Pieces cooler wirke?

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#2 Überlegen, was es über einen selbst aussagt, weiterhin Produkte dieser Marke zu kaufen

Wenn du gerade eher zu Punkt zwei und drei tendiert hast, frag dich: Fühle ich mich weiterhin wohl, die Marke zu supporten – obwohl sie gerade vielleicht wegen etwas in der Kritik steht, dass ich eigentlich nicht vertretbar finde? Fühle ich mich gut, das auffällige Logo einer Brand auf der Brust zu tragen, die von anderen Kulturen als der meinen klaut? Oder die ihren Kund*innen superviel Geld aus der Tasche zieht – ohne faire Löhne an die Menschen auszubezahlen, die das dementsprechende Kleiderstück genäht haben?

Dieses Pärchen beweist: Gut aussehen geht auch ganz ohne Brand-Logo zeigen.

#3 Vintage statt neu kaufen – und Alternativen von anderen Brands finden

Wenn du schon so langsam ein bisschen Bauchweh bekommst, überlege dir, ob du den Look, den du mit Pieces der Marke zusammen stellen möchtest, nicht auch auf andere Weise erlangen kannst. Basics, wie unifarbene Shirts, gibt es von Tausenden Marken. Geht es dir um Key-Pieces oder bestimmte Schnitte, die du so nicht bei anderen Brands finden kannst, hilft es, nach Second-Hand-Alternativen zu schauen: So profitiert die Marke selbst nicht von deinem Kauf und du schonst sogar noch die Umwelt, indem du nichts Neues in den Rachen des Konsumkreislaufes wirfst. Und wenn du wirklich das Gefühl hast, ohne dieses eine Produkt von dieser einen ganz bestimmten Marke nicht leben zu können, frag dich, ob du dafür vielleicht andere Dinge dieser Marke nicht brauchst. Sind Air-Force-Sneaker zum Beispiel dein Leben, trägst du sie eben – aber deine Socken, Jogger und dein Shirt kannst du locker auch von kleinen Indie-Brands kaufen, anstatt als komplette*r Nike-Jünger*in gebrandet durch die Straßen zu laufen.

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#4 Wir leben nicht umsonst in einem Zeitalter des Social-Media-Aktivismus: Kontakt suchen

So ziemlich jede Modemarke ist mittlerweile auf Social Media unterwegs – klar, ist neben Influencer-Werbung mit das beste Marketingtool. Heißt aber auch: Für Konsument*en ist es einfacher denn je, mit Brands in Kontakt zu treten. Dir fällt ein Missstand auf? Teile deine Meinung, verlinke die Brand, werde aktiv! Die Chance, dass andere Menschen ähnlich denken wie du, deinen Beitrag oder Tweet teilen und so die Aufmerksamkeit der Marke auf das Problem richten, ist groß. Denk immer daran: Du als Konsument*in hast die Macht, wie du dein Geld ausgeben willst – deswegen solltest du auch entscheiden können, wie das, was du trägst, produziert worden ist und für was dein Look steht!

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Quelle: Noizz.de