Auf der Fashion Week in Berlin haben wir grandiose Brands entdeckt.

Die Mode-Industrie weltweit ist einer der größten Verursacher von Umweltschäden: Rohstoffanbau, Verarbeitung, Produktion, Transport – all das belastet das Klima schwer. Außerdem kämpft die Branche mit einem sehr negativen Image: Billigproduktion in Entwicklungsländern und der Verkauf zu Dumpingpreisen, der regionale kleine Firmen unter Druck setzt oder ruiniert.

Doch es gibt Hoffnung. Der Bereich Sustainable Fashion, nachhaltige Mode, ist eines der am schnellsten wachsenden Marktsegmente in der ansonsten stagnierenden weltweiten Modebranche. Kleine Firmen und Start-ups suchen nach neuen Wegen, um besser, umweltschonender und verantwortungsvoller zu produzieren und dabei trotzdem wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Mittlerweile zeigt sich: Nachhaltig produzierte Mode muss nicht unbedingt teuer sein. Im Gegenteil, sie kann es preislich und qualitativ ohne Weiteres mit der Ware der großen Modeketten aufnehmen – und sieht dabei glücklicherweise null nach Öko aus.

Diese fünf Beispiele direkt von der Berliner Fashion Week zeigen, wie sich die Mode-Branche in den kommenden Jahren entwickeln könnte, wenn mehr Unternehmen verantwortungsvoll und nachhaltig produzieren.

1. nae

Diese Sneakers bestehen aus altem Ozean-Plastik Foto: Philipp Blanke

Das Unternehmen "nae" aus Portugal produziert vegane, sytlische Schuhe und Sneaker aus Reycling-Müll und nachwachsenden Rohstoffen. So gibt es Schuhe aus portugiesischem Kork, deren Sohlen aus recycelten Motorradreifen bestehen. Für die Riemen anderer nae-Schuhmodelle werden getrocknete Ananas-Blätter verwendet. Das Plastik aus der nae-Sneakers besteht aus recyceltem Ozean-Plastik. Ein Paar kostet zwischen 65 Euro und 120 Euro. nae-vegan.com

Portugiesischer Kork und Ananas-Blätter werden ebenfalls als Materialien verwendet. Foto: Philipp Blanke

2. Erdbär

Erdbär verwendet nur GOTS zertifizierte Baumwolle. Foto: Philipp Blanke

"Erdbär", eine Firma aus Salzburg sieht sich selbst als "Worldchanger". Das 21-köpfige Unternehmen produziert und kreiert lässige Freizeitmode. Die Prints auf den Shirts werden in stundenlanger Handarbeit auf Papier gezeichnet und anschließend digitalisiert. Produziert wird vor allem in Griechenland und Portugal sowie in einer besonders zertifizierten und kontrollierten "Green Factory in Indien".

Der Produktionszyklus ist biologisch, CO2-neutral und fair. Es werden ausschließlich Stoffe mit GOTS-Zertifikat verwendet (GOTS = Global Organic Textile Standard). Die Stücke kosten zwischen 29 Euro (für ein T-Shirt) und 149 Euro (für einen Freizeit-Blazer). erdbaer.eu

3. degree clothing

Die weltweit ersten nachhaltig produzierten Haargummis: made in Augsburg Foto: Philipp Blanke

Einige junge Idealisten hatten die Marke 2014 in Augsburg gegründet. "degree" steht für nachhaltige, urbane Streetfashion. Shirts, Sweater, Hosen und Accessoires stellt das 20 Personen starke Unternehmen her. Mittlerweile gibt es auch zwei Flagshipstores, in Suttgart und Augsburg. Ein besonderer Verkaufsschlager des Unternehmens ist der weltweit erste nachhaltige Haargummi aus 88 Prozent Baumwolle und nur 12 Prozent Elastan. Produziert wird unter Verwendung türkischer Bio-Baumwolle in Portugal und in Deutschland (Augsburg). Ein Sweatshirt kostet 59,95 Euro, ein Pullover-Kleid 79,95 Euro und Hosen um die 39,95 Euro. degreeclothing.de

Die Kreationen von degree können mit den Preisen der konventionellen Konkurrenz mithalten. Foto: Philipp Blanke

4. lefrik

Die Rucksäcke werden aus alten Plastikflaschen hergestellt Foto: Philipp Blanke

Das fünf Personen starke Unternehmen aus Madrid produziert stylische Rucksäcke und Taschen aus alten Plastikflaschen. Der Produktionsort ist China. Das hat hier jedoch zwei Gründe die nichts mit Billigproduktion zu tun haben: Zum Einen hat China heutzutage die meiste Erfahrung in Wertstoffverarbeitung und Recycling. Und zum Zweiten wurde Jahrzehnte lang der Plastikmüll der Industrienationen in China entsorgt. Flapsig gesagt: Der Müll ist also schon da, jetzt wird er dort zu hochwertigen Taschen verarbeitet.

"Lefrik" hat 2018 nach eigenen Angaben 50.000 Taschen produziert. Dafür wurden aus 650.000 Plastikflaschen 9,7 Tonnen PET-Garn gewonnen. Bei dem Prozess wurden 40 Tonnen CO2 und 60 Tonnen Wasser eingespart. Die Rucksäcke und Taschen kosten zwischen 35 Euro und 100 Euro. lefrik.com

5. goodsociety

Die das Wasser, das bei der Produktion der Jeans von goodsociety verwendet wird, wird zu 90 Prozent wieder verwendet. Foto: Philipp Blanke

Gegründet wurde das Denim-Label "goodsociety" 2007 in den USA und steht seitdem für nachhaltige Lifestyles, stilvolles Design und natürliche Materialen. Laut Angaben des Unternehmens werden 95 Prozent der verwendeten Materialien in Italien kreiert und hergestellt. Weiteres Produktionsland ist Tunesien. Der gesamte Produktionsprozess und die Zulieferer werden ständig überprüft.

Zur Verwendung kommt auch hier nur GOTS zertifizierte Baumwolle ohne Pestizide oder giftige Chemikalien. 90 Prozent des bei der Produktion benötigten Wassers werden wieder verwendet und jedes Jahr fließen 25 Prozent der Unternehmensgewinne an Gruppen und Institutionen, die "einen vielfältigen Nutzen für Mensch und Umwelt schaffen". Die Jeans-Hosen und Hemden kosten zwischen 129 Euro und 159 Euro. goodsociety.org

---

Die fünf Beispiele zeigen: Wer sich nachhaltig kleiden will, sticht nicht sofort wie noch vor einigen Jahren als Klischee-Öko aus der Gruppe heraus. Nachhaltige Mode kann gut aussehen, und rein vom Kopf her wissen wir alle: Es ist der einzige Weg für die Menschheit. Die Ausreden "zu teuer" und "sieht scheiße aus" gegen Sustainable Fashion ziehen also beim Shoppen spätestens jetzt nicht mehr.

>> Du willst den Klimawandel stoppen? Dann leg dein Steak zurück in die Kühltheke

>> Klimaschutz: Mein Konsum macht doch kaum einen Unterschied – oder?

Quelle: Noizz.de