Philipp Plein hat Beef mit Ferrari und eine pfiffige Idee, sich doch noch mit dem Luxusautohersteller zu einigen. Abgesehen davon demonstriert der Münchner Designer ein Macho-Luxus-Prollobild, das nicht nur sexistisch, sondern irgendwie auch voll daneben ist. Trotzdem verkauft er seine Klamotten an Kim Kardashian und Co. Wie konnte es nur soweit kommen?!

Angefangen hat alles mit einem Hundebett. So hat Modedesigner Philipp Plein seine erste Millionen in der Fashionwelt gemacht. Danach hat er Bundeswehrjacken für 3,50 Euro das Stück aufgekauft, ein paar geschmacklose Swarovski-Kristall-Totenköpfe drauf geklebt, damit noch mehr Million gemacht – und nebenbei irgendwie den Fashion-Nerv von Promis wie Kim Kardashian, Jada Pinkett Smith, Rihanna oder Tyga getroffen. Viel hilft eben viel.

>> Wieso bei GNTM niemals ein Curvy-Model gewinnen wird

Philipp Plein ist zurzeit einer der erfolgreichsten kommerziellen deutschen Designern – und das mit Kreationen wie diesen, die er dann für bis zu circa 8.000 Euro pro Jacke verkauft:

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Das muss man sich mal vorstellen. Aber die Causa Philipp Plein endet nicht mit reinem Geschmacksverlust und modischem Irrsinn, der trotzdem irgendwie Massen in Fashionista-Ekstase versetzt. So etwas könnte mir ja noch egal sein. Der gebürtige Münchner mit Wahlheimat in Lugana, sowie den US-Highlife-Metroplen New York und Bel Air, verkörpert einen Lifestyle, der spätestens im Apokalypsenjahr 2020 nicht mehr stillschweigend hingenommen werden kann.

Philipp Plein ist sexistisch, arrogant, ein Prollo, Macho und tut auch noch so als wäre er der König der Welt

Sehr wahrscheinlich wird ihm all das egal sein, denn: Dieses Image trägt seine Marke. Fragt sich nur, wieso gerade darauf Millionen Menschen freiwillig stehen. Beginnen wir mal mit seinem jüngsten Eklat, der ihn in die Google Trends katapultiert hat: sein Beef mit Ferrari. Dafür müssen wir ein paar Jahre zurückgehen.

Wie jeder Mann mit einem gewissen Selbstfindungsproblem, steht auch Philipp Plein sehr auf Statussymbole, die zeigen: Ich habe Money, ich bin megaerfolgreich. Also kauft er sich einen Ferrari-Flitzer, aber nicht irgendeinen in Rot oder Gelb, das kann ja jeder. Philipp Plein besorgt sich eine atemberaubend giftgrüne Rennkarre, vor der nicht nur er sehr oft posiert, sondern auch leicht bekleidete Models in seinen neusten Modekreationen, die man Outfit nennen kann, und kreierte daraus eine Werbekampagne.

So sieht der gute Schlitten aus:

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Das fand Ferrari nicht so prickelnd (wer will auch schon mit dieser Mode in Verbindung gebracht werden?) und verklagte den Modedesigner – weil er unerlaubt die Marke Ferrari für Werbezwecke seiner eigenen Marke verwendet habe. Plein hingegen argumentiert, es sei ja sein privater Wagen und eigentlich egal, was er damit anstelle. Womit er vielleicht auch irgendwie recht hat.

Die italienischen Gerichte sehen das allerdings eher so wie das Traditionshaus Ferrari. Das Mailänder Gericht verurteilte ihn nach gut zwei Jahren Rechtsstreit dazu, 200.000 Dollar, umgerechnet rund 176.800 Euro an den Autohersteller zu zahlen. Plein ist damit natürlich nicht happy, weiß aber, clever, wie er ist, das für seine Zwecke zu nutzen, und spielt die Wohltätigkeitskarte. Und ich muss fast kotzen, auch wenn es etwas Gutes an sich ist.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Statt Ferrari 200.000 Dollar in den Rachen zu schieben, will Plein das Geld lieber im Namen Ferraris spenden – am liebsten an den "Gianna Floyd Fund", der für die hinterbliebene Tochter des verstorbenen US-Amerikaners George Floyd Geld sammelt. Dass Plein Charity unterstützt ist nichts Neues und an sich sehr löblich, allerdings ist die Art und Weise, wie er dies tut, einfach nur so unfassbar ... eklig.

>> Kanye spendet 2 Millionen US-Dollar – unter anderem für das Studium von George Floyds Tochter

Damit ihr besser versteht, was ich meine, hier ein kurzer Ausschnitt aus seinem Auftritt in der ProSieben-Show "Late Night Berlin" mit Klaas Heufer-Umlauf:

An dieser Stelle findest du Inhalte aus YouTube
Um mit Inhalten aus YouTube und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Dort designt er mit dem Moderator einen Tag vor dem "Germany's Next Top Model"-Finale eine Jacke, so wie er es sonst immer tut: Es ist eine Bastelstunde. Glitzersteine werden an die olle Lederjacke geklebt und Gold drüber gesprüht. Kann das gesund sein? Wohl kaum. Erklärt aber vielleicht, wie danach passieren kann.

