Grund genug, die Erfolgsstory des duften Bäumchens genauer zu betrachten.

Das Modelabel Balenciaga macht seit zwei, drei Saisons nur noch mit drei Dingen Schlagzeilen: Horrende Preise, Ugly Sneaker und krasse Copy-Cat-Aktionen.

Einer der ersten medienwirksamen Streiche des Hauses war die Nachahmung der legendären Ikea „Frakta Bag“, im Sommer wurde das Luxuslabel von einem New Yorker Souvenir-Shop verklagt und gerade ist auch schon die nächste Anzeige ins Haus geflattert.

[Mehr dazu: Souvenir-Shop verklagt Balenciaga – wegen dieser Tasche]

Der Grund: Bunte Schüsselanhänger, die 1:1 aussehen, wie die kleinen Duftbäumchen, die gefühlt an der Hälfte aller Rückspiegel weltweit baumeln.

Über den Preis der Schlüsselanhänger (immerhin stolze 275 Dollar) wollen wir uns an dieser Stelle gar nicht mehr wundern. Diese Einkaufstüte von Balenciaga kostet ja auch 1900 Euro. Viel eher drängt sich eine ganz andere Frage auf:

Wie hat es das kleine Duftbäumchen eigentlich geschafft, so verdammt populär zu werden?

Gefühlt baumelt es nämlich schon seit Anbeginn der Zeit in den muffigen Autos irgendwelcher Großtanten und Späthippies, die entweder nicht richtig mit ihrer Klimaanlage umgehen können, im Auto (Gras) rauchen oder deren Rückbank nach nassem Hund richt – als letzte Waffe im Kampf gegen die ungewollte Geruchskulisse. Im Fall der Marihuanakutsche auch ein gekonnter chemiewaffenartiger Angriff bei einer Polizeikontrolle – der penetrante Duftstoff des absonderlichen Bäumchens ist nämlich meist so aggressiv, dass es alles andere übertüncht – und gerne auch mal Migräne-Kopfschmerzen herrvorruft.

Wer hat das Wunderbäumchen erfunden?

Hierzulande heißt der kleine Duftanhänger „Wunderbaum“, seine Erfolgsgeschichte begann aber vor über 60 Jahren in den USA. Die Erfindung verdanken wir einem gewissen Tüftler namens Julius Sämann. Dieser hatte eine Zeit lang in kanadischen Kiefernwäldern gelebt und gearbeitet – ob er von seiner Frau verstoßen wurde, oder einfach keinen Bock auf Menschen hatte, ist nicht bekannt. Seine Passion: Die Erforschung und Extraktion der aromatischen Öle aus den Kiefernadeln. Stanni.

Als sich wenig später ein Milchausliefer in New York (Sämann war mittlerweile in die Zivilisation zurückgekehrt) über den säuerlichen Geruch verschütteter Milch in seinem Wagen beklagte, kam dem Kieferholz-Enthusiast eine Idee: Er suchte sich ein Spezialpapier, dass er mit den ätherischen Kiefernadelölen tränkte und, tadaa, fertig war der mobile Lufterfrischer. Um seine Liebe zum Wald gänzlich auszudrücken, gab er dem Duftanhänger die Form eines Bäumchens – der Kult-Anhänger „Little Tree" war geboren.

Das Duftbäumchen erlangt Popkultur-Status

Von den USA aus verbreitete sich der Duftanhänger schnell über die ganze Welt – Milch wird schließlich nicht nur in New York verschüttet. Spaß beiseite, der Markt für ein praktisches Lufterfrischungsprodukt reichte natürlich weit über die Milchbranche hinaus. Bald entdeckten Taxifahrer die Anhänger nicht nur als Lufterfrischer, sondern auch wegen ihres dekorativen Zwecks – und machten sie schnell populär. Der kleine Baum wurde zum beliebten Autoaccessoire für Jedermann.

Heute wird der Anhänger unter den Namen „Wunder-Baum", „Little Trees“ und „Arbre Magique" auf der ganzen Welt vertrieben – und schmückt sich mit Auftritten in über 1500 Filmen und Fernsehsendungen, wie die Macher stolz auf ihrer Website schreiben – ein richtiges kleines Popsternchen, das Bäumchen! Auf Instagram hat es nicht nur einen Account, sondern einen für (fast) jedes Land. Von Indonesien bis Brasilien – der Lufterfrischer hat mehrere zehntausend Follower am Start!

Vielleicht geht das Unternehmen deswegen auch so hart gegen Copy Cats wie Balenciaga vor. Wer den Celebrity-Status erstmal hat, will ihn schließlich nicht mehr abgeben.

Mit dem Ruhm kommt die Veränderung

Mit dem ursprünglichen Kiefernholz-Duftgewand will sich der „Wunder-Baum“ – die alte Diva – heute nicht mehr abgeben. Auch wenn die ikonische Form geblieben ist, die Designs des kleinen Bäumchens wurden über die Jahrzente immer wilder, die Duftkreationen verrückter. Über 60 Sorten gibt es mittlerweile. Ob zuckriges „Melting Caramel", fruchtiges „Pina Colada“ oder „Bubble Gum" – die Auswahl wird von Jahr zu Jahr gewagter. Auch Düfte wie „New Car", „Echtleder Duft" und „Pure Steel" erfreuen sich von großer Beliebtheit – Was wohl als nächstes kommen wird?

Die Deutschen kaufen sich übrigens am liebsten Bäumchen der Sorte „Vanille" – ausgefallen wie eh und je.

Quelle: Noizz.de