NOIZZ of Berlin #4: Hermannplatz

Genna-Luisa Thiele

Popkultur, Psycho
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Beatriz aus Porto Santo vor der Karstadt-Fassade am U-Bahnhof Hermannplatz Foto: Ney Tran / NOIZZ.de

„Der beste Mix ever“ für die einen, „Kulturschock“ für die anderen.

Der Hermannplatz im Norden Neuköllns ist berühmt, berüchtigt, bekannt, beliebt. Schmutzig, dreckig, aufregend, lecker, laut, voll. Gentrifiziert und hipsterisiert, hängengeblieben und asozial.

Die einmündenden Straßen ein Spiegel der Stadt: Hermannstraße, Hasenheide, Urbanstraße, Kottbusser Damm, Sonnenallee, Karl-Marx-Straße. Das Tor zu Neukölln, nur einen Katzensprung nach Kreuzberg, zum Kottbusser Tor.

Die einfahrenden U-Bahnlinien sind Legenden: Die mit 40 Stationen längste U-Bahn-Linie U7 hat ihren Knotenpunkt zwischen Rudow und Spandau am Hermannplatz und macht, genau wie die U8, öfter Schlagzeilen mit Messer-Stechereien und Schlägereien.

Unterirdisch glotzt die grell-gelbe Fliesenwand. Und überirdisch?

Es riecht nach Baklava und stinkt nach verschüttetem Bier, auf dem Boden klebt Konfetti zwischen eingetretenen Kippen und Scherben von kaputten Wodkaflaschen. Es wird mit dem geleasten Mercedes gehupt und mit dem geklauten Fahrrad geklingelt, es wird mit den Ellenbogen gerempelt und mit den Marktverkäufern um die Wette – und den höchsten Rabatt – geschrien.

Mittendrin treffen wir für NOIZZ of Berlin Menschen, die den Style der Stadt tragen – und uns verraten, was sie an den Orten anzieht oder abstößt, an denen wir sie finden.

Falls euch das Format gefällt, checkt es aus auf Instagram unter dem Hashtag #NOIZZofBerlin oder auf unserem neuen Instagram-Kanal @dailyNOIZZ.

Yotam Pfeffermann, 19, arbeitet bei Arket am Kurfürstendamm (ursprünglich aus Tel Aviv, Israel)

Foto: Ney Tran / NOIZZ.de

„Der Hermannplatz ist so laut, super schmutzig und anti-deutsch und genau das liebe ich. Das erinnert mich an mein Zuhause. Ich bin eigentlich nach Deutschland gezogen, weil hier doch angeblich alles so ordentlich und organisiert ist, aber der Hermannplatz ist da krass anders.

Hier hast du die Hipster, die cool Kids, die Einwanderer, die alten Deutschen, die hier schon immer gelebt haben – so abwechslungsreich und vielfältig ist es nirgendwo anders in Berlin. Der beste Mix ever!

Foto: Ney Tran / NOIZZ.de

„Der Mantel ist ein Original Burberry aus einem Second-Hand-Laden in Kopenhagen. Ich habe ihn gefühlt ewig gesucht. Er musste den richtigen Style haben, in einem guten Zustand sein und durfte kein Vermögen kosten. Der hier ist perfekt – und er hat nur 48 Euro gekostet. Das neue Logo von Burberry ist übrigens grässlich. Da habe ich erst kürzlich mit einem Kollegen drüber geredet. Alles verändert sich in der Mode, und glaubt mir, nicht in die richtige Richtung.“

„Mein Name bedeutet so viel wie Gott ist unschuldig. Ich bin ehrlich kein Fan davon, ich bin so gar nicht religiös.“

Für artsy-fartsy vibes folgt Hobby-Model Yotam auf Insta:

Dicko, 19, Tänzerin

Foto: Ney Tran / NOIZZ.de

„Ich jumpe eigentlich immer nur in die Bahn, aber auf dem Weg hole ich hier immer Obst für meine ganze Familie, Mango, Feigen, Datteln. Ich liebe den Markt hier am U-Bahnhof Hermannplatz! Die Früchte hier sind so billig, aber sehr lecker.“

„Meine Tanzschule ist auch hier am Hermannplatz. Ich bin gerade dabei, Tanzen zu meinem Beruf zu machen. Ich tanze seit 14 Jahren, habe im Kindergarten angefangen mit Ballett und Modern Dance. Heute tanze ich am liebsten Hip Hop und Freestyle.“

