Dass Handtaschen nur für Frauen* sind, ist eines dieser längst überholten Klischees, bei denen man sich fragt, wie sie überhaupt entstehen konnten: Immerhin haben Boys genauso viel Zeug, dass sie mit sich rumtragen müssen – und auch nur begrenzt Platz in ihren Hosentaschen. Zum Glück räumen Männer mit den Vorurteil, Handtaschen seien was für Girls, gerade auf und zeigen, wie fresh verschiedene Accessoires in die Menswear integriert werden können.

Schlüssel, Smartphone, Geld, Sonnenbrille, Kaugummis: Alles Dinge, die man(n) so mit sich rumschleppt. Dass es viel entspannter ist, alles in einer richtigen Bag zu transportieren, anstatt ständig in Jacken- und Hosentaschen rumzuwühlen, scheinen mittlerweile auch Typen zu wissen: Wie Auswertungen der Mode-Suchmaschine Lyst zeigen, wächst das Interesse an Männertaschen stetig.

Lyst hat unter die Lupe genommen, welche Accessoires Typen von 2015 bis heute so online suchen und shoppen – von Rucksack über entspannten Brustbeutel bis Luxus-Handtasche. Crazy: In den Jahren 2015 und 2016 gaben Männer durchschnittlich gut 500 US-Dollar pro Tasche aus – man gönnt sich ja sonst nichts. Besonders beliebt: Rucksäcke, Fanny Bags und Clutches mit erkennbarem Markennamen oder in auffälligen Colorways – klar, dass so ein schniekes Accessoire ein komplettes Outfit aufwerten kann. Mittlerweile sind Männerhandtaschen zum Glück kein Nischentrend mehr, sondern im Mainstream angekommen. Preiswerte Varianten finden sich von so ziemlich jeder Brand, besonders beliebt unter den Herren der Schöpfung, sind aber immer noch große Namen wie Gucci, Prada und Balenciaga. Wir haben uns die Entwicklung der vergangenen Jahre mal genauer angeschaut.

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2015: Quadratisch, praktisch, gut – das Jahr des Rucksacks

Symbolbild: Rucksack

Im Jahr 2015 verzeichnet Lyst die ersten Anstiege bei Suchanfragen nach Männertaschen. Damals schienen die Boys aber noch nicht so mutig, was genderfluide Fashiontrends angeht. Beliebt waren nämlich vor allem Rücksäcke. Die sind unisex, praktisch und easy.

2016: Why not – die Männer-Clutch betritt die Bühne

Paris Fashion Week

Doch schon 2016 dann die komplette Trendwende: Statt Outdoor-geeignetem Bagpack dachte sich der ein oder andere wohl, dass es Zeit sei, die so ziemlich unpraktischste Tasche der Welt auszuprobieren: Die CLUTCH. Maximal unnötig im Alltag, weil ohne Henkel, wird sie von Frauen eigentlich nur getragen, wenn alles andere am Outfit auch komplett Alltags-Unpraktisch ist. Beispielsweise farblich abgestimmt zum Abendkleid auf irgendwelchen Veranstaltungen, die nichts weiter erfordern, als einen roten Lippenstift in der Tasche (schon wieder so ein Klischee). Dass Männer auf diesen äußerst fragwürdigen Taschentrend aufsprangen, lag wohl an dem ein oder anderen Fußballspieler und Blogger, die ihr privilegierten Lifestyle mit dieser Privileg-Bag zur Schau stellten. Na ja, wir machen alle mal Fehler.

2017: Die Fanny Bag wird zum Lieblingsaccessoire aller Hypebeasts

2017 dann die Rettung: Die Bauch- oder Gürteltasche, in den Neunzigern das Ferienaccessoires von Papa, später Alleinstellungsmerkmal für Dealer auf Ravepartys, wurde zum genderübergreifenden Go-To-Accessoire, das sich bis heute hält. Die Fanny Bag, wie man sie auch nennen darf, ist vielleicht die praktischste mobile Aufbewahrungsoption, die es je gab. Locker über die Schulter geschmissen, bietet sie genau die richtige Größe für so ziemlich jede Gelegenheit. Beim Feiern ist sie etwa ein viel entspannter Partner als die Clutch, weil sie dafür sorgt, dass unsere Hände frei bleiben (... endlich wieder einen Drink und eine Kippe gleichzeitig gönnen). Träumchen.

Symbolbild: Bauchtasche

2018: Alyx macht's vor, alle machen es nach – Survival Bags und Brustbeutel

Was machen Hypebeasts, wenn ihr Lieblingsaccessoire zum Mainstream geworden ist? Genau, das nächste suchen. 2017 trat der Brustbeutel das Rennen gegen die Bauchtasche an. Was früher Grundschulkindern vorbehalten war, entwickelte sich dank Labels wie der Streetstyleliebling Alyx schnell zum nächsten heißen Ding: Survival-mäßig um den gesamten Oberkörper geschnallt, verschafft diese Variante der Brusttasche ihrem Träger eine gewisse Strenge und Erhabenheit, die richtig eingesetzt, ziemlich heiß sein kann. Ein Vibe, den Kanye West mit als erstes für sich entdeckte.

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2019: Eigentlich wollt ihr alle süße Mathelehrer sein – und Crossbody-Taschen tragen

Vergangenes Jahr dann die Erkenntnis: Ein bisschen Survival-Held zu spielen, kann ja ganz nett sein. Doch in aufrüttelnden Zeiten ist es auch ganz schön, mal von der heilen Welt und sicheren Jobs zu träumen: Sah der junge Bio-Referendar in der Schulzeit nicht immer total entspannt aus? Mathelehrer sein, wäre das nicht ein relaxter Job, beamtet und mit sechs Wochen Sommerferien? Vielleicht zeichnete sich deshalb die Crossbody-Tasche als neuer Trend ab. Aus braunem Leder baumelt sie lässig an der Hüfte ihres Trägers und wartet nur darauf, dass Notizbuch, Arbeitsblätter ( ... und das ein oder andere Stück Kreide?) in ihr verschwinden.

Asap Rocky trägt die Crossbodybag auch 2020 noch

2020 : Dior Saddlebag, Chanel 2.55 – gönnt euch

Unisex ist 2020 das Stichwort in der Mode. Musiker wie Pharell Williams, Harry Styles, Tyler the Creator oder Frank Ocean aber auch Blogger wie Willy oder Bryan Boy zeigen, dass auch klassische Taschenmodelle, die wir bisher nur an Frauen* gewöhnt waren, supernice an Männern aussehen können. Je femininer die Tasche, desto aufregender der Stilbruch zum Rest des Outfits. Dabei gilt: Bloß keine Angst vor Farben und Formen.

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Der Modedesigner Marc Jacobs trug zu seiner Hochzeit sogar ein klassisches Kettenriemen-Modell von Chanel. Und der kolumbianische Sänger Maluma zeigt auf Instagram, wie gut die Saddle-Bag von Dior sich an so einen Männerkörper schmiegen kann. Läuft!

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Quelle: Noizz.de