Als erstes Mode-Event wird die Londoner Fashion Week im Juni stattfinden – aber auf eine ganz besondere Weise. Damit zeigt die britische Modemetropole mal wieder, wie fortschrittlich sie ist – und revolutioniert dabei beiläufig das komplette Fashion-Game.

Sei mal ehrlich, wann hast du dir das letzte Mal richtig viel Mühe mit deinem Outfit gegeben? In Zeiten, in denen selbst "Vogue"-Ikone Anna Wintour in Jogginghose im Homeoffice sitzt und man sich schon freut, wenn man wenigstens zum Müll rausbringen in eine nice Übergangsjacke schlüpfen kann, ist Fashion irgendwie so ziemlich das Letzte, woran man denkt.

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Vermisst du es auch so krass, einfach mal wieder angestrengt vor dem Kleiderschrank zu stehen und zu grübeln, ob du das übergroße Batikshirt lieber mit einem Paar klobigen Docs rocken willst oder doch auf deine Go-to-Sneaker vertraust? Ob du lieber zur Stanni-Bauchtasche oder doch zum Hypebeast-Brustbeutelgreifen sollst?

So geht es uns auch. Denn ja, die Modebranche steht auf fast gespenstische Weise still. Hier und da spült der ein oder andere Drop ein bisschen Begeisterung hoch – aber wenn man nicht mal weiß, ob man seine Garderobe dieses Jahr überhaupt noch für Sommerurlaub oder lieber gleich für Weihnachten updaten soll, fällt auch das Shoppen irgendwie schwer.

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Noch schlimmer als uns Verbraucher trifft es natürlich die Designer und Labels selbst: In Mailand und Paris wurden die Sommershows komplett abgesagt. An Materialien kommen oder ganze Kollektionen produzieren lassen? Fällt durch weltweite Ausgangssperren auch erst mal flach – halleluja, Globalisierung. Und im Vergleich zu vielen anderen Branchen funktioniert Mode immer noch ganz gut im Einzelhandel – aber wenn der geschlossen hat und niemand bummeln, shoppen und Kleidung anprobieren gehen kann, dann ist das wirtschaftlich einfach eine riesige Katastrophe.

London will was ändern, London ändert was

In London wollte man das nicht weiter taten- und hilflos mit anschauen: Die Veranstalter der dortigen Fashion Week wollen die Modewoche trotz Corona stattfinden lassen – aber auf ganz besondere Weise.

Models während der Londoner Fashion Week im Februar 2020

Als eine Art riesiges digitales Kulturfest soll die Fashion Week nämlich umgesetzt werden. Und das ist nicht nur ein milder Trost für den Ausfall "echter" Shows – sondern bietet sogar ganz schön viele Vorteile gegenüber einer klassischen Modewoche:

#1 Designer und Labels können richtig kreativ werden

Normalerweise läuft das ja so ab: Designer zeigen ihre Kollektionen entweder in der Form einer Runway-Show (dafür müssen sie aber genug Geld mitbringen) oder stellen die Mode während einer Messe oder in einem Showroom aus, den Einkäufer besuchen können. Auf der neuen digitalen Plattform, auf der die London Fashion Week stattfinden wird, will der British Fashion Council Teilnehmenden jetzt Freiraum geben, die Mode so zu präsentieren, wie die Brands das selbst am Coolsten finden. Das kann in Videoform sein, als Fotostrecke, Liveübertragung oder sogar als Podcast. Auch Interviews zu den Kollektionen, Meinungsbeiträge, Tagebucheinträge, oder komplette virtuelle Showräume seien möglich!

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Es soll dabei nicht nur um Mode im engeren Sinn, sondern auch über den Bezug zur Gesellschaft, Identität und Kultur gehen, teilte der Veranstalter BFC mit. Wie cool ist das bitte? Denn schließlich weiß jeder, der sich ein bisschen mit Mode beschäftigt, dass es nie nur um das reine Kleidungsstück an sich geht. Dass Designer jetzt die Möglichkeit haben, ihre Visionen direkt mit dem Publikum zu teilen, ohne sich mit der Umsetzung einer sperrigen Show auseinandersetzen zu müssen, ist deshalb absolut begrüßenswert: So haben auch kleinere Newcomer-Brands und Jungdesigner, die sonst im ganzen Runway-Wirrwarr rund um die bekannten Luxusmarken untergehen, die Chance, ihre Mode cool und packend vorzustellen.

#2 Das Event wird genderneutral – und zeigt Stereotypen damit den Mittelfinger

Die Plattform soll komplett "genderless" werden. Die klassische Trennung von Damen- und Herrenkollektion soll aufgehoben werden, beides miteinander verschmelzen. Nice! Das ist nicht nur fair allen Marken gegenüber, die eh schon auf Unisexmode umgestiegen sind, sondern ist auch für nichtbinäres Publikum super.

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#3 Nichts da Elite, jeder kann dabei sein

Na, wer darf in die Front-Row? Jeder! Durch das digitale Konzept erfährt die Modebranche vielleicht die größte Demokratisierung ihrer Geschichte. Denn die Frage, zu welcher heiß begehrten Runwayshow einem als Normalsterblicher Einlass gewährt wird, stellt sich so nicht mehr. Genauso wenig, zu welcher exklusiven After-Show-Party wer eingeladen ist – die Plattform soll Mode für ein breites Publikum zugänglich machen.

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Damit erhoffen sich die Veranstalter, auch international den Spaß an Mode zu neuem Leben zu erwecken. "Die Designer teilen ihre Geschichten und ihre Kollektion mit einer größeren Community weltweit. Wir hoffen, dass das neben persönlichen Perspektiven über die schwere Zeit eine Energie der Inspiration freisetzt", beschreibt BFC-Chefin Caroline Rush die Vision des virtuellen Events.

#4 Die Umwelt sagt auch Danke

So eine Modewoche ist auch aus Nachhaltigkeitssicht ein ganz schönes Mammutprojekt: Immerhin fliegen Einkäufer, Models, Designer, Influencer, Stars und Journalisten aus der ganzen Welt zu den großen Fashionweeks in Mailand, Paris, New York und London. Von dem ganzen Taxi-Verkehr vor Ort, dem riesigen Logistikaufwand und Co. gar nicht erst zu sprechen.

Klar, auch für eine Online-Plattform muss Content erstellt werden – aber alleine dadurch, dass nicht Hunderte Menschen an den Ort reisen, sollte den CO2-Fußabdruck der LFW immens verkleinern.

Models während der Londoner Fashion Week im Februar 2020

Ein Wermutstropfen gibt es ...

Für Streetstylefotografen wird das eine ziemlich traurige Season. Denn ohne Shows und Partys gibt es auch keine aufgestylten Gäste, die es sich zu fotografieren lohnt. Obwohl das ja mittlerweile auch fast nur noch Influencer in von Marken gestellten Ganzkörper-Looks sind – von daher vielleicht doch nicht so schlimm.

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Die Londoner Fashion Week soll vom 12. bis 14. Juni 2020 auf der Website www.londonfashionweek.co.uk stattfinden.

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  • Quelle:
  • Noizz.de