Foto: Ney Tran / NOIZZ.de

„Die Ohrringe sind ein Souvenir aus meinem Heimatland Mali, wo ich drei Wochen zu Besuch war. Die Jacke ist von Vino Kilo Vintage – die touren durch Städte, haben keinen festen Laden. Das Shirt ist von Juste Debout, das ist ein internationaler Street-Dance-Wettbewerb in Frankreich.“

Konstantin, 20, The Klub Kitchen

Foto: Ney Tran / NOIZZ.de

„Der Hermannplatz ist mein Hotspot, um mich mit Freunden zu treffen. Wir chillen hier immer am U-Bahnhof, ziehen dann weiter um die Häuser. Boah, es gibt viele gute Momente hier. Und natürlich das Essen.“

Foto: Ney Tran / NOIZZ.de

„Den Ring habe ich von einem Fremden im Club geschenkt bekommen. Heute sind wir gute Freunde. Für mich ein Symbol von Menschlichkeit. Den ersten Ring hat mir meine Freundin geschenkt. Sie hat mir übrigens auch den Haarschnitt verpasst.“

Konsti kriegt im Club nicht nur Ringe geschenkt, sondern legt auch als Techno-DJ auf. Hört rein auf Instagram und Soundcloud!

Daumantas, 22, Digital Graphic Designer (ursprünglich aus Litauen)

Foto: Ney Tran / NOIZZ.de

„Ich wohne zwar erst seit einem Tag mit meiner Freundin hier am Hermannplatz und war gerade im Supermarkt shoppen. Ich staune jetzt schon, wie warmherzig die Leute hier drauf sind. Ich würde nicht sagen, dass es ein Kulturschock für mich ist, das wäre zu hart, aber ehrlich gesagt ist der Block hier sehr multikulti, anders, als ich das zuhause kenne. Super spannend, dieses kontrollierte Chaos hier im Kiez. Ich mag das total.“

Foto: Ney Tran / NOIZZ.de

„Die Bauchtasche und der Beutel sind von einem coolen Label aus Litauen. Der Schriftzug heißt „Guter Tag“ auf Lettisch. Ich stehe auf Orange, wie ihr bestimmt sehen könnt.“

Daumantas designt richtig geile grafische Karren – checkt seine Kunst auf seinem Instagram-Account:

Beatriz, 18, Informatik-Studentin (ursprünglich aus Porto Santo, Portugal)

Foto: Ney Tran / NOIZZ.de

„Meine Freundin Márcia und ich sind auf Interrail-Tour, seit einem Tag hier. Wir waren in Paris und Marseille. Da habe ich auch meine Jacke her, aus einem Second Hand Shop.“

Foto: Ney Tran / NOIZZ.de

„Wir fangen gerade erst an, Berlin richtig zu entdecken. Wir bleiben drei Tage. Wir waren noch nie hier, wollten das unbedingt mal sehen. Auf den ersten Blick ist der Hermannplatz voller Menschen, das gefällt mir. Es gibt eine Menge Food Trucks, das kenne ich so gar nicht. Das probiere ich gleich mal aus mit Márcia.“

Foto: Ney Tran / NOIZZ.de

Márcia, 18, Filmstudentin (ursprünglich aus Porto Santo, Portugal)

Foto: Ney Tran / NOIZZ.de

„Meine Freundin Beatriz und ich sind gerade erst angekommen, haben noch nicht so viel gesehen. Wo ich herkomme, ist es nicht so voll und laut, aber ich mag es. Ich komme von einer sehr kleinen portugiesischen Insel im Atlantik, nahe Madeira. Da ist nicht so viel los. Das ist schade. Außerdem gibt es hier jede Menge Essen – und ich liebe Essen.“

Foto: Ney Tran / NOIZZ.de

„Meine Eltern haben mir diese Kette geschenkt, als ich sechs Jahre alt war. Damals war es nämlich mein größter Traum, Delfine zu sehen. Der Stein steht für Motivation. Und die Muschelkette ist von einer meiner engsten Freundinnen. Sie wird bald ins Ausland gehen. Ich werde sie vermissen.“

Márcia heißt übersetzt übrigens Pfeffer – deswegen auch ihr Instagram-Name …

#NOIZZofBerlin soll übrigens nicht nur Porträts von aufsehenerregenden Bewohnern und Besuchern Berlins einfangen, sondern auch Eindrücke (ihrer) Orte.

[Mehr dazu: NOIZZ of Berlin #2 am Kottbusser Tor]

Falls ihr Vorschläge für solche Schauplätze habt, schreibt sie uns, und wir nehmen sie in unsere Bucket List auf!

Quelle: Noizz.de

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