Wie das funktioniert und warum das so wichtig ist, hat uns Manuel Abraas von Sea Shepherd Deutschland erklärt.

Du dachtest bisher immer, Wale gäbe es nur in den richtig großen Welt-Ozeanen, aber nicht vor unserer eigenen Haustür? Und du dachtest bisher auch, in der Ostsee würde nichts anderes schwimmen, als Badeurlauber, Quallen, ein paar kleine Fische und Robben? Dann wollen wir dir den süßen „Gewöhnlichen Schweinswal“ vorstellen, der im Ostseeraum beheimatet ist.

Noch beheimatet, muss man leider sagen, denn der goldige Schweinswal ist vom Aussterben bedroht.

Weniger als 500 Exemplare gibt es noch von dem nett aussehenden Zahnwahl – eine erschreckend geringe Zahl.

Der Grund: Grundstellnetze, in denen die Kleinwale immer wieder als Beifang verenden. Seit über zehn Jahren verlangen Wissenschaftler, den Beifang auf null zu reduzieren, damit sich die sinkenden Populationen erholen können. Trotzdem ist die Stellnetzfischerei in der Ostsee noch immer erlaubt.

Dem unnötigen Sterben der Wale will die Umweltorganisation Sea Shepherd mit der neuen Kampagne „Perkunas Baltic Sea“ etwas entgegensetzen, unterstützt wird sie dabei von der deutschen Modemarke Jeckybeng. Das Urban-Outdoor-Fashion-Label hat in Kollabo mit Sea Shepherd nämlich die ziemlich freshe „Perkunas"-Jacke herausgebracht, aus deren Erlös pro verkaufter Jacke direkt 100 Euro in die Erhaltung des marinen Ostsee-Ökosystems fließen. Kann man mal machen, um Wale zu retten!

Wir haben bei Manuel Abraas, dem Geschäftsführer von Sea Shepherd Deutschland, nachgefragt, wie die Kampagne ablaufen wird – und warum sie so wichtig ist:

Manuel, wie wird die Mission „Perkunas Baltic Sea“ ablaufen?

Manuel Abraas: Das Jahr 2019 werden wir nutzen, um unser Basiswissen über die Ostsee zu verbessern. Wir wollen an Unis gehen, an denen Meeresbiologen oder andere Meeres-Experten zu Hause sind und diese befragen, um so genauer unsere Einsatzmöglichkeiten in der Ostsee planen zu können. 2020 werden wir dann gestärkt in die Ostsee zurückkehren. Aufgabe der Crew wird es dann zum Beispiel sein, die Schutzgebiete in der Ostsee auf illegale Aktivitäten zu kontrollieren, Geisternetze zu entfernen, bei Bedarf mit den zuständigen Behörden kooperieren und die Öffentlichkeit über die Situation in der Ostsee aufklären.

Wie viel finanzielle Unterstützung braucht Sea Shepherd und wie lange soll das Schiff eingesetzt werden?

Manuel: Wir müssen hier sicher einen Zeitraum von drei bis vier Monaten auf See einplanen. Die Kosten bewegen sich zwischen 50 und 75 Tausend Euro.

Wie steht es mit der Walpopulation allgemein im Ostseeraum, wie viele Arten sind hier heimisch?

Manuel: In der Ostsee spricht man von zwei Schweinswalpopulationen, die dort heimisch sind. Einmal wäre da die Population in der westlichen Ostsee, hier geht man Schätzungen zufolge von einem Bestand von circa 11.000 Tieren aus, ehemals sollen es bis zu 30.000 Tiere gewesen sein. In der zentralen bis östlichen Ostsee gibt es eine weitere Population, die nur noch circa 460 Tiere beträgt – von ehemals circa 5500 Tieren. Hier ist es also fünf vor zwölf, denn Experten sagen, von dieser Population dürfen jährlich nur zwei Tiere im Beifang verenden, damit sie überleben kann.

Wie hoch die Beifangzahlen wirklich sind, kann niemand genau sagen, denn es gibt kein umfassendes Monitoring. Ergänzend muss man wissen, das diese beiden Populationen sich nicht mischen. Man kann also nicht einfach behaupten, wenn die kleinere Population ausgestorben ist, wird sie durch die verbleibende ersetzt. Wenn die östliche Population erstmal ausgestorben ist, wird es dort keine Wale mehr geben! Heißt mit anderen Worten, das Gebiet ungefähr ab Rügen bis hoch zu den baltischen und skandinavischen Staaten wird dann „Wal-frei“ sein und somit um eine weitere Spezies ärmer.

Wer wäre in Deutschland politisch für ein Verbot der Stellnetze verantwortlich?

Manuel: Zuerst einmal das Bundesumweltministerium. Um einen echten Schutz zu erlangen, müssten allerdings alle Anrainerstaaten dieses Verbot mittragen. Hier ist also auch zwingend die EU als Ganzes in der Verantwortung.

Die Jeckybeng x Sea Shepherd „Perkunas“-Jacke kostet 399 Euro. Was kann ich als Otto-Normal-Verbraucher tun, wenn ich mir die 400-Euro-Jacke nicht leisten kann?

Manuel: Druck auf die zuständigen Politiker und Behörden ausüben, generell keinen Fisch mehr essen, weitestgehend auf Plastik verzichten, denn auch unser Müll ist eine Bedrohung für alle Meerestiere! Freunde und Verwandte über die schlimme Situation in der Ostsee aufklären uns so eine größere Öffentlichkeit herstellen.

Mehr Infos zur „Perkunas Baltic Sea“-Kampagne findet ihr auf der Website von Sea Shepherd Deutschland, zur coolen Jacke von Jeckybeng geht es hier entlang.

Quelle: Noizz.de