Die "teuerste Jacke der Welt" soll versteigert werden, die Einnahmen sollen an die Arche gehen, eine Organisation, die sich für bedürftige Kinder einsetzt. Nice Aktion, würde Plein mit seinem Ego und seiner Prahlerei nicht so unfassbar unsympathisch wirken. Der Akt Nächstenliebe wird bei ihm zur Egonummer, die er einfach nur auf sich bezieht. Getreu dem Motto: "Seht her, was ich für ein guter Mensch bin!" Ähnlich wirkt nun auch seine Ferrari-Aktion.

Aber da hört der Egozentrismus nicht auf

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Apropos "Germany's Next Top Model" (GNTM): Seit 2008 ist Plein regelmäßig in der Sendung zu Gast. Ob Heidi seine Mode auch mag, oder Plein einfach nur viel zu medienwirksam ist, sei hier einmal dahingestellt. Allerdings war der Münchner in der aktuellen Staffel, die gerade erst zu Ende gegangen ist, in gleich zwei sehr unschönen Szenen involviert, die seinen Macho-Lifestyle und seine Arschloch-Attitude par excellence zeigen. Schlimmer noch: Sie zeigen, dass er das gar nicht schlimm findet.

Fall Nummer eins: GNTM-Kandidatin Tamara galt lange als absolute Favoritin. Doch ihr Untergang begann mit Philipp Plein. Er buchte das Nachwuchsmodel für seine pompös inszenierte Fashionshow auf der Mailänder Fashion Week. Eine einmalige Chance für das junge Model, die dementsprechend krass nervös war und noch nie zuvor eine riesige Fashion-Week-Show absolviert hatte. Kurzerhand flog sie von Los Angeles nach Mailand, ohne eine Pause, ging zum Fitting und sollte den neun Minuten langen Walk in Heels und Leooutfit absolvieren.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus YouTube
Um mit Inhalten aus YouTube und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Irgendwie sind da Verstolperer vorprogrammiert. Das ist natürlich suboptimal, weil das dein Job als Model ist. Ja, Philipp Plein hat megaviel Geld in diese Show gepumpt, auch er ist wohl gestresst. Aber die Art und Weise wie er dann das Nachwuchsmodel fertig macht, keine konstruktive Kritik gibt, sondern sie nur als Objekt seiner Vorstellung von dem, was sexy ist sieht, ist unter aller Sau gewesen.

Tamara darf am Ende doch laufen. In flachen Schuhen, ein Weltuntergang für Plein. Und noch schlimmer: Er schickt danach eine Videobotschaft an Heidi Klum, wo er in Manspreading-Pose sagt: "Ich habe sie nur laufen lassen, weil Heidi und ich so gute Freunde sind."

Wer glaubt, das sei schon genug an Arschloch-Verhalten und latentem Sexismus aus dem Hause Plein, habe ich noch etwas für euch, wieder made by GNTM. Fall Nummer zwei: Gewinnerin Jacky, die "das große Glück, die einmalige Chance" hatte, Philipp Pleins neues Parfum "No Limits" bewerben zu dürfen.

Das sah dann so aus:

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Da wird das Model einfach zum sexy Accessoire im Hintergrund von Pleins martialischer Autofantasie inklusive Flammen. Zur Erinnerung: Das war ihr erster offizieller Modeljob, nachdem sie das Format gewonnen hatte. Selbstredend ist GNTM an sich natürlich nicht bekannt dafür, ultrafeministisch zu sein, aber diese Art von Siegesprämie ist ja wohl mal so was von fehl am Platz.

Als die Topmodel-Gewinnerin das Video der Kampagne auf ihrem Instagram-Account teilte, hagelte es negative Kommentare. Sie sehe zwar toll aus, aber viele Fans hofften auch, dass sie in Zukunft solche sexistischen Jobs nicht mehr nötig habe. Wenig später ersetze sie den ursprünglichen Post mit einem Making-of-Video zum Spot. Und was sagt Plein selbst dazu? Der schweigt. Und das ist natürlich auch ein Zeichen.

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

>> Mailand Fashion Week: Philipp Plein liefert Kobe-Bryant-Tribut ab – und die Leute hassen es

Stellt sich nur die Frage: Was sagt so etwas über die Leute aus, die Klamotten von Philipp Plein tragen?

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Instagram und anderen sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Den Erfolg seiner Klamotten, Handtaschen und Schuhe kann ich mir zumindest nur so erklären: Stars wie Kim Kardashian und Rihanna finden vielleicht einmal die Lederjacke mit Totenkopf oder Neonheels in Kombi mit einem schlichten Restoutfit geil. Aber sie würden sich niemals all over in diesem Stil einkleiden. Was davon aber bleibt, ist: Rihanna trägt Philipp Plein. Also wollen auch alle anderen es tragen.

Hinzukommt, dass die Dicke-Eier-Masche leider noch immer bei vielen Menschen viel zu gut ankommt. Fake it till you make it. Was wäre eigentlich passiert, wenn Philipp Plein das mit dem Jurastudium durchgezogen hätte? Wir werden es niemals erfahren ...

  • Quelle:
  • Noizz.de