Diese Mädels kämpfen für saubere Mode.

Jana Kerkhoff ist 24. Sie studiert „Fashion and Textile Technologies“ in den Niederlanden. Mode, das war schon immer ihre Leidenschaft. Seit ihrem Studium beschäftigen sie aber besonders die dunklen Seiten der Branche: Ausgebeutete Arbeiter, Chemie in unserer Kleidung – der Preis, den wir für Billig-Kleidung zahlen.

Gemeinsam mit drei Freundinnen will sie mehr Menschen für nachhaltige Mode begeistern – mit dem Start-Up „Project Cece“. Jana managed die deutsche Webseite, die seit wenigen Wochen besteht.

Wie ihr kleines Unternehmen funktioniert, warum ein T-Shirt nicht 5 Euro kosten darf, und was die „Dreißigmal-Tragen-Regel“ ist, hat sie NOIZZ im Interview erklärt.

NOIZZ: Trägst du selbst nur nachhaltige Mode?

Jana Kerkhoff: Ich mache das im Mix. Erstmal versuche ich immer zu schauen, was ich wirklich brauche. Viele haben ja ,Shoppen‘ einfach als Hobby. Wenn ich dann Sachen sehe, die ich nicht unbedingt brauche, stelle ich mir immer die Frage: ,Würde ich das mindestens 30 Mal anziehen?' Wenn die Antwort ,Nein' lautet, fand ich es dann wohl doch nicht sooooo schön.

Und so denkst du schon immer?

Jana: Nein. Ich habe früher auch bei Primark gekauft, mit 15, 16. Ich habe erst durch mein Studium die Frage gestellt: Welchen Weg geht eigentlich ein T-Shirt, bevor es im Laden hängt? Und was für Auswirkungen hat das auf die Umwelt?

Und was genau bedeutet Nachhaltigkeit?

Jana: Nachhaltigkeit hat drei Facetten. Erstens: Die Materialien. Baumwolle zum Beispiel benötigt in der Herstellung unheimlich viel Wasser und Chemikalien. Das ist schlecht für die Umwelt – und für uns. In vielen Kleidungsstücken sind auch toxische Färbemittel. Durchs Abwasser läuft das zum Beispiel ins Grundwasser. Eine große Designerin hat mal gesagt: Die Modebranche ist die zweit-umweltschädlichste Branche nach der Öl-Industrie.

Facette Nummer zwei wäre...

Jana: Die Menschen, Arbeiter, die ausgebeutet werden. Soziales gehört auch zur Nachhaltigkeit. Viele große Konzerne produzieren da, wo es am günstigsten ist – zum Beispiel in Myanmar oder Bangladesch. Die Menschen dort haben keine Möglichkeit, über ihre Arbeitsbedingungen zu verhandeln – sie sind auf das Geld angewiesen, das sie dort bekommen, um ihre Familien zu ernähren. Das kann in solchen Katastrophen enden wie dem Zusammensturz der riesigen Fabrik in Bangladesch. An den Sachen von beispielsweise Primark klebt also im wahrsten Sinne des Wortes Blut.

(Anm. d. Red.: 2013 stürzte in Bangladesch die Textilfabrik Rana Plaza ein, mehr als tausend Menschen starben. Es waren zuvor Risse im Gebäude entdeckt worden – die Arbeiter wurden trotzdem angewiesen, zur Arbeit zu kommen.)

Und drittens?

Der Profit. Ich weiß, das klingt immer unschön. Aber wir müssen alle Geld verdienen. Fast Fashion Marken wie H&M schlagen ein Vielfaches mehr auf den Einkaufspreis auf als nachhaltige Marken. Bei nachhaltigen Marken ist das längst nicht so viel. Die meisten von ihnen haben keine Geschäfte, sind nur online – und müssen deswegen zum Beispiel keine Miete zahlen. Außerdem haben sie keine Ausgaben für riesige Marketingkampagnen.

Und wie verdient man mit nachhaltiger Mode dann Geld?

Auch nachhaltige Marken schlagen natürlich etwas drauf. Aber längst nicht so viel wie H&M, Zara und Co. Unser Projekt funktioniert über ein sogenanntes Affiliate-Programm: Wir haben Veträge mit verschiedenen nachhaltigen Marken. Die stellen wir vor und präsentieren ihre Kleidung. Das machen wir auf Instagram, Facebook, unserer Webseite. Jedes Mal, wenn jemand durch uns auf ein Produkt dieser Marken kommt und es kauft, bekommen wir eine Provision.

Trotzdem: Nachhaltige Kleidung ist wesentlich teurer als zum Beispiel H&M-Produkte. Was ist DAS Argument, sich trotzdem dafür zu entscheiden?

Klar ist das leider noch immer teurer. Umso wichtiger ist es aber, mehr Menschen zu motivieren, einen Aufpreis zu bezahlen. Wenn man Arbeiter gut bezahlen will, muss das auch irgendwo herkommen. Die Gesellschaft muss davon abkommen, dass ein T-Shirt nur 5 Euro kostet. Das geht nicht! Nachhaltige Mode ist nicht nur besser für die Arbeiter und die Umwelt, sondern auch für uns. Es ist noch nicht abschließend erforscht, welche genauen Auswirkungen zum Beispiel die ganzen Chemikalien in Kleidung auf die Gesundheit haben. Aber ein Zusammenhang mit Hautausschlägen bis hin zu Krebs ist nicht ausgeschlossen.

Und außerdem: Nachhaltigkeit ist genauso modisch wie Sachen von Zara und H&M! Das wollen wir mit „Projekt Cece“ auch beweisen.

Quelle: Noizz